Bo hört einfach zu

Während Lesehund Bo Ruhe ausstrahlt, hört auch Birgit Schink vor allem in Ruhe zu, wenn Kinder wie die siebenjährige Matilda vorlesen. Foto: Jan Köster

In der Kieler Stadtbücherei können Kinder dem Lesehund vorlesen

KIEL. Dass Kinder wie die siebenjährige Matilda beim Vorlesen für manche Wörter ein bisschen länger brauchen, stört Bo nicht. Er liegt einfach neben ihr, hört zu und strahlt ganz viel Ruhe aus. Dass es Matilda Spaß macht, dem Vorlesehund in der Leseecke der Kieler Stadtbücherei vorzulesen, wird schon daran deutlich, dass sie mal eben ganz entspannt ein ganzes Bibiund-Tina-Buch vorliest.

Auch Birgit Schink sitzt dabei, die Besitzerin von Bo. Bo ist ein Elo und als Therapiehund ausgebildet. Außerdem hat er eine Zusatzprüfung als Vorlesehund bestanden: Dafür hat ein Hundetrainer noch einmal genau überprüft, ob Bo wirklich die nötige innere Ruhe und Gelassenheit mitbringt, um auch in fremden Umgebungen mit fremden Kindern entspannt zu bleiben. Und Birgit Schink hat eine Schulung als Vorlesehelferin bekommen. Konkret heißt das für sie, dass sie sich vor allem zurückhält. Die Kinder sollen genügend Zeit haben, um auch schwierigere Worte selbst zu entziffern. Erst wenn zum Beispiel ein Kind ein Wort offensichtlich gar nicht verstanden hat und trotzdem weiterliest, würde Birgit Schink das Kind darauf hinweisen, damit es das Wort noch einmal probiert.

Und Bo hört einfach zu. Er lacht nicht, wenn ein Kind ein Wort falsch vorliest und macht auch keine komischen Geräusche oder verzieht das Gesicht, wenn ein Wort mal nur mit Mühe und langsam entziffert wird. Solche Erfahrungen haben einige der Kinder, die das Angebot der Kieler Stadtbücherei nutzen, durchaus schon gemacht – für das Selbstvertrauen des Kindes und den Spaß am Lesen ist das natürlich nicht besonders fördernd. Beim Vorlesehund erfahren die Kinder, dass Lesen schön sein kann und Spaß macht, und mit ein bisschen Glück bekommen sie sogar
Lust darauf, auch von sich aus noch andere Bücher zu lesen.

Ins Leben gerufen hat das Vorlesehund-Projekt Büchereimitarbeiterin Christin Jans, nachdem sie ein solches Angebot
bei einer Hospitanz in den Niederlanden kennengelernt hatte. Seit Anfang November hat also auch die Kieler Stadtbücherei einen Vorlesehund. Gedacht ist das Angebot für Kinder ab der zweiten Klasse und bis etwa zwölf Jahre.

Christin Jans nahm zunächst Kontakt zu den Kieler Schulen auf und bat die Lehrkräfte, Kinder vorzuschlagen, für die ein Besuch beim Vorlesehund ein Gewinn sein könnte. In Abstimmung auch mit den Eltern und den Kindern suchte sie
dann individuell passende Bücher aus. Sechs Wochen lang ist jetzt für vier Kinder immer Mittwoch der Hunde-Vorlesetag. Jedes Kind hat 15 Minuten, dazwischen sind jeweils fünf Minuten Pause für Birgit Schink und Bo. „Das ist für ihn durchaus auch anstrengend, darum braucht Bo auch eine Pause“, sagt seine Besitzerin.

Schon jetzt ist klar: Es funktioniert. „Wir konnten schon jetzt bei allen Kindern Fortschritte feststellen“, sagt Cristin Jans, „ein Kind hat von sich aus sogar schon damit angefangen, zu Hause seine Stofftiere aufzubauen und denen dann vorzulesen.“

Und noch eines ist klar: Das Projekt Vorlesehund geht weiter – in der nächsten Runde wahrscheinlich in der Stadtteilbücherei in Kiel-Gaarden. Die Anmeldung neuer Kinder für die begrenzte Platzzahl läuft wieder über die Schulen. Lehrkräfte, die Kinder vorschlagen möchten, erreichen Christin Jans unter der Adresse Christin.Jans@kiel.de per EMail. kst