Das letzte Auftauchen

Mit dem Forschungsschiff „Maria S. Merian“ war „Jago“ unter anderem vor der Küste Spitzbergens im Einsatz. Foto: Karen Hissmann/GEOMAR

Kiel. Es ist klein, gelb, knuffig-rund und einzigartig. Und „Das kleine gelbe Tauchboot Jago“ könnte man sich glatt als Titel eines Kinderbuches vorstellen. Aber „Jago“ ist das einzige bemannte Forschungs-U-Boot Deutschlands und hat inzwischen bei mehr als 1400 Taucheinsätzen in 30 Jahren Wissenschaftsgeschichte mitgeschrieben. Im kommenden Jahr soll „Jago“ außer Dienst gestellt werden. Die Gründe dafür sind einerseits finanzieller Natur, andererseits fehlt jemand, der „Jago“ in Zukunft steuern könnte. Denn der jetzige Tauchbootpilot Jürgen Schauer hat „Jago“ mitentwickelt und gebaut und bisher als einziger gesteuert. Zum Jahresende wird Jürgen Schauer in Rente gehen. Einen Nachfolger für ihn zu finden, hat bisher nicht geklappt. „Wir haben dies in den vergangenen Jahren sehr intensiv versucht, es gestaltete sich aber außerordentlich schwierig“, sagt Jürgen Schauer. Hinzu kommt, dass in der Wissenschaft vermehrt unbemannte Tauchroboter eingesetzt werden und die Nachfrage für die Nutzung von „Jago“ zurückgegangen ist. Außerdem wären, so Geomar, „zu einer zukunftsfähigen Modernisierung des Tauchbetriebes erhebliche Investitionen notwendig gewesen.“

Die Biologin Karen Hissmann koordiniert seit Langem die „Jago“-Einsätze. Sie bedauert die Stilllegung des zweisitzigen U-Bootes zwar sehr, kann die Entscheidung aber nachvollziehen. „An Tauchgängen mit ferngelenkten Robotern können über die Bildschirme an Bord der Schiffe mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gleichzeitig teilnehmen als mit bemannten Tauchbooten“, sagt die Biologin. Doch sie weiß auch: „Selber in einem Tauchboot abzutauchen, ist ein anderes Erlebnis, als die Wassersäule und den Meeresgrund zweidimensional auf dem Bildschirm zu erkunden.“

Ein wichtiger Grund für den Bau von „Jago“ waren die Erfolge mit seinem Vorgänger „Geo“, dem ersten bemannten Forschungs-U-Boot Deutschlands. Dessen Bau hatte der Verhaltensforscher Prof. Dr. Hans Fricke am Max-Planck-Institut in Seewiesen bei München noch selbst finanziert. Jürgen Schauer war auch am Bau von „Geo“ schon beteiligt und saß am Steuer, als es 1987 mit „Geo“ erstmals gelang, den als lebendes Fossil geltenden Quastenflosser in rund 100 Metern Tiefe in einer Höhle vor den afrikanischen Komoreninseln in seinem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Die Bilder gingen um die Welt.

Der Erfolg motivierte Fricke und Schauer Ende der 80er-Jahre zum Bau des leistungsfähigeren „Jago“, das mit einer Tauchtiefe von bis zu 400 Metern doppelt so tief tauchen kann wie sein Vorgänger. Auch mit „Jago“ erforschte Fricke den Quastenflosser, darüber hinaus war das Tauchboot bis heute weltweit zu den unterschiedlichsten Forschungszwecken im Einsatz – auch Anfang der 1990er-Jahre bei der Erkundung der damals noch kaum erforschten Kaltwasser-Korallenriffe vor Norwegen.

2006 kam „Jago“ zusammen mit Jürgen Schauer und Karen Hissmann vom Münchener Max-Planck-Institut nach Kiel an das damalige Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar, dem Vorläufer des heutigen Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Nach einem letzten Einsatz soll „Jago“ im kommenden Jahr auf dem Trockenen bleiben – voraussichtlich als Ausstellungsstück und „Botschafter für die Meeresforschung“, so Geomar-Direktorin Katja Matthes. kst