Den Zeitgeist einfangen und erlebbar machen

Museumsdirektorin Dr. Doris Tillmann (links) und Museumspädagogin Yvonne Danker zeigen erste Exponate zur Sonderausstellung über die Kieler Fotografendynastie Renard. Foto: Sabrina Böhm

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Kiel. Der Luftkrieg 1945, Olympia 1972 und die Fotopioniere der Familie Renard aus dem 19. Jahrhundert – Kiels Geschichte hat viele emotionale und bewegende Höhepunkte. Was die Stadt und ihre Bewohner zu diesen Zeiten bewegte, zeigt das Stadt- und Schifffahrtsmuseum in seinen diesjährigen Ausstellungen. Neue Ausstellungsformate und interaktive Elemente laden zum Staunen und Entdecken ein.

Kiels Stadtgeschichte erlebbar festzuhalten, ist das Ziel von Museumsdirektorin Dr. Doris Tillmann. „Es geht immer darum, zu zeigen, wie sich die Menschen zur jeweiligen Zeit gefühlt haben und wie ihr Alltag ablief“, so Tillmann. Ein besonderer Ort im Kieler Stadtgebiet sei die Holstenbrücke stadtgeschichtlich schon immer gewesen. Und da sich hier mit dem Bau des Kleinen Kiel-Kanals gerade wieder einiges tut, ist die aktuelle Ausstellung „Die Kieler Holstenbrücke“ noch bis September im Erdgeschoss des Stadtmuseums Warleberger Hof zu sehen.

Eindrucksvoll und interaktiv

Laut und emotional wird es bei der Ausstellung „Luftkrieg und ‚Heimatfront‘“ ab dem 9. Februar im Obergeschoss des Museums. Das Aufheulen der Luftschutzsirene und die beklemmende Enge der Bunker sollen den Besuchern dann einen Eindruck davon geben, wie es zur Kriegszeit 1939 bis 1945 in Kiel war. Besonderes Ausstellungsstück wird ein Einmannbunker sein. Nicht viel größer als eine Litfaßsäule sollte dieser vor allem Wachmännern Schutz vor Luftangriffen bieten. „Die mussten auch bei Angriffen ihre Position behalten“, so Tillmann. Die Ausstellung, zu der es auch ein Begleitbuch geben wird, läuft bis zum 8. Juni.

Eindrucksvoll soll auch die neue Dauerausstellung im Schifffahrtsmuseum werden. Die Eröffnung ist am 15. März. Mit raumfüllenden Ausstellungsformaten, hallenhohen Bildern und ganzen Segelbooten werde die Halle eine ganz neue Optik erhalten, so Tillmann. Ebenfalls mit neuem Programm startet Mitte April das Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei, das seit Anfang des Jahres unter der Leitung des Stadt- und Schifffahrtsmuseums ist.

Ab 19. Juni möchte sich das Museumsteam einer noch jüngeren Vergangenheit widmen. Unter dem Titel „Die 1970er-Jahre – Zeit der Ernüchterung“ werden die Besucher zurückgeführt in die Zeit der Flokati-Teppiche, Abba-Musik und des ersten „klassenlosen“ Autos, dem Golf. In Kiel war Olympia ein großes Thema. 1972 wurden die Olympischen Segelwettbewerbe in Schilksee ausgetragen. Die Ausstellung wird bis zum 22. November im Obergeschoss vom Warleberger Hof zu sehen sein.

Eine der Sonderausstellungen in der zweiten Jahreshälfte wird sich der Kieler Fotografendynastie Renard widmen. Vom 27. September bis 11. April 2021 stellt das Stadtmuseum Stücke aus dem Bestand der Fotografenfamilie Renard aus. Dieser besteht aus einer großen Sammlung an Kameras und Bildern seit den Anfängen der Fotografie. Das Fotogeschäft der Renards wurde 1847 in Kiel gegründet und wird heute noch in fünfter Generation weitergeführt.

„Am Ende des Jahres gibt es dann noch etwas Schönes fürs Herz“, verspricht Tillmann. Am 13. Dezember eröffnet eine Ausstellung mit Werken von Impressionisten, die sich von der Kieler Förde inspirieren ließen.

Museum für alle erlebbar machen

Mit diesen großen Highlights und auch weiteren kleineren Sonderausstellungen wird die Stadtgeschichte auch in diesem Jahr in großer Breite im Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum dargestellt. „Um ein möglichst breites Publikum anzusprechen, wird es ein buntes Begleitprogramm geben“, so Museumspädagogin Yvonne Danker. So gibt es weiterhin regelmäßig Altstadtrundgänge oder auch Taschenlampenführungen für Kinder. Auch zum Kieler Umschlag am 28. und 29. Februar sind Aktionen geplant, zum Beispiel eine Kostümführung, bei der ein Schauspieler verkleidet als Stadtschreiber einen unterhaltsamen Blick auf die Stadtgeschichte von Kiel gibt.saa

Weitere Informationen zu den Ausstellungen gibt es online unter www.kiel-museum.de