Der Riese fällt häppchenweise

Der Abriss des 85 Meter hohen Schornsteins des Kraftwerks an der Humboldtstraße hat begonnen. Foto kst

Kraftwerkschornstein soll bis Ende des Jahres abgerissen sein

Kiel. Seit wenigen Tagen schrumpft Stück für Stück der ursprünglich 85 Meter hohe Schornstein des Heizkraftwerks in der Kieler Humboldtstraße. Im Auftrag der Stadtwerke Kiel schneiden Spezialisten der Schwetzinger Firma Jünger + Gräter mit einer großen Kreissäge mit diamantbesetztem Sägeblatt jeweils rund 1,5 mal zwei Meter große Stücke aus der Oberkante und stoßen sie nach innen in die Tiefe des Schornsteins. „Die kommen dann im freien Fall nach unten“, erklärt Projektleiter Bastian Kremin. Unten im Schornstein landen die jeweils rund eine Tonne schweren Betonstücke in einem „Fallbett“ aus Kies und Stahl, das den Aufprall dämpft. Dann müssen die Brocken nur noch per Bagger geborgen und entsorgt werden. Bis etwa Anfang Dezember wird es nach der aktuellen Planung dauern, bis der gut 50 Jahre alte Schornstein nur noch 20 Meter hoch ist. „Der Rest wird dann konventionell mit einem Bagger abgebrochen“, so Bastian Kremin.

Die umlaufenden Gerüste, auf denen die Abbruch-Spezialisten arbeiten, werden mit dem Fortschreiten der Arbeiten Stück für Stück tiefer an Stahlringen aufgehängt, die um den Schornstein gespannt wurden.

Ursprünglich wollten die Stadtwerke Kiel ihren alten Schornstein mit einem sogenannten „Spinnenbagger“ abbrechen lassen, der sich mit seinen Beinen auf und in der Schornsteinöffnung festklemmt und die Kante quasi „abknabbert“. Doch dieses Verfahren wäre laut Bastian Kremin sehr laut für die Anwohner gewesen, darum die Umplanung auf das jetzt verwendete Verfahren.

Der rund 600.000 Euro teure Abriss wurde nötig, weil der große Schornstein seit März dieses Jahres nicht mehr benötigt wird. Weil die Stadtwerke Kiel ihr Fernwärmenetz von Heizdampf auf Heizwasser umgestellt haben, wurde auch die Technik des ursprünglich 1901 eingeweihten Heizkraftwerks noch einmal entsprechend modernisiert. Die neuen gasbetriebenen Anlagen kommen mit vier deutlich kleineren Schornsteinen aus. kst