Ein Klumpen Bienen in der Tüte

Bienenrettung Foto: hfr

Feuerwehr hilft Hobby-Imker bei Rettung eines wohnungslosen Bienenschwarms

Kühren. Damit hatte Joachim Funk nicht gerechnet. Als der Hobbyimker vor einigen Tagen seinen Bienenstand in Kühren besucht, entdeckt er durch Zufall im Geäst einer mehrstämmigen Salweide, die er vor 40 Jahren hier gepflanzt hat, einen ausgebüxten Bienenschwarm – in neun Meter Höhe. Zwei Tage zuvor hatte er seine Völker kontrolliert: „Sie waren stark, und dann sind Schwärme möglich. Der warme April hatte zu einem ersten guten Honigeintrag aus Schlehen, Süßkirsche und Apfel geführt. Als dann die Wetterlage einbrach, setzten die Bienen auf Vermehrung.“ Der Platz im Stock werde dann knapp, deshalb seien regelmäßige Kontrollen erforderlich, um rechtzeitig eingreifen zu können. In diesem Fall habe er offensichtlich etwas übersehen.

Schwarmbildung sei etwas ganz Natürliches, so Funk: „Wenn das Volk eine bestimmte Größe erreicht hat, zieht es sich eine neue Königin heran, und die alte fliegt mit einem Teil ihres Gefolges davon, um sich einen neuen Unterschlupf zu suchen.“ Heute finden die Bienen meist keine natürlichen Baumhöhlen mehr. Und wenn nicht ein Imker sie rette, sprich wieder einsammele, bedeute das in der Regel den Tod der bis zu 10.000 Individuen in einem Schwarm. Funk: „Bei schlechtem Wetter kann so ein Schwarm schon mal 14 Tage in einem Baum hängen. Die fliegen dann nicht weg, sind dem Regen schutzlos ausgeliefert und verhungern.“

Was also tun? Den Schwarm in schwindelnder Höhe im Alleingang zu retten, kam für den 76-Jährigen diesmal nicht in Frage. Das Risiko sich zu verletzen, war ihm zu hoch. „Abgesehen von dem Kletterakt ist auch das Eintüten der Schwarmtraube mit einer Hand sehr schwierig, denn die andere braucht man ja, um sich festzuhalten“, weiß Funk aus Erfahrung. Prompte Hilfe fand er bei der Freiwilligen Feuerwehr Kühren, deren Wehrführer Torsten Addix sich das Problem vor Ort erläutern ließ und wenig später mit Feuerwehrfahrzeug und Kollegen wiederkam. Den Stamm herunterzubiegen, das ging nicht. Deshalb musste er fallen. Um ihn so sanft wie möglich zu Boden zu bringen – jeder Ruck kann zur Flucht des Schwarms führen – hatte Funk bereits von der Leiter aus störende Äste entfernt und den Schwarm mit Wasser aus einer Druckspritze benetzt, um die Bienen zu beruhigen. Die Feuerwehrleute sicherten den Stamm mit einem Seil, um ihn nach dem Absägen vorsichtig abzusenken. Jetzt konnte Funk einen großen Kunststoffbeutel über den Ast mit der Traube stülpen: „Dann schließe ich den Sack und schüttele den Ast kurz und zackig, sodass die Traube abfällt und am Boden der Tüte liegt.“ Anschließend schüttet er den Schwarm in die bereitgestellte Bienenbeute. Es sind seine Bienen, wie er an der markierten Königin erkennt. Den Helfern von der Feuerwehr ist Funk sehr, sehr dankbar, er belohnte sie mit leckerem Honig, „denn sie haben mich aus einer Not befreit.“ Jedes Jahr rettet Funk ein bis zwei Bienenschwärme, meist alarmiert er dann die aktuellen Teilnehmer seiner Schulung, die ihm helfen und dabei ordentlich etwas lernen. Vor Bienenstichen fürchtet er sich nicht: „Während der Schwarmzeit sind die Bienen sehr sanftmütig, da haben sie mit Futter- und Höhlensuche andere Nöte und stechen eher selten.“ Begegnet man einem Schwarm, empfehle es sich aber trotzdem, einen Imker zu benachrichtigen. kib