Ein Garten zum Mitmachen

Auf Tanja Goiles selbst gebauten Rasensofa sitzt man gemütlich direkt mitten im Grünen. Foto: Jan Köster

Im „Lifegarten“ können Kinder und Erwachsene Gartenarbeit ausprobieren

KIEL. Eigentlich wird Tanja Goile vom Schaukeln schnell schlecht. Aber um zu zeigen, dass ihre Duftschaukel auch mit den vielen Blütenpflanzen funktioniert, die von Insekten umschwirrt unter ihr wachsen, steigt die 49-Jährig trotzdem auf und wagt ein paar kräftige Schwünge. Links und rechts an die Schaukel hat sie verschiedene Sorten von Thymian, Jasmin, Schlingenknöterich und andere duftende Pflanzen gesetzt, die dem Schaukel-Erlebnis in ihrem kleinen Gartenparadies noch eine Duftkomponente hinzufügen. – Ideen wie diese hat Tanja Goile reichlich.

Seitdem sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr regulär arbeitet, widmet sie sich ihren Gärten. Zwei hat sie davon in einem Gartengebiet in Wellingdorf. Den mit rund 2000 Quadratmetern größeren der beiden bearbeitet sie gemeinsam mit Freundinnen und Freiwilligen nicht nur für sich, sondern auch für alle, die mal mitmachen möchten. „Lifegarten“ nennt sie das Prinzip – ein Garten für das Leben, und zwar in vielfacher Hinsicht. Der Garten dient nicht nur der Ernährung und damit dem Über-leben, sondern auch der Begegnung für gemeinsames Er-leben und ganz besonders auch als Leben-sraum für möglichst viele verschiedene Pflanzen und Tiere.

Nachhaltigkeit nach den Grundsätzen der Permakultur ist das, was Tanja Goile in gärtnerischer Hinsicht lebt und was sie anderen Menschen zeigen möchte. Inzwischen ist sie mit ihrem Lifegarten auch Mitglied im Kieler Permakultur-Verein. Wer möchte, kann mit ihr zum Beispiel auch eine Führung vereinbaren und dabei lernen, dass hinter der aus traditionell-kleingärtnerischen Sicht „Unordnung“ in ihrem Garten System steckt. In der Permakultur herrscht Vielfalt in den Beeten, im Idealfall so, dass der Boden das ganze Jahr über bedeckt ist und die Pflanzen sich gegenseitig nützen – zum Beispiel binden Bohnen Luftstickstoff, der als Dünger den Pflanzen in der Nachbarschaft zugutekommt, größere Pflanzen bieten kleineren Schutz vor Sonne und Wind, Tiere, die bevorzugt an einer Pflanze vorkommen, reduzieren unter Umständen die Zahl der Schädlinge an den Pflanzen nebenan. Beerensträucher und Bäume bieten wiederum Nahrung und Lebensraum auch für größere Tiere. Dies alles – selbstverständlich ohne Chemie – im ökologischen Gesamtzusammenhang zu denken und zu gärtnern, sodass möglichst alle Lebewesen im Garten voneinander profitieren, ist das Ziel von Permakultur.

Ihren Lifegarten hat Tanja Goile als künftigen Waldgarten angelegt. Zwar sind die meisten Bäume noch jung, aber schon jetzt tragen Apfelbäume, Mandeln- und Feigenbäume, Walnuss, Esskastanie, Haselnuss, Rosinenbaum, Blauschotenstrauch, Indianerbanane, Karamellbeerenstrauch und so weiter und so weiter Früchte und sind Teil der ökologischen Vielfalt in Tanja Goiles kleinem Naturparadies. Zu jedem Strauch, jedem Kraut und jedem Pilz kann sie etwas erzählen.

Wenn sie will, schnitzt sie mit der Kettensäge oder schneidet mit dem Trennschleifer Gartenfackeln aus alten Feuerlöschern. Die gemütliche Komposttoilette hat sie ebenso selbst gebaut wie ihr Rasensofa oder die kleine Bühne, die Schutz vor Regen bietet. Zwei kleine Abendveranstaltungen mit Gästen gab es dort schon. „Man kann hier alles Mögliche machen“, sagt Tanja Goile.

Wer im Lifegarten mit gärtnern oder mit ernten oder die Ernte mit einkochen und mit aufessen möchte, wer also das Permakultur-Gärtnern im Lifegarten mal kurz oder länger ausprobieren möchte, kann über die Webseite lifegarten-kiel.de oder Tel. 0157-50682900 Kontakt mit Tanja Goile aufnehmen. Ab Dienstag, 24. August, bietet sie außerdem an jedem Dienstag in einer „geraden“ Woche eine offene Gartengruppe für Kinder ab 6 Jahre an. kst