Wie der Krieg Kiel veränderte – Neue Ausstellung im Flandernbunker widmet sich den Jahren 1914 bis 1918

In Leseinseln in der neuen Ausstellung im Flandernbunker können sich Besucher an Tische setzen und vertiefende Literatur studieren.

Kiel. Mit der Ausstellung „Urkatastrophe – der Erste Weltkrieg und Kiel“ setzt der Verein Mahnmal Kilian den Höhepunkt auf seine Ausstellungsserie zum Ersten Weltkrieg. Vier Jahre lang hat der Verein im Flandernbunker in der Kieler Wik besondere Themen zum Ersten Weltkrieg in einzelnen Ausstellungen vertieft. Neben neuen Exponaten finden sich jetzt zahlreiche Exponate dieser voran gegangenen Ausstellungen in der aktuellen Zusammenstellung wieder. So entsteht ein sehr facettenreiches Gesamtbild dieses Krieges und seiner Auswirkungen insbesondere auf Kiel.

Als Reichskriegshafen war Kiel während des Ersten Weltkriegs militärisch hochgerüstet und mit schweren Waffen beschützt. „Aber die ersten ernsten Schüsse sind während des Ersten Weltkriegs in Kiel erst im November 1918 beim Matrosenaufstand gefallen“, sagt der Vorsitzende des Vereins Mahnmal Kilian, Dr. Jens Rönnau. Die Ausstellung zeigt unter anderem, wie und warum sich die Stimmung in Deutschland von einer durchaus verbreiteten Kriegsbegeisterung zu Unmut und Widerstand entwickelte, der mit dem Matrosenaufstand in Kiel als Revolution ausbrach und sich von dort verbreitete.

Die Ausstellung zeigt, dass auch die Kirchen Teil der „Urkatastrophe“ waren: Wie auf der gegnerischen Seite der Front beteten auch auf deutscher Seite die Soldaten in Gottesdiensten für den Tod der Gegner und das eigene Überleben, „Gott mit uns“ stand nicht nur auf der Koppelschnalle jedes Soldaten, sondern auf zahlreichen „Merchandising-Artikeln“ zum Krieg. Die Besucher der Ausstellung erfahren, wie ausschweifend die Heeres-Oberen im Luxus lebten, während sie empathielos Tausende einfacher Soldaten zum Hungern und Verrecken auf längst verwüstete Schlachtfelder schickten. Oder wie der Krieg Menschen aus der ganzen Welt in ferne Erdteile in Gefangenschaft brachte. Ein Soldat aus Schleswig-Holstein trug so dazu bei, dass Beethovens „Ode an die Freude“ heute in Japan so etwas wie nationales Kulturgut ist. Ein Extra-Raum zeigt in Film und Fotos die Schrecken des Krieges: Bilder von Überlebenden mit zerschossenen Gesichtern und Filme über Soldaten mit psychischen Kriegsschäden. Beeindruckend auch der Raum mit Briefen und Feldpostkarten von Kriegsteilnehmern an ihre Angehörigen, unter anderem vom Kieler Architekten Magnus Ivens, der in Russland die von den flüchtenden Russen zerstörten Brücken behelfsmäßig wieder aufbaute, damit die deutschen Truppen weiter vorrücken konnten.

In Zusammenarbeit mit der Kieler Uni und verschiedenen Künstlern beleuchtet die Ausstellung auch die Auswirkung des Krieges auf Zeitungen und Theater und setzt sich künstlerisch mit dem Thema Krieg auseinander.

Zahlreiche Angebote für Schulklassen und andere Gruppen begleiten die Ausstellung ebenso wie zahlreiche Veranstaltungen im Flandernbunker. Zum Beispiel ein Poetry Slam zur Kieler Stadtgeschichte 1914 bis 1918 am Mittwoch, 8. August, ab 19 Uhr, und die Performance und Ausstellung „Vanishing War und Meyers Erde“ am Sonntag, 12. August, ab 12 Uhr, in der Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow Erde vom Grab des ersten Gefallenen des Ersten Weltkriegs rückführen und Schlachtfeldbilder zeigen, die mit Blaubeersaft aus den zerschossenen Landschaften gemalt wurden.kst

Flandernbunker, Kiellinie 249 in Kiel. Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-15 Uhr, So 11-17 Uhr. Eintritt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Führungen und Veranstaltungen nach Vereinbarung. www.mahnmalkilian.de

In der Atmosphäre des Flandernbunkers ist die Ausstellung besonders eindrucksvoll.
Fotos: Jan Köster