Die „Freedom“ hat sich schick gemacht

Traditionssegler soll die Hörn durch Kulturveranstaltungen beleben

KIEL. Das rot-braune lackierte Holz leuchtet in der Sonne, die beiden Masten ragen hoch in den Himmel. An einem Bistrotisch an Deck der „Freedom“ sitzen Sammy Kühne und Jens Broschell. Sie sind zwei der 17 Genossenschaftsmitglieder, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den geschichtsträchtigen Zwei-Mast-Gaffelschoner aus dem Jahr 1945 wiederaufzubauen und mit einem Bistro und Kulturveranstaltungen zu neuem Leben zu erwecken.

Sieben Jahre lang lag der Traditionsgroßsegler ungenutzt in Eckernförde. „Dadurch war die Freedom in einer Art Geisterschiffzustand“, sagt Sammy Kühne. „Wir haben dann eine Genossenschaft gegründet, um das Schiff zu erhalten, zu restaurieren und segelklar zu machen.“ 17 Mitglieder hat die Freedom Kultur- und Schiffskollektiv eG heute. Die Vision der jungen Menschen: die Freedom als Kulturschiff zu etablieren. „Wir wollten die Hörn beleben und ihren maritimen Charme verfestigen“, erklärt Jens Broschell.

Doch zuvor mussten die Segelfans im wahrsten Sinne des Wortes „klar Schiff machen“. Auf einer Werft in Wladyslawowo in Polen wurde das Stahldeck gesandstrahlt und gestrichen, Rost entfernt, die Masten neu lackiert und am Rumpf 125 Meter verrottete und beschädigte Planken getauscht. „Das hat ein Bootsbauer gemacht, den Rest haben wir selbst erledigt. Alles lief unter unserer Regie“, sagt Jens Broschell. Vier Monate haben die Genossenschaftsmitglieder in unterschiedlichen Besetzungen auf der Werft gelebt. „Das war ganz viel Fleißarbeit, und wir haben eine Menge Zeit hineingesteckt“, sagt Sammy Kühne. Im Oktober wurde das 34 Meter lange Schiff dann in den neuen Heimathafen nach Kiel überführt.

Nun liegt der Traditionssegler an der Kieler Hörn und lockt seit dem 1. August mit einem kleinen Bistro – aber damit ist die Geschichte der „Freedom“ noch lange nicht vorbei. „Wir möchten gerne unter Deck Platz schaffen und dort einen Gastraum einrichten“, erzählt Jens Broschell. „Dafür müssen wir Wände rausnehmen und eine Heizung installieren. Das würden wir gerne in diesem Jahr noch umsetzen. Außerdem stehen noch diverse Anschaffungen wie Soundtechnik an.“ Auch einige Veranstaltungen sind in dieser Saison noch geplant. Beispielsweise zur Klimawoche vom 11. bis 17. September: Die Eröffnungsveranstaltung findet auf der „Freedom“ statt, außerdem verschiedene Workshops und Vorträge. Auch Ideen für die Zukunft gibt es schon zahlreiche: bei der Windjammerparade mitsegeln, Theatervorstellungen veranstalten, im Sommer vor den Stränden ankern und die Schwimmer und Schwimmerinnen auf die „Badeinsel“ mit Bistro einladen.

Doch das größte Projekt jedoch ist Ende des Jahres geplant: der Kauf der „Freedom“. Momentan sind die Genossenschaftsmitglieder nämlich noch Pächter mit Vorkaufsrecht. Die etwa 45.000 Euro, die die Sanierung bisher gekostet hat, wurden durch zwei Crowdfunding-Kampagnen, die Mitgliedsbeiträge und Förderungen bezahlt. Um den Kauf finanzieren zu können, muss sich das Konzept jedoch durch Bistro und Veranstaltungen selbst tragen. „Der gesamte Gewinn wird in das Schiff gesteckt. Je mehr Eis unsere Gäste also essen, desto eher können wir uns das Schiff leisten“, sagt Jens Broschell. Auch für Spenden ist die Genossenschaft offen, und wer das Projekt mit voranbringen will, kann auch noch Mitglied werden. „Wir suchen noch Menschen, die sich im handwerklich-technischen Bereich, aber auch in der Buchhaltung/Finanzen auskennen. Man kann uns einfach an Bord ansprechen.“ Doch die einfachste Unterstützungsmöglichkeit ist: einfach vorbeikommen. „Wir haben Getränke, selbst gemachtes Eis, selbst gemachten Kuchen und vieles mehr“, lädt Jens Broschell ein. „Wir wollen das Schiff wieder beleben. Und das geht am besten, wenn uns möglichst viele Leute besuchen.“ Das geht übrigens auch bei Regen. „Dann spannen wir eine Plane“, erzählt Sammy Kühne. „Das Prasseln des Regens ist sehr gemütlich.“ svp

Bordzeiten sind mittwochs und donnerstags von 12 bis 18 Uhr und sonnabends und sonntags von 12 bis 22 Uhr.