Arved Fuchs fordert Taten auch vor Ort

Bad Bramstedt. (bmd) Bad Bramstedt möchte ein integriertes Klimaschutzkonzept erarbeiten. Im Frühjahr dieses Jahres bildete sich eine 15-köpfige Projektgruppe, bestehend aus Vertretern von Politik und Verwaltung, des BVV, der Kliniken und Stadtwerke sowie des Fahrradclubs ADFC. Jörg Wortmann vom Wissenschaftszentrum Kiel wurde als Berater hinzugezogen. Er stellte das Konzept anlässlich einer Auftaktveranstaltung in der Jürgen-Fuhlendorf-Schule (JFS) vor.

Das Auftaktreferat in der JFS mit rund 120 Zuhörern hielt Arved Fuchs, der für viele Teilnehmer wohl der Grund ihres Besuchs war. Fuchs sensibilisierte die Zuschauer für die Klimaproblematik in gewohnt packender Weise mithilfe aufrüttelnder Bilder und Grafiken. „Ich bin kein Energiefachmann, aber wenn sich mehr als 90 Prozent aller Wissenschaftler einig sind, dass der Klimawandel in vollem Gange ist, nicht eine Laune der Natur, sondern überwiegend von Menschen verursacht wird, dann ist es gut, wenn auch wir in Bad Bramstedt etwas dagegen tun“.

Fuchs erläuterte, dass sich der CO2-Anteil in der Atmosphäre seit 1960 von 320 ppm (parts per million, Teile pro Million) auf dramatische 410 ppm erhöht hat. Er selbst habe im Lauf seiner 40-jährigen Expeditionen erlebt, wie das Eis um den Nordpol wegschmilzt und die Gletscher auf Grönland mit hoher Geschwindigkeit ihre Eismassen ins Meer tragen. „Würde der massive Eispanzer Grönlands ganz abschmelzen, führte das zu einem Anstieg des weltweiten Meeresspiegels um sieben Meter, beim Eis der Antarktis sogar um unvorstellbare 60 Meter“, so Fuchs.

Lösungen für Bad Bramstedt

Doch Fuchs beließ es nicht bei einem Schreckenszenario. „Wir können unseren CO2 -Fußabdruck noch nachhaltig verringern, damit wir das Ziel, die Erde bis 2050 um 2 Grad, besser nur um 1,5 Grad zu erwärmen, erreichen.“ Dabei sah Fuchs bei seiner letzten Expedition auf Island und den Färöer-Inseln pfiffige Lösungen, die den CO2-Ausstoß extrem minimieren. In einem Onshore Windpark auf den Färoer-Inseln sorgt ein Batteriespeicher bei Windflaute für Netzstabilität. Auf Island wird in einem Projekt namens „CarbFix“ CO2 aus der Atmosphäre entnommen und auf dem Grund von Basaltgestein in der Erde gespeichert, ausgehärtet als Kalksit.

Im Anschluss an Fuchs‘ Vortrag erläuterte Energie- und Klimaschutzberater Wortmann, wie Bad Bramstedt es schaffen könnte, sich den Klimaschutzzielen der Bundesregierung auf der kommunalen Ebene anzuschließen. „Der Klimaschutz sollte als Querschnittsaufgabe nachhaltig in der Kommune verankert werden“, forderte der Berater. Das soll bis zum Herbst nächsten Jahres in sechs Schritten erfolgen:

Dabei wird in Bad Bramstedt die gesamte Energie- und CO2-Bilanz ermittelt. Es folgen eine Potenzialanalyse und Szenarien für die Stadt. Schließlich werden ein Maßnahmenkatalog und das Öffentlichkeitskonzept festgelegt. Über die Steuerung und Wirksamkeit aller Maßnahmen gibt am Ende ein Controllingkonzept Auskunft. Die Prozesse werden im Rahmen von Workshops und öffentlichen Veranstaltungen erarbeitet und präsentiert.