Ab jetzt auch ohne Auspuff

Mit dem sogenannten „Pantographen“ auf dem Dach nimmt der Bus Kontakt auf zur Ladestation. Foto: kst

KVG stellt die ersten vollelektrischen Busse im Kieler Stadtverkehr in Dienst

Kiel. Keine Abgase. Ein Sirren, wenn der Bus anfährt, das Knirschen der kleinen Steinchen, die seine Reifen beim Abrollen auf dem Asphalt zermalmen, ist fast lauter. Vor wenigen Tagen stellten die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer den allerersten rein elektrischen Kieler Gelenkbus offiziell vor. Ab diesem September werden die ersten echten E-Busse in Kiel ihren Dienst im innerstädtischen Liniennetz aufnehmen – zunächst auf den Linien 6 und 32, bis zum Ende dieses Jahres auch auf den Linien 22 und 11, bis Ende 2021 kommen die Linien 31, 34 und 42 dazu.

Die Batterien auf dem Dach der fast 19 Meter langen Busse reichen für rund 80 Kilometer – das klingt zunächst nicht viel, hat aber den Vorteil, dass die Batterien relativ klein sein können. Das spart Gewicht und ermöglicht mehr Zuladung – „denn wir wollen Fahrgäste befördern und nicht Batterien“, brachte es KVG-Geschäftsführer Andreas Schulz bei der Vorstellung von „E-Bus #001“ auf den Punkt. Außerdem sind die von der Firma VDL in Bühren gefertigten Busse in Nullkommanix wieder aufgeladen. Nur etwa sieben bis zehn Minuten dauert das. Dafür sorgen spezielle Ladestationen, die vom Unternehmen „Schaltbau Refurbishment“ aus Dinslaken gebaut werden. Die ersten sieben davon sind schon in Betrieb: vier auf dem KVG-Betriebshof in Kiel-Gaarden und drei in der Adalbertstraße in der Kieler Wik. Weitere sind für Standorte am Kanal, am Rungholdtplatz in Kiel-Suchsdorf und in der Narvikstraße in Kiel-Mettenhof geplant. Wie Ampelmasten, an deren Auslegern statt der Ampeln kleine Dächer hängen, sehen die Ladestationen aus. Zum Laden hält der Fahrer den Bus darunter an und fährt den Stromabnehmer, den so genannten „Pantographen“ hoch, der sich mit seinen Kontakten von unten in das „Dach“ drückt. Nachdem die Elektronik überprüft hat, dass die Verbindung sicher sitzt, schaltet sie den Ladestrom ein – 450 Kilowatt leistet jede Ladestelle, das ist drei Mal so viel wie eine CCS-Schnelladesäule für E-Pkw.

Die neuen Busse bieten ihren Fahrgästen WLAN, USB-Lademöglichkeiten und eine Klimaanlage. Wie schon die Hybridbusse der KVG sind die E-Busse mit dem Abbiegesystem „MobilEye“ ausgestattet, das per Kamera beim Abbiegen vor anderen Verkehrsteilnehmer warnt, Kollisionen verhindert, das Spurhalten erleichtert und eine Videoüberwachung ermöglicht.

Bis zum Mai 2021 sollen 36 vollelektrische VDL-Gelenkbusse in Kiel fahren. Die weiteren Planungen der KVG sehen vor, dass im November 2021 noch einmal neun solcher Gelenkbusse dazu kommen sollen, sowie im Dezember 2021 zusätzliche 20 gelenklose „Normalwagen“ mit einer Länge von zwölf Metern. Wer diese Normalwagen und die benötigten Lade-Einrichtungen bauen wird, steht zurzeit noch nicht fest. kst