Wo Zeitumstellung Handarbeit ist

In der Nacht zum 26. März werden die Uhren wieder umgestellt

Für Frank Engels, Küster an der Stadtkirche Preetz, ist der Wechsel von Winter- auf Sommerzeit nicht ganz einfach: Er muss noch richtig Hand anlegen.

Im trauten Heim ist die Sache mit der Uhr dagegen schnell erledigt. Den Minutenzeiger mit dem Zeigefinger einmal um die eigene Achse nach rechts drehen: fertig. Noch einfacher haben es diejenigen, die Funkuhren besitzen: Das Signal des Zeitsenders in Frankfurt am Main lässt alle Funkuhren am kommenden Sonntag automatisch von zwei auf drei Uhr springen.

„Die Preetzer Kirchturmuhr ist von 1892 und geht erstaunlich genau“, berichtet Engels und öffnet das Uhrgehäuse von der Größe eines Kleinwagens. Viele Walzen, Zahnräder, das riesige Pendel und das Gestänge klicken leise vor sich hin. Drei Mal in der Woche klettert Engels in luftige Höhen, um die Gewichte wieder aufzuziehen. „Mit einer großen Handkurbel ziehe ich die 200 bis 300 Kilogramm schweren Gewichte den Turm hinauf, das ist richtiges Fitnesstraining“, sagt er und lacht.

Vier Walzen sind für die verschiedenen Glockenschläge und die Zeit verantwortlich. Die Erste regelt den Minutenschlag: alle 15 Minuten, von viertel nach mit einem Schlag, um halb mit zwei Schlägen, viertel vor mit drei Schlägen und zur vollen Stunde mit vier Schlägen. Die zweite Walze dreht das Uhrwerk und bewegt die Zeiger. Die Dritte betreibt das Stundenwerk und den Glockenschlag zur vollen Stunde und die vierte Walze den Gebetsschlag. Gebetsschlag? „Die neun Gebetsschläge gehen morgens um acht Uhr, mittags um zwölf Uhr und abends um 20 Uhr“, erklärt der Küster. Die Zeiten des Gebetsschlags läuteten früher den Arbeitsanfang, das Mittagessen und das Arbeitsende ein.

Um die Zeit vorzustellen, löst Frank Engels die Zahnradmutter am Uhrwerk, damit er am Zeigergestänge drehen kann. Er benötigt dafür einen großen Maulschlüssel, der vermutlich genauso alt ist wie die Turmuhr. „Ich kann die Zeiger immer nur 15 Minuten bis zum nächsten Glockenschlag vorstellen, den muss ich abwarten, bevor ich weiterdrehen kann.“ Dafür klettert er aber nicht nachts hoch oben in den Turm, gesteht Engels. Er werde am Samstagabend um 19 Uhr 10 beginnen. Aufmerksame Preetzer können dann den 15-Minuten-Schlag hören, gleich darauf die zwei Schläge für halb acht, die drei um viertel vor, die vier um 20 Uhr mit den acht Schlägen für die Uhrzeit und die neun Gebetsschläge. „Dann schaue ich aufs Handy und exakt um viertel nach drehe ich zum letztem Mal, es erklingt wieder der 15-Minuten schlag und die Uhr läuft wieder in der Zeit“, erklärt Engels. Ein ganz schönes Spektakel. Wer mitgerechnet hatte, müsste auf 28 Schläge kommen. So wird die Uhr der Preetzer Stadtkirche bis zum offiziellen Umstelltermin ihrer Zeit voraus sein.  hop