Bello ist kein Pausenfüller

Im Tierheim Uhlenkrog trainiert Tierpflegerin Lynn Herzfeld täglich mit Hunden wie dem dreijährigen Malinois-Mischling "Kairo", damit die Tiere beschäftigt und ausgeglichen sind. Foto: kst

Tierheime vermitteln gerne, warnen aber vor falschen Adoptions-Gründen

Kiel/Kossau. Es ist eigentlich verständlich: Gerade in einer Zeit, in der wir auf viele soziale Kontakte verzichten müssen und den Tag oft allein in der Wohnung verbringen, wächst der Wunsch nach Ablenkung. Für viele ist die Lösung ganz nah: Ein Haustier muss her.

„Zur Zeit des ersten Lockdowns konnten wir insgesamt nur eine geringfügig erhöhte Nachfrage nach den Tierheimbewohnern feststellen“, erklärt Kemal Besic vom Tierheim Kossau-Lebrade, „gleichzeitig wurden etwas weniger Fundtiere abgegeben. Also blieb die Belegung des Tierheims im Rahmen der üblichen Schwankungen.“ Katja Dubberstein, Tierheimleiterin im Tierheim Uhlenkrog in Kiel, hat hingegen „deutlich mehr Interessenten als zuvor“ gezählt.

Unüberlegte Adoptionen – etwa aus Langeweile im Lockdown – möchten die Tierheimmitarbeiter unbedingt vermeiden. „Dass ein Tier neben den normalen Futterkosten sehr viel Geld kosten kann, scheint bei vielen Interessenten noch nicht ganz verinnerlicht“, so Dubberstein, „im Vordergrund scheint der Wunsch nach Gesellschaft zu stehen.“ Im Kieler Tierheim können sich die Tierliebhaber in Form einer schriftlich eingereichten Selbstauskunft auf Tiere auf der Homepage des Tierheims bewerben. Die Tierpfleger legen dann Einzeltermine für die Vermittlungsgespräche vor Ort fest. Wenn alles nach Plan läuft, gibt es nach einer Kennenlernphase einen Vermittlungstermin. „Bei uns funktioniert dieses Konzept sogar besser als zuvor“, erklärt Katja Dubberstein, „die Tierpfleger haben außerhalb des normalen Besucherrummels einfach mehr Zeit, sich auf Mensch und Tier zu konzentrieren.“ Natürlich könne man nicht in die Köpfe der Leute schauen, „aber ich denke, wir haben unsere Vermittlungsstrategie so angepasst, dass mit wenig Rückläufen zu rechnen ist.“ Anders sieht es mit Tieren aus, die nicht aus dem Tierheim adoptiert wurden. „Ich bin mir eigentlich sicher, dass es nach dem Lockdown eine Welle von Abgabetieren geben wird“, befürchtet Dubberstein. „Während Corona gab es einen Ansturm auf Züchter, Tiere aus dem Auslandstierschutz und Internet-Plattformen.“ Gerade Welpen und Junghunde aus dieser Zeit kommen jetzt in die Flegelphase, aber Hundeschulen haben geschlossen. Dubberstein geht davon aus, dass es mit dem normalen Arbeitsalltag auch viele überforderte Menschen geben wird, die ihre Tiere dann wieder abgeben.

„Grundsätzlich erwarten wir für die Zeit nach der Corona-Pandemie keine signifikant erhöhten Abgabewünsche“, meint hingegen Kemal Besic. Aber auch im Tierheim Kossau-Lebrade wird auf die Bewerber geschaut und genau ausgesucht. „Wer ein Tier adoptieren möchte, dem muss klar sein, dass dadurch regelmäßige Kosten entstehen und dass das Tier auch im Alter artgerecht und liebevoll versorgt werden will. Sich ein Tier nur aus dem Gefühl der Einsamkeit anzuschaffen, ist daher nicht zielführend.“ Das Tierheim prüft verschiedene Faktoren wie die Berufstätigkeit, die Wohn-, Familien- oder finanzielle Situation, aber auch Erfahrung mit Tieren und Empathie. Nach einer telefonischen Terminvereinbarung können sich Interessenten das Tier in einer Transportbox vor das Tierheim bringen lassen, es sich anschauen und kennenlernen.

Auch auf den alltäglichen Tierheimbetrieb hat die Pandemie Einfluss. „Leider ist es generell für Besucher und Ehrenamtliche nicht möglich, das Tierheim zu betreten“, erklärt Kemal Besic. Da die Mitarbeiter in der Tierpflege gebraucht werden, muss jedes Ansteckungsrisiko auf ein Minimum reduziert werden. So sah es auch im Tierheim Uhlenkrog aus. „Eigentlich war der Plan, die Gassigeher ganz zu streichen, doch es wurde schnell klar, dass unsere Hunde damit nicht klarkamen“, so Katja Dubberstein. Die Folge: erhebliche Stresssymptome bei den Tieren. „Aus diesen Gründen wurde eine kleine Gruppe Gassigeher bestimmt, die ohne direkten Kontakt zu den Tierpflegern die Hunde abholt und ausführt.“chk

Tiere brauchen auch zu Corona-Zeiten viel Liebe und Pflege, dafür sind die Tierheime auch auf Spenden angewiesen. Wer helfen möchte, kann sich unter www.tierheim-kossau-ploen.de und www.tierheim-kiel.de über die Tiere und Spendenmöglichkeiten informieren.