Wo aus Wind und Korn Mehl entsteht

Die Langenrader Mühle von 1860, auch Sventana genannt, zwischen Ascheberg und Wahlstorf ist voll funktionsfähig. FOTO: HOP

Ascheberg. Es sei „einfach passiert“, damals 1982, als Renate und Uwe Karstens zusammen mit zwei mühlenbegeisterten Paaren die Langenrader Mühle kauften.

Ihr Traum: Aus der maroden Bausubstanz ohne Kappe und Flügel und ohne Getrieberäder, Wellen und Mahlsteine mit schrottreifen Müllereimaschinen wieder eine funktionsfähige Mühle machen. Das ist ihnen gelungen.

Heute ist die „Sventana“ die einzige Mühle im Norden, die nur mit Wind Korn zu Mehl mahlt – auf dem technischen Stand von 1900. Gebaut wurde sie 1860, bis in die 1960er Jahre lieferte Müller Eckeberg pro Woche fünf Tonnen Mehl nach Neumünster, allerdings hatte er auf elektrisch betriebene Feinmüllerei umgestellt.

„Ab Windstärke vier wird gemahlen, ab fünf wird es besser, ab sechs macht es richtig Spaß“, erzählt Uwe Karstens. Acht Jahre harter Arbeit in jeder freien Minute sollten bis zur Betriebsfähigkeit vergehen. Der gebürtige Plöner reiste im Land auf und ab und bis nach Holland, um die benötigten Teile aus alten Mühlen auszubauen. Der Walzenstuhl ist von 1880, die älteste Welle von 1805.

Die Mühlenflügel drehen sich und rauschen an den kleinen Fenstern vorbei, nur leises Klacken ist zu hören. Doch wenn Karstens in den Trichter Weizen-, Dinkel- oder Roggenkorn schüttet, und das Getreide über den Rüttelschuh portioniert in den Mahlgang rutscht, dann wird es laut. Mit 100 Umdrehungen in der Minute mahlt der 1,5 Tonnen schwere Mahlstein.

Das Mehl sammelt sich an der Außenwand, ein Mitnehmer schiebt es durch eine Röhre in eine Siebmaschine eine Etage tiefer. Was zu grob ist, wird mit einem Paternoster-Becherwerk wieder nach oben befördert und noch einmal gemahlen, im untersten Boden wird das Mehl abgesackt und gewogen.

„Das ist Technik, die man nachvollziehen kann, man steht inmitten einer großen Maschine“, schwärmt der 74-Jährige. Im Lauf der Zeit wurde er zum Mühlenfachmann: 23 Jahre war Uwe Karstens als Mühlensachverständiger unterwegs, schrieb mehrere Mühlenbücher. In seinem neuesten Mühlenkatalog „Die Wind- und Wassermühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg“ stellt er zum ersten Mal den aktuellen Bestand im Land vor.

Viele Preise hat die Langenrader Mühle erhalten. Zu Beginn drehten sich die Flügel mit Segeln. „Da mussten wir wirklich aufpassen, sonst fliegen die Flügel schnell weg“, erinnert sich der Hobbymüller. „Da konnte ich nicht einmal zwischendurch auf Toilette gehen.“

Heute lässt sich die Drehgeschwindigkeit mit Jalousieklappen viel besser regeln. Seine kürzlich verstorbene Frau Renate sagte einmal, Getreidemahlen sei ein sinnliches Vergnügen, so Karstens. Und auch für Besucher ist es ein Vergnügen, Uwe Karstens Geschichten zu lauschen. (hop)

Führungen mit Anmeldung 2,50 Euro pro Person, Tel. 04526/1873, Langenrader Mühle, Ascheberg