Wenn der Wetterhahn streikt

Wolfgang von Hennigs und Pastor Christoph Pfeifer halten gemeinsam die schwere gusseiserne Stange mit dem Preetzer Wetterhahn – beides ist vermutlich fast 300 Jahre alt. FOTO: HOP

Preetz. Manch ein Preetzer mag sich zurzeit wundern: Der Kirchturmspitze fehlen Wetterhahn und Kugel. Nachdem sich der Hahn nach über 100 Jahren nicht mehr drehen mochte, entdeckten Handwerker an der Holzkonstruktion unter der Kupferverkleidung Schäden.

Angefangen hatte alles bei den Pfadfindern nebenan, denn hier bemerkte ein kleiner Knirps, dass sich der Wetterhahn gar nicht mehr drehe. „Daraufhin war klar, dass wir die Ursache ergründen müssen“, erzählt Pastor Lars Kroglowski, „immerhin ist die letzte Renovierung vor 104 Jahren gewesen.“

Mit einem Hubsteiger fuhr Zimmerer Markus Kasten in 35 Meter Höhe hinauf, um die Konstruktion genauer zu untersuchen und Schwachstellen zu lokalisieren. Die Vorfreude auf das Öffnen der Kugel war besonders groß, denn es wurden Zeitdokumente und Münzen aus dem Jahre 1913 vermutet.

Zuerst wurde die Stange samt Hahn abgesägt, denn diese war oberhalb der Kugel beschädigt. Schon hier war die Überraschung groß, wie Wolfgang von Hennigs, pensionierter Kirchenoberbaudirektor der Nordelbischen Landeskirche, feststellt. Die 2 Meter 50 lange schmiedeeiserne Stange mit dem Kreuz stammt aus den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts – aus der Zeit des Baumeisters Dallin, „denn das ist über dem Feuer geschmiedetes Eisen“, so von Hennigs.

Bis 1725 war der schwedisch-deutsche Baumeister des Barock Rudolph Matthias Dallin an der Stadtkirche tätig. Er baute den Kirchturm und Verlängerte das Kirchenschiff. Dass der 50 Zentimeter breite Wetterhahn aus Kupferblech bereits derart grün angelaufen ist, bezeugt sein hohes Alter. Die ganze Konstruktion drohte abzubrechen, so von Hennigs. Nachdem die Kupferabdeckungen der Turmspitze entfernt waren, offenbarte sich das ganze Ausmaß der Schäden.

Kaputte Ziegel, morsche Bretter. Die Unterkonstruktion für die Kupfereinfassung zum Schutz des Kaiserstiels sei völlig marode, erklärt Markus Kasten. Der Kaiserstiel als hölzernes oberstes Bauteil der Kirchturmspitze hält die Kirchturmbekrönung, also die Stange mit Wetterhahn und Turmkugel. „Wir werden alles runternehmen“, entscheidet von Hennigs, „weder das gusseiserne Gestänge noch die Halterkonstruktion am Holz sind zu retten.“

Kein Wunder, dass sich der Hahn nicht drehen wollte. Was sich denn nun wohl in der Turmkugel verbergen mochte, lüftete Dachdeckermeister Christian Gill mit seiner Flex. Doch alle Hoffnungen auf eine kleine Sensation wurden enttäuscht. Keine alten Dokumente, keine Münzen – die Kugel war leer wie das Stadtsäckel. (hop)