Auf dem Wasser ist es fast wie immer

Wenn die Segler am Nachmittag in den Hafen kommen, flattern im Hafen und an den Sliprampen die Segel und es kommt in Schilksee ein klein wenig Kieler Woche-Stimmung auf. Foto: kae

Für die Wettkampfsegler in Schilksee bieten die Regatten Kieler-Woche-Feeling

Kiel-Schilksee. Der Backfisch fehlt! Für viele Kieler-Woche-Besucher in Schilksee ist das die größte Einschränkung, die die Corona-Krise 2020 mit sich bringt: Es gibt keine Gastronomie auf dem Hafenvorfeld, keine Musik, keine Verkaufsstände. Nur Segeln pur. Und selbst das so leise wie nie zuvor.

Wenn am Vormittag die Segler ihre Boote ins Wasser bringen und nachmittags zurückkommen, dann ist an den Sliprampen die übliche Kieler-Woche-Geräuschkulisse da: Segel flattern im Wind, Slipwagen scheppern, die Segler unterhalten sich und scherzen in den verschiedensten Sprachen. Doch diese Szenen sind schnell wieder vorbei. Kaum an Land, verschwinden die Sportler und ihre Boote in den ihnen zugewiesenen Arealen hinter sichtgeschützten Zäunen.

Kein Wunder, dass sich auch nicht übermäßig viele Besucher in Schilksee tummeln. Für sie gleicht der Aufenthalt dort ein bisschen einem Hindernislauf. Überall im Hafenbereich stoßen die Spaziergänger auf Absperrungen, richtig freier Durchgang herrscht nur oben entlang der Ladenzeile. Immerhin ist die Sicht von dort auf die Segler unten im Hafen gut. Ein bisschen Kieler-Woche-Stimmung kommt so selbst bis oben hin.

Doch wer nach dem üblichen Gewusel im Hafen Ausschau hält, wird in diesem Jahr enttäuscht. Bei den Regattaseglern läuft alles in sehr geordneten und super organisierten Bahnen ab: Jeder Segler hat einen fest zugewiesenen Liegeplatz und darf nur an einer bestimmten Sliprampe zu einer festgelegten Zeit ins Wasser. Verschiedene Startzeiten auf den Regattabahnen helfen dabei, das Gedränge beim Ein- und Auslaufen zu entzerren. Sobald die Segler in den Hafen kommen, müssen sie eine Mund-Nasen-Maske tragen. Beim Betreten und Verlassen des Hafengeländes wird Fieber gemessen. Alle Besprechungen finden nur online statt, die Siegerehrungen im kleinen Kreis.

Für Laser-Radial-Segler Ole Schweckendiek sind all diese Vorschriften notwendige Übel: „Hauptsache, wir können überhaupt wieder Regattasegeln!“, sagt der 15-Jährige. Trotzdem vermisst er das Treffen und den Austausch mit den anderen Seglern aus anderen Klassen und Vereinen schon etwas: „Nach den Wettfahrten verlässt jeder schnell den Hafen und geht seinen Weg. Das ist etwas schade.“

Auf dem Wasser jedoch vergessen Ole und seine Mitsegler schnell, dass die Kieler Woche 2020 eine andere ist als sonst. Dort wird wie immer gesegelt und um Platzierungen gekämpft. So, wie es bei der größten Segelregatta der Welt eben sein soll. kae