„Wir schließen hier ab“ – Wegen einer Bombenentschärfung wurde das Lubinus Clinicum evakuiert

Zahlreiche Helfer verschiedener Rettungsdienste kümmerten sich darum, die Lubinus-Patienten in die anderen Krankenhäuser zu verlegen. Foto: Jan Köster

Kiel. Von Hektik war nichts zu merken im Lubinus Clinicum, als das Krankenhaus am Donnerstag komplett evakuiert werden musste. „Dabei machen wir hier etwas, das wir sonst wirklich nie machen: Wir schließen hier ab“, sagte Manfred Volmer, Vorstandsvorsitzender der Lubinus-Stiftung, zu der die Klinik gehört. Dazu kam, dass für diesen Tag rund 50 Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden mussten, ohne ihre Behandlung zu unterbrechen – eine logistische Großtat in enger Kooperation mit der Berufsfeuerwehr Kiel, bei der zehn Krankenwagen der Berufsfeuerwehr und verschiedener Rettungsdienste zum Einsatz kamen.

Ursache für die Evakuierung des Klinikums war eine Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die nach ihrem Abwurf vor mehr als 80 Jahren am heutigen Bremerskamp unexplodiert im Boden stecken geblieben war. Mit einem Gewicht von 500 Kilo gehörte sie zu den besonders großen unter den Blindgängern, die bis heute immer noch im Kieler Boden entdeckt werden. Entsprechend groß war das Evakuierungsgebiet: Bis 15 Uhr mussten insgesamt rund 5000 Menschen ihre Wohnungen und den Sicherheitsbereich um die alte Bombe verlassen.

Das bedeutete für das gesamte Lubinus Clinicum, dass erstmals in der Geschichte des Hauses das Gebäude einen Nachmittag komplett verlassen und zugesperrt war. Geplante Operationen mussten abgesagt, neue Termine gefunden werden.

Gemeinsam mit den Profis der Berufsfeuerwehr Kiel plante das Klinikteam die Verlegung auf freie Plätze im UKSH Kiel, im Städtischen Krankenhaus und im St.-Elisabeth-Krankenhaus, das auch zur Lubinus-Stiftung gehört. Das notwendige Betreuungspersonal inklusive der behandelnden Ärzte, begleitete seine Patienten und blieb während des „Gastaufenthaltes“ bei ihnen.

Am Dienstag hatte das Klinikteam von der nötig werdenden Räumung des Hauses erfahren. Dank mindestens vierteljährlicher Katastrophenübungen mit der Berufsfeuerwehr Kiel war das Lubinus Clinicum bereits gut vorbereitet. Um die Zahl der Patienten, die verlegt werden mussten, möglichst klein zu halten, wurden Operationen abgesagt. Sie hätten zu Aufwach-Patienten auf der Intensiv-Station geführt. Soweit möglich, wurden andere Patienten etwas früher nach Hause geschickt oder in geriatrische oder Reha-Einrichtungen entlassen.

Alle dann noch übrigen Patienten waren für den Tag der Evakuierung mit einer Karte beschriftet, die sie um den Hals trugen, notwendige Behandlungsmittel wie Medikamente hatten sie in Taschen bei sich. An zwei Checkpoints protokollierten Lubinus-Angehörige, wer aus welchem Zimmer von welcher Station wann, mit welchem Krankenwagen in welches Krankenhaus gebracht wurde. „Denn wir wollen ja auch sicherstellen, dass jeder Patient heute Abend wieder in seinem Bett im richtigen Zimmer liegt“, sagte Schwester Petra Ohle, die den zweiten Checkpoint betreute. Dort wurden alle Patienten noch einmal registriert, bevor sie in die Krankenwagen geschoben wurden.

Schon kurz nach der Entschärfung kehrten die Klinikmitarbeiter am Donnerstagnachmittag zurück, um die Türen wieder aufzuschließen und die Rückkehr der Patienten vorzubereiten. Gegen 20 Uhr sollten alle Patienten wieder zurück und mit Abendbrot versorgt sein, so der Zeitplan, den Manfred Volmer vorgestellt hatte. Oder wie es ein Arzt zu einem der Patienten sagte, kurz bevor dieser ins UKSH gebracht wurde: „Das ist nur ein kurzer Krankentransport, heute Abend sind Sie wieder bei uns.“ kst