Die gepanzerte Verwaltung

Rund 80 Zentimeter dick und tonnenschwer ist die Tür des großen Tresorraums. Trotzem sind die Scharniere so leichtgängig, dass sie sich mit einer Hand bewegen lässt. Foto: kst

Ehemalige Bundesbank-Filiale ist jetzt das Kieler „Rathaus Hopfenstraße“

Kiel. Wenn das Kieler Stadtarchiv ins neue „Rathaus Hopfenstraße“ umgezogen ist, dürfte es mit die sichersten Archiv-Räume der Welt haben. Denn das neue Kieler Rathaus ist die ehemalige Filiale der Bundesbank in Schleswig-Holstein – die alten Tresorräume mit ihren bis zu 80 Zentimeter dicken Panzertüren werden unter anderem der Aufbewahrung von stadtgeschichtlich bedeutsamen Dokumenten dienen.

Bereits 2018 hatte die Stadt Kiel den Gebäudekomplex gekauft, um mit dem dort reichlich vorhandenen zusätzlichen Platz die Raumsituation im Alten und im Neuen Rathaus zu entspannen. Inzwischen sind die ersten Bereiche soweit umgebaut und renoviert, dass das Amt für Finanzwirtschaft, das Personalamt und der Kommunale Ordungsdienst dort einziehen konnten. Im Erdgeschoss, im Bereich der ehemaligen Schalterhalle, waren vorübergehend Teile von Kiel-Marketing untergebracht – der Verein ist aktuell dabei, in das gerade neu eröffnete „Welcome Center“ am Stresemannplatz umzuziehen. Insgesamt sollen rund 350 Arbeitsplätze im neuen „Rathaus Hopfenstraße“ entstehen.

Aus seiner Zeit als Hochsicherheits-Gebäude hat der Bau an der Ecke Hopfenstraße und Ringstraße noch eine Reihe von Besonderheiten: die vergitterten und schusssicheren Fenster im Erdgeschoss zum Beispiel oder die vier Tresorräume. Ganz unten, im zweiten Kellergeschoss, in der Nähe des gebäudeeigenen Blockheizkraftwerks, ist auch noch die Schießbahn erhalten, auf der die Angehörigen des hauseigenen Sicherheitsdienstes ungezählte Neun-Millimeter-Patronen verschossen, um sich auf mögliche Begegnungen mit Bankräubern vorzubereiten. Oder die ehemals vier Gäste-Appartements. Drei davon bleiben erhalten und sollen zum Beispiel der kurzfristigen Unterbringung von neuen Stadtmitarbeitern dienen, die noch keine eigene Wohnung in Kiel gefunden haben.

Fertiggestellt wurde das Gebäude 1992, geplant aber schon in den 1980ern, als der Kalte Krieg noch aktuell war. Darum wurde, wie damals bei solchen Bauten üblich, ein Teil der Tiefgarage als Bunker geplant. Wie in der Tiefgarage unter dem Kieler Schloss kann deshalb auch ein Teil der Tiefgarage in der Hopfenstraße mit einem schweren Schiebetor vom Rest abgetrennt und bombensicher verschlossen werden.

Das Stadtarchiv wird nach aktueller Planung im kommenden Jahr in die alte Bank einziehen und dann endlich barrierefrei erreichbar sein. Aktuell ist der Lesesaal im Kieler Rathausturm für Menschen die schlecht zu Fuß sind, nahezu unerreichbar. Für die Ämter bedeutet der Umzug in die Hopfenstraße vor allem kürzere interne Wege – so war das Amt für Finanzwirtschaft im Alten Rathaus über mehrere Etagen im ganzen Gebäude verteilt und ist jetzt im neuen Haus endlich vereint. kst