Das tägliche Elterntaxi-Chaos

Verkehrschaos auf dem Schulparkplatz: Sogenannte "Elterntaxis" haben den Haltestreifen für Eltern (linke Seite) zugeparkt, sodass sich der nachfolgende Verkehr staut und die Kinder auf der Fahrbahn aussteigen müssen. Foto: tbu

Auto Club Europa dokumentiert Verkehrssituation vor Schulen im Land

Kiel. Die Liste der Vergehen ist schnell lang. Das sogenannte „Elterntaxi“ hält im Halteverbot, in der zweiten Reihe oder auf dem Gehweg. Im Rahmen ihrer bundesweiten Aktion „Goodbye Elterntaxi“ setzt sich der Auto Club Europa (ACE) seit März für eine bessere Verkehrssicherheit bei der Schulanfahrt ein, indem die aktuelle Situation vor ausgesuchten Schulen analysiert und bilanziert wird. Auf Hinweis des ortsansässigen Polizeireviers und eines Abschleppdienstes starteten Ehrenamtliche des ACE-Kreises Kiel nun vor den Schulen in der Rendsburger Landstraße 127d eine Zählaktion und dokumentierten die Einhaltung der Straßenverkehrsregeln.

Günter Hagemann, Kreisvorsitzender des ACE, erläutert die Quintessenz: „Viele Eltern von Kindern im Grundschulalter denken, dass auf dem Schulweg durch den Verkehr Gefahren lauern, dabei sorgen sie durch das Verkehrschaos unmittelbar vor den Schulen selbst für Gefahr.“ Hinzu kommt noch ein weiterer elementarer Aspekt. „Werden die Kinder mit dem Auto gebracht, können sie den Straßenverkehr nicht kennenlernen und das im Verkehrsunterricht Erlernte nicht anwenden.“ Obendrein werde nicht an die Kinder gedacht, die sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einem Roller auf den Schulweg begeben.

Besonders unmittelbar vor Unterrichtsbeginn staut es sich bis zum vollkommenen Verkehrsstillstand. „Ein großes Problem ist weiterhin die gegenseitige Rücksichtnahme“, sagt Hauptkommissar Sven Petersen von der Präventionsdienststelle der Polizeidirektion Kiel. Auf dem Parkplatz vor den Schulen in der Rendsburger Landstraße 127d gibt es zwar einen eigens vorgesehenen „Haltestreifen für Eltern“, doch dieser ist flugs zugeparkt, da einige Eltern ihre Kinder noch zum Klassenzimmer bringen. Nachfolgende Fahrzeuge haben dann keine Möglichkeit, diese offizielle Option zu nutzen. Der Verkehr staut sich, es wird gehupt, bei laufendem Motor auf dem Fahrweg der Kofferraum geöffnet – das Verkehrschaos ist innerhalb von Sekunden perfekt. Mittendrin die Kinder, denen zuweilen nichts anderes übrig bleibt, als auf der Fahrbahn auszusteigen. „Grundsätzlich ist es überall schwierig, weil die meisten Schulen in einer Zeit gebaut wurden, in der die wenigsten Familien überhaupt ein Auto zur Verfügung hatten. Durchschnittlich würden nur Parkplatzflächen mit einem Fassungsvermögen von mehreren hundert Fahrzeugen für reibungslose Abläufe sorgen, aber das ist natürlich utopisch“, erklärt Sven Petersen. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage von 2018 wird jedes fünfte Grundschulkind zur Schule gefahren. Zum Vergleich: Vor gut 40 Jahren machten sich noch rund 90 Prozent der Grundschulkinder selbstständig auf den Schulweg.

Die Initiative „Goodbye Elterntaxi“ geht weiter. Die Zählung an der Rendsburger Landstraße 127d ist die dritte in Schleswig-Holstein, zehn weitere werden folgen. Im benachbarten Hamburg sind es weitere zwanzig, in Niedersachsen zehn. „Es geht nicht darum zu schimpfen, sondern anschließend im Dialog mit Schulen, Eltern, Kommunen und der Polizei Lösungen zu finden“, so Günter Hagemann. Apropos Lösung, diese wäre aus Sicht des ACE schlicht und einfach: Ist der Fußweg kurz genug, so sollte er selbstständig aktiv zurückgelegt werden – in jedem Fall die letzten 500 Meter. tbu