Zuhause für minderjährige Flüchtlinge

Andreas Göttsch (Leitung Wohngruppe Nordlicht, v.l.n.r.), Marion Muerköster (Jugendamtsleitung), Stadträtin Renate Treutel und Jochen Schepp (Leiter des Kinder- und Jugendhilfedienstes) schauen sich ein Zimmer im neuen Jugendhaus Pötterweg an. FOTO: GÖD

Wellsee. Es ist wieder Leben eingekehrt in das alte Bauernhaus im Pötterweg 1 in Wellsee. Nachdem es als Jugendaufbauwerk genutzt worden war, stand es lange leer, doch nun sind in den renovierten Räumen wieder junge Leute untergebracht, nämlich unbegleitete Flüchtlinge.

Die neue städtische Einrichtung heißt „Jugendhaus Pötterweg“ und tritt die Nachfolge der Einrichtung in Hof Hammer an. Da dort ein Wohnquartier gebaut wird, stehen die Räume nicht mehr zur Verfügung. Im Erdgeschoss des Jugendhauses befindet sich die Wohngruppe „Mittendrin“.

In sechs Doppelzimmern können hier Jugendliche für ein paar Monate wohnen, bis sich herausstellt, wie es für sie weitergeht. Im Obergeschoss leben innerhalb der Wohngruppe „Nordlicht“ zehn Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren in Einzelzimmern, wobei sie zu zweit ein Bad nutzen. Vier von ihnen stammen aus Eritrea, drei aus Irak, zwei aus Albanien und einer aus Afghanistan.

„Einige sind neugierig und offen, andere zurückhaltend“, schildert der Leiter der Wohngruppe Nordlicht Andreas Göttsch. Die Stimmung sei gut. „Nur ab und zu gibt es kleinere Konflikte. Doch im Anschluss kochen die jungen Leute dann auch wieder gemeinsam.“

Jeweils ein Betreuer kümmert sich um jede Gruppe und schläft auch auf der Etage. Und so sieht der Tagesablauf der Bewohner aus: „Der Betreuer bereitet das Frühstück zu; einige stehen von selbst auf, andere müssen geweckt werden“, erklärt Göttsch.

Zur Schule fahren sie mit dem Bus. Die meisten gehen in DaZ-Klassen der regionalen Berufsbildungszentren, also in Klassen, in denen Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird. „Sie kommen zwischen 13.30 und 15 Uhr nach Hause und essen dann Mittag, das eine Hauswirtschafterin zubereitet“, erzählt Göttsch.

Die Nachmittage verlaufen unterschiedlich: Einige Bewohner gehen in den Fußballverein, der eine spielt in der Musikschule Gitarre, der andere Keyboard. Außerdem gibt es an manchen Nachmittagen über das DRK vermittelte Nachhilfe.

Die Jugendlichen haben auch die Möglichkeit zu Gesprächen in der städtischen Erziehungsberatungsstelle sowie im Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP). „Diese Angebote nutzen sie gern“, sagt der Wohngruppenleiter. Es sei für die Jugendlichen schwer, sich in der neuen Kultur zurechtzufinden. „Ihr Heimweh merkt man in unterschiedlicher Ausprägung.“

Die innere Zerrissenheit der jungen Leute hat auch die Jugendamtsleiterin Marion Muerköster kennengelernt: „Manche Jugendliche denken: `Es kann mir doch nicht gut gehen, wenn es meiner Familie schlecht geht.`“ Manchmal erhalten die jungen Bewohner die Katastrophennachricht, dass ein Familienmitglied umgekommen sei.

Alle 14 Tage steht eine Vollversammlung an, zu der auch Dolmetscher eingeladen werden. Doch den Alltag meistert die Gruppe ohne professionelle sprachliche Hilfe. „Diejenigen, die schon länger hier sind, können ins Deutsche übersetzen und der eine oder andere spricht auch Englisch“, erzählt Göttsch.