Als Bomber über Kiel waren

Unter Bewachung von Wehrmachtssoldaten mussten unter anderem Kriegsgefangene am Bau der Bunker in Kiel arbeiten – im Bild die Baustelle des Bunkers Hummelwiese. Foto: Hans Weber

Kiel. 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs widmen das Kieler Stadtmuseum und das Stadtarchiv der Geschichte von Luftkrieg und Stadtzerstörung eine Sonderausstellung. Sie ist unter dem Titel „Luftkrieg und ‚Heimatfront‘ – Kriegserleben in der NS-Gesellschaft in Kiel 1939 – 1945“ noch bis zum 7. Juni im Stadtmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19 in Kiel zu sehen.

Die rund 100 Fotos und 100 Ausstellungsstücke sind in einem chronologischen Rundgang angeordnet. Er beginnt mit der Kriegsvorbereitung, die sich in Kiel auch im Bau von Kriegsschiffen manifestierte. Schon 1937 wurde die Kieler Bevölkerung mit Propaganda, Schulungen zum Umgang mit Brandbomben sowie zur Versorgung von Verletzten und der Ausgabe von „Volks-Gasmasken“ auf Luftangriffe mit Bomben vorbereitet.

Ab 1940 kamen die Bomber der Aliierten. Die Ausstellung zeigt, wie im Laufe der Kriegsjahre die Zerstörung der Stadt zunahm, wie die Bevölkerung in von Zwangsarbeitern gebauten Bunkern Schutz suchte und wie die NS-Propaganda in praktisch allen Lebensbereichen versuchte, das Volk bei der Stange zu halten – alles galt als kriegswichtig an der „Heimatfront“, sogar der pflegliche Umgang mit der eigenen Kleidung. Die „Heimatfront“ wurde in die militärische Produktion und Logistik eingebunden und sollte den kämpfenden Soldaten moralische Unterstützung geben. 

Mehr als 3000 Menschen verloren in Kiel aufgrund des Luftkriegs ihr Leben, 75 Prozent des Kieler Gebäudebestandes wurde zerstört oder beschädigt, und 167.000 Menschen waren obdachlos geworden. Noch heute werden Blindgänger auf Kieler Stadtgebiet gefunden. Wie massiv die Zerstörung der Stadt war, zeigt am Ende des Rundgangs ein rund 2 mal 1,5 Meter großes, hoch aufgelöstes Luftbild, auf dem deutlich sichtbar ist, wie wenige Häuser am Ende des Krieges in Kiel überhaupt noch ein Dach hatten, wie viele Flächen ganz dem Erdboden gleichgemacht worden waren und wie eine fast unglaubliche Menge von Bombenkratern ganze Stadtteile auf dem Kieler Ostufer zu einer Mondlandschaft gemacht hatte.

Begleitend zur Ausstellung haben Dr. Doris Tillmann, Leiterin des Kieler Stadtmuseums, und Dr. Johannes Rosenplänter, Leiter des Kieler Stadtarchivs, eine gleichnamige Publikation herausgegeben. Verschiedene Autoren haben dafür nach den Themengebieten der Ausstellung sortiert gut lesbare, teilweise beeindruckende und packende Beiträge geschrieben. Die Ausstellungsstücke sind auch im Buch abgebildet. Im Unterschied zur Ausstellung bietet das Buch aber deutlich mehr Informationen und Hintergrund. Erschienen ist das Buch im Kieler Solivagus Verlag. Für die Dauer der Ausstellung ist es im Stadtmuseum und im Buchhandel für 16 Euro zu haben, danach kostet es 24,95 Euro. kst

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit zahlreichen Programmpunkten im Stadtmuseum Warleberger Hof, aber auch an anderen Orten wie der Pumpe oder dem Flandernbunker. Infos dazu unter Tel. 0431/9013425 oder unter www.kiel-museum.de