Ein Unterschlupf für den Winter

Martin Reinhart (v.li.), Amtsleiter im Amt für Wohnen und Grundsicherung, Catharina Paulsen, Vorstandsmitglied Hempels, Anita Lex, Amt für Wohnen und Grundsicherung, Marina Koch, Caritas, und Jörg Spriewald, Stadtmission Mensch, stellten die Notunterkünfte vor. Foto: Svenja Paetsch

Kiel. Zwei Schränke, zwei Betten, zwei Stühle: So sehen die Zimmer in der neu errichteten Notunterkunft in der Adolf-Westphal-Straße in Kiel aus. Hier, auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes, steht nun eine coronakonforme Containeranlage, die obdachlosen Menschen Schutz und einen warmen Schlafplatz für die Nacht bietet. Sie ergänzt die Erfrierungsschutzcontainer, die die Stadt Kiel und die Stadtmission Mensch in den vergangenen Jahren aufgestellt haben.

„Wir können in Corona-Zeiten das alte Konzept nicht zu 100 Prozent umsetzen“, erklärt Martin Reinhart, Amtsleiter Amt für Wohnen und Grundsicherung, der das neue Projekt gemeinsam mit seiner Kollegin Anita Lex, Catharina Paulsen, Vorstandsmitglied Hempels, Marina Koch von der Caritas und Jörg Spriewald von der Stadtmission Mensch vorstellte. „Bisher konnten die Bedürftigen einfach in die Container kommen. Wir wussten nicht, wer wann da war“, erklärt Reinhart weiter. Das gehe in Corona-Zeiten nicht mehr. Nun müsse man genau schauen, wer in der Unterkunft schlafe und wo er – sollte doch ein Corona-Fall auftreten – zu finden sei. Daher müssen sich betroffene Personen nun vormittags bei der Zentralen Beratungsstelle für Männer (ZBS) beziehungsweise der Frauenberatungsstelle (FBS) anmelden. „Wir schauen dann, ob noch Plätze frei sind. Wenn ja, erhalten die Betroffenen einen Brief als ‚Eintrittskarte‘“, erklärt Jörg Spriewald. Wer die nicht hat, kommt nicht rein. Zwischen 17.30 und 20.30 Uhr müssen die Betroffenen eintreffen, so lange sind Mitarbeiter der Stadtmission Mensch vor Ort. Danach steht ein Wachdienst bereit. „Der ist nötig, um einen geregelten Zutritt zu gewährleisten.“ Morgens um 9.30 Uhr wird der Container wieder geschlossen, bis dahin muss jeder die Anlage verlassen haben. Im Regelfall gilt die „Eintrittskarte“ für eine Übernachtung, betroffene Personen müssen sich also jeden Tag neu anmelden.

16 Personen können zeitgleich in der Anlage unterkommen, ein Isolationszimmer für eine 17. Person steht bereit. Auch Duschen und Toiletten sind vorhanden. Das Angebot gilt bis zum Ende der Wintersaison.

Auch das Winternotprogramm ist von den Corona-Maßnahmen geprägt. Auf den Gemeinschaftsflächen besteht Maskenpflicht. Jeder wird bei der Anmeldung auf Corona getestet, darüber hinaus wird jeden Montagabend jeder Bewohner getestet, zwischendurch gibt es punktuelle Tests. Die Betroffenen sollten darüber hinaus symptomfrei sein, um das Angebot nutzen zu können.

„Wir betreten Neuland, in Corona-Zeiten so eine Einrichtung aufzumachen“, sagt Reinhart weiter. Dennoch sei es ihm und auch Sozial- und Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken wichtig, dass Betroffene auch im Lockdown einen Anlaufpunkt haben. „In Kiel muss niemand ohne Unterkunft sein – dies gilt natürlich auch besonders in der kalten Jahreszeit. Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit der Stadtmission Mensch und Trägern wie Hempels und der Caritas in diesem Jahr eine Lösung gefunden haben, unser Winternotprogramm unter Corona-Bedingungen aufrechtzuerhalten“, erklärt Stöcken. svp

Wer selbst helfen möchte, kann sich beispielsweise an die Stadtmission Mensch, Hempels oder Caritas wenden. Dort werden die Hilfen dann koordiniert.