Ein bisschen Kieler-Woche-Feeling

Zeit und Platz zum Hämmern hat der siebenjährige Linus aus Kronshagen auf der Spiellinie an der Kiellinie genug. Besuche dort sind im Corona-Jahr 2020 nämlich nur mit vorheriger An-meldung und in kleinen Gruppen möglich. Foto: kae

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Durch Corona haben Kinder beim Hämmern und Basteln an der Spiellinie mehr Platz als sonst

Kiel. Bungeetrampolin, Kletterparcours, ein Jongleur, der mit seinen Kunststücken Kinder und Eltern zum Lachen bringt: Im Schloßgarten ist fast so etwas wie „echtes“ Kieler-Woche-Feeling zu spüren. Anders als auf der Reventlouwiese, wo in diesem besonderen Jahr die Spiellinie zu finden ist. Dort klingen die Hammergeräusche ziemlich einsam und das gesamte Gelände ist nur vereinzelt mit Kindern gefüllt.

Das hat allerdings auch Vorteile, denn so kann der siebenjährige Linus Brett für Brett an eines der Schiffe nageln, die im Laufe der Woche dort entstehen, ohne dass andere Kinder drängeln. Nebenan wartet geduldig Mutter Yvonne Bergmann. Die Kronshagenerin hat bereits vor einer Woche im Internet kostenlose Tickets für den Workshop „Wir bauen ein Schiff!“ gebucht. Pünktlich um 15 Uhr durfte die Familie auf das Gelände, und nun hat Linus bis 17.15 Uhr Zeit, zu hämmern, was das Zeug hält!

„Unsere Workshops hier finden zeitversetzt statt“, erklärt Felix Naumann vom Spiellinien-Team. Außerdem seien nur jeweils acht Kinder pro Workshop zugelassen. „Damit stellen wir sicher, dass die Kinder Abstand halten und sich nicht vermischen.“

Wer von der Kiellinie aus über die Absperrung hinweg auf die Spiellinie schaut, hat jedenfalls keine Bedenken, dass hier Corona-Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllt werden. Kinder sind nur ganz verstreut zu sehen, alle tragen eine Mund-Nasen-Maske, und jeder bleibt in seinem Bereich. Eigentlich geht Spiellinie anders, doch Felix Naumann ist trotzdem zufrieden: „Wir sind einfach froh, dass überhaupt eine Kieler Woche stattfindet.“ Yvonne Bergmann dagegen ist zwiegespalten: „Für Linus ist es ganz schön, dass es hier so leer ist, aber mit Kieler Woche hat das wenig zu tun.“

Etwas munterer ist das Treiben dagegen im Schloßgarten. Blendet man hier die abgehängten Zäune rund um das Areal und die Einlasskontrollen aus, fühlt es sich fast an wie eine normale Kieler Woche: Kinder und Eltern laufen umher oder sitzen auf dem Rasen, es gibt Stände mit süßen und herzhaften Leckereien, und die Spiel- und Spaßangebote, von Fußball-Billard bis zur Wasserbaustelle, sind für alle Besucher mit Ticket frei zugänglich.

An Corona erinnern hier nur die Masken der Besucher und die Behälter mit Desinfektionsmittel auf den Tischen. Zumindest dann, wenn man überhaupt in den Eventbereich hineingekommen ist. Denn auch hier ist der Eintritt nur mit Tickets möglich, und die hat Familie Pommerenke aus Altenholz noch nicht. „Wir könnten sie hier jetzt noch direkt vor dem Eingang online buchen“, erklärt Vater Björn, „aber das lohnt nicht mehr, da wir aufgrund der Zeitbegrenzung nur noch 30 Minuten bleiben dürfen.“ Spontane Besuche auf der Kieler Woche 2020 sind eben schwierig. Aber nicht unmöglich: Aufgrund vieler nicht vergebener oder genutzter Tickets können Eintrittskarten auch noch direkt bei den Helpdesks an den Eingängen der Areale per QR-Code gebucht werden. kae