Ein Zuhause für die Kreativen

So könnte es aussehen: Die Alte Mu wird zum Kreativen Dorf im Herzen von Kiel. Foto: Svenja Paetsch

Kiel. Ein lebendiges Kreativ-Dorf im Herzen der Stadt: Dieser Vision ist der Verein Alte Mu Impuls-Werk mit der Unterzeichnung einer Zielvereinbarung zwischen der Stadt Kiel und dem Land im Dezember vergangenen Jahres ein ganzes Stück nähergekommen. Inzwischen stehen die nächsten Schritte fest. 

„Hier wird lebenswerte Zukunft gemacht“, ist Utha Bonowsky, Vorstand des Vereins Alte Mu Impuls-Werk, überzeugt. Sie ist begeistert von der Perspektive, die die Zielvereinbarung zwischen Stadt und Land den Kreativen bietet. Das Land als Eigentümer des Geländes und die Stadt als Vermieterin des Gebäudes haben in der Zielvereinbarung festgelegt, dass die Alte Mu das Gelände in Erbbaurecht pachten darf – eine große Kostenersparnis für den Verein. „Andererseits bedeutet das natürlich, dass das Land auf die Einnahmen durch den Verkauf des Geländes verzichtet“, stellt Utha Bonowsky klar. Stadt und Land würden stattdessen alles daran setzen, dass die Ideen des Vereins realisiert werden können. Und Ideen gibt es einige.

Das Kreativzentrum, das sich nach dem Umzug der Muthesius Kunsthochschule 2012 in den Räumlichkeiten am Lorentzendamm entwickelt hat, soll sich zu einem zeitgemäßen, klimafreundlichen und lebendigen Quartier für Wohnen, Leben und Arbeiten erweitern – das alles in bester Lage in der Innenstadt Kiels. Ein zukunftsträchtiges Projekt, wie Utha Bonowsky findet. Das „Impulsquartier“ solle alle Lebensbereiche umfassen und Nutzungen mischen. „Wir möchten neue Formen des Daseins entwickeln.“ Konkret sieht die Vision so aus: Verschiedene Wohnkonzepte wie Clusterwohnen, temporäres Wohnen, studentischer und genossenschaftlicher Wohnraum und Atelierwohnen werden ergänzt durch Co-Working-Spaces, Ateliers, Kunsthandwerkbetriebe, einen „Maker-Space“ – eine offene Werkstatt zum Lernen und Erforschen –, Veranstaltungs- und Konferenzräumen, eine Kita sowie Gastronomie. „Alles vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit“, wie Utha Bonowsky betont.

Die Vision steht – doch wie geht es jetzt weiter? „Bis zum Ende des Jahres 2020 muss eine Genossenschaft gegründet werden, die als Bauträger fungiert“, erzählt Utha Bonowsky weiter. Um weitere baurechtliche Schritte gehen zu können, werde laut Bonowsky zunächst ein Startkapital von einer Million Euro benötigt. Bonowsky ist zuversichtlich: „Wir haben die Unterstützung der Politik und der breiten Öffentlichkeit. Die Alte Mu gehört zu Kiel, sie ist ein Aushängeschild. Das sind ganz wichtige Voraussetzungen für die Akquise verschiedener Investoren.“ Diese werden nun gesucht, Unternehmen genauso wie Bürger. „Jeder kann Mitglied werden“. Aktuell läuft eine Kampagne mit Prospekten und anderen Medien, die Investoren ansprechen soll. Parallel dazu werden eine Machbarkeitsstudie, verschiedene Gutachten und ein Ideenwettbewerb gestartet. „Der Ideenwettbewerb wird als Werkstattverfahren durchgeführt“, erklärt Bonowsky. In diesem offenen und transparenten Verfahren werden verschiedene Architektenbüros eingeladen, die sich gemeinsam über ihre Ideen austauschen.

Geplant ist, dass die Gebäude durch Aufstockung und Umbauten erweitert werden. Mit nachhaltigen Bauweisen wie etwa in Holzbauweise sollen die bestehenden Gebäude – in Abhängigkeit verschiedener Faktoren – durch zwei oder drei Geschosse aufgestockt werden. Vorgesehen sind 6550 Quadratmeter Wohnraum, 3300 Quadratmeter für Gewerbe, Ateliers, Gastronomie, Einzelhandel und Veranstaltungen und 1380 Quadratmeter für den Maker-Space, die offenen Werkstätten. Die Dachflächen sollen begrünt werden, außerdem sind Windkraftanlagen und/oder Fotovoltaikanlagen auf den Dachflächen geplant, um die Energie langfristig aus regenerativen Energiequellen zu erzeugen. 

Die Fertigstellung ist bereits für 2025 geplant, bis dahin läuft der momentane Betrieb weiter. So haben all die verschiedenen Projekte in der Alten Mu auch weiterhin einen festen Platz. Um sie herum soll ein zeitgemäßes und klimafreundliches Quartier entstehen, das in Zukunft noch vielen weiteren Kreativen ein Zuhause bieten wird. svp