Abwechslung mit Vollkontakt

Schnelle Ballwechsel gehören zu einem Australian-Football-Spiel dazu – so wie hier beim Spiel gegen die Hamburg Dockers (in Schwarz). Foto: Stefan Röpstorff

Bei den „Koalas“ können Anfänger und Anfängerinnen jetzt noch einsteigen

Kiel. Australian Football – was ist denn das? Die australische Variante des Footballs ist in Deutschland kaum bekannt. Die Gründung von Kiels erstem Australian Football Club ist damit genau der richtige Anlass, um sich einmal ausführlich mit der vielseitigen Sportart zu beschäftigen. Ein Selbstversuch.

„Den Ball in die linke Hand, die rechte Hand zur Faust, ausholen und passen!“ Der rote, ovale Ball fliegt in die Luft und landet ein paar Meter weiter auf dem Gras, immerhin in der Nähe des anvisierten Ziels – in diesem Fall von Stefan Röpstorff. Röpstorff ist Trainer des Kiel Koalas Australian Football Clubs und erklärt gerade den drei Neueinsteigern die Grundlagen der Sportart – denn viele, die hier auf das Kieler Nordmarksportfeld zum Probetraining kommen, haben von Australian Football vorher noch nie etwas gehört.

Mit American Football hat die australische Variante nicht viel gemein, sie weist eher Ähnlichkeiten zu Fußball und Rugby auf. 18 Spieler pro Team spielen mit einem ovalen Ball auf einem 185 mal 155 Meter großen ovalen Feld und versuchen, den Ball durch die bis zu 24 Meter hohen Torstangen zu kicken. Der Ball darf mit den Händen getragen und durch Kicken oder Boxen zu den Teammitgliedern gepasst werden – werfen ist nicht erlaubt. Australian Football ist eine der ältesten Fußballvarianten der Welt, die noch heute in unveränderter Form gespielt werden. Bereits 1858 wurden die ersten Vereine gegründet – und jetzt auch einer in Kiel.

Seit Mai haben sich die ersten Kieler bisher regelmäßig zum Training auf dem Nordmarksportfeld getroffen. Am 30. August entstand dann daraus der „Kiel Koalas Australian Football Club“. Nach der Vereinsgründung werden die „Koalas“ im kommenden Jahr als neuestes Mitglied der Australian Football League Germany um die deutsche Meisterschaft mitspielen. Ihr erstes Spiel haben die Spieler schon bestritten: Vor wenigen Tagen traten die Kieler Koalas gegen das Team der Hamburg Dockers an.

Gründungsmitglied und Trainer Stefan Röpstorff hat die australische Variante in London kennengelernt, dort eine Saison mittrainiert und die Sportart bei seinem Umzug mit nach Kiel gebracht. „Australian Football ist eine der vielseitigsten Sportarten der Welt, da sie viele verschiedene Elemente kombiniert“, erzählt Röpstorff. „Die Spiele sind sehr schnell, haben kaum Unterbrechungen und sind sehr abwechslungsreich.“ Ob jung oder alt, groß oder klein, dick oder dünn – jeder, der Lust hat, ist herzlich eingeladen, beim Training der Koalas vorbeizukommen und den Sport auszuprobieren. Besonders Frauenverstärkung wird gesucht, denn im nächsten Jahr ist eine eigene Frauenmannschaft geplant. „Wir finden für jeden die richtige Position“, verspricht der Trainer. Nur Angst vor Körperkontakt sollten die angehenden Spieler nicht haben, schließlich ist Australian Football ein Vollkontaktsport. Allerdings darf nur die ballführende Person durch Tackling gestoppt werden – und auch dafür gibt es klare Regeln.

Die Welt des Australian Football in Deutschland ist – noch – klein, deshalb besteht eine gute Chance, dass einige Kieler im kommenden Jahr mit den deutschen Nationalteams zur Europameisterschaft in Schottland und zur Weltmeisterschaft in Australien fahren. „Diese Möglichkeit besteht auch noch für Neueinsteiger“, erklärt Röpstorff.

Das Training der Koalas ist mittlerweile beendet. Die 20 Spieler und Spielerinnen sammeln die neonfarbenen ovalen Bälle, die bunten Hütchen und die gelben Leibchen mit den aufgedruckten Koalas wieder ein. Es ist dunkel geworden, die Flutlichter sind längst angegangen. Über den zwei Stunden mit Pass- und Kickübungen und einem kurzen Spiel ist die Zeit verflogen.

Und der Selbstversuch? Der ist geglückt. Die Übungen waren auch als absoluter Anfänger gut machbar, die Unterstützung der Mitspieler und das Teamwork großartig. Natürlich war das Verhalten der ovalen Bälle zunächst ungewohnt, und nicht gerade selten ging ein Pass oder Kick in die völlig falsche Richtung. Doch: Was nicht ist, kann ja noch werden – vielleicht schon beim nächsten Training.Svenja Paetsch

Wer Australian Football ausprobieren möchte, kann das montags und mittwochs ab 18 Uhr auf dem Nordmarksportfeld tun. Infos unter www.australian-rules-football-kiel.de