Wenn im Schloss die Wände wackeln – 50 Jahre Inklusiver Karneval in Kiel

Herbert Herzberg, GF Werk- und Betreuungsstätte, Friedrich Rabe, Klaus Helmut Volkmann, Komitee Kieler Karneval, Andreas Borck, Päd. Leit. Werk- und Betreuungsstätte und Klaus Teske, Stiftung Drachensee stehen für den Inklusiven Karneval in Kiel.

Kiel. Als Karnevalsprinz Dettmar I. 1968 im Rahmen seiner Regentschaft zum ersten Mal eine Veranstaltung für behinderte Menschen besuchte, war gar nicht daran zu denken, dass seine Nachfolgeregenten 50 Jahre später immer noch gemeinsam Karneval feiern – und zwar mit rund 1000 Gästen im Kieler Schloss.

Wenn am kommenden Faschingsdienstag das Kieler Prinzenpaar mit seiner festlichen Entourage ins Kieler Schloss einzieht, dann wird der große Festsaal bis auf den letzten Platz gefüllt sein. „Sobald die Eintrittskarten auf dem Markt sind, sind sie auch schon weg“, erklärt Andreas Borck, Pädagogischer Leiter der Werk- und Betreuungsstätte für Körperbehinderte gGmbh. „Der Inklusive Karneval ist die einzige Veranstaltung, um die ich mir nie Sorgen machen muss. Er ist ein absoluter Selbstgänger“, sagt Klaus Helmut Volkmann, Präsident des Komitees Kieler Karneval. Und er muss es wissen. Seit 1969 war er bei jeder Veranstaltung dabei, damals selbst als Prinz Karneval beim „Minimumst-Karneval“, den die Besucher der Tagesstätte für Körperbehinderte in der geschmückten Uwe-Jens-Lornsen-Schule in Kiel-Hammer feierten. „Ich war schwer beeindruckt, mit welch einer Freude und Energie diese Menschen, zu denen ich bis dahin überhaupt keinen Kontakt gehabt hatte, gefeiert haben. Dieses Erlebnis war für mich der Auslöser, mich weiterhin im Karneval zu engagieren“, so Volkmann, der gemeinsam seitdem mit den jeweiligen Mitveranstaltern – der Werk- und Betreuungsstätte für körperbehinderte Jugendliche und Erwachsene, dem Verein zur Förderung spastisch Gelähmter Kiel und Umgebung und seit 1988 der Werkstatt am Drachensee – für den Karneval für Behinderte als Organisationsleiter der Kieler Karnevalisten verantwortlich zeichnete. 1972 feierten zum ersten Mal behinderte Menschen mit ihren Angehörigen und Freunden aus ganz Schleswig-Holstein den 1. Kieler Sorgenkinder-Ball im Kieler Eichhof, und der Saal platzte aus allen Nähten. Das Organisationsteam des Kieler Karnevals hatte ein großes Programm zusammengestellt. Der Erfolg war überwältigend, sodass für 1974 neue, größere Räumlichkeiten gefunden werden mussten. Seitdem wird immer am Faschingsdienstag in allen Sälen des Kieler Schlosses gefeiert. Das ist heute die größte Veranstaltung der Karnevalssession. Mit Ministerpräsident Daniel Günther, Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer und dem Präsidenten des Bundes Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess, stehen illustre Besucher auf der diesjährigen Jubiläumsgästeliste. Friedrich Rabe hingegen war schon im Eichhof als Besucher dabei und wird auch in diesem Jahr wieder gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten feiern. Das langjährige Engagement der Karnevalsvereine weiß auch Klaus Teske, Vorstand der Stiftung Drachensee, zu schätzen. „50 Jahre – und das alles ehrenamtlich, das ist eine tolle Leistung.“ Herbert Herzberg, Geschäftsführer der Werk- und Betreuungsstätte für Körperbehinderte gGmbh fasst zusammen: „Wir bilden sozusagen das Kieler Dreigestirn: wir, die Veranstalter, die Karnevalisten und unsere Gäste.“ vmn