Was ihr wollt am Meer – Kieler Sommertheater bringt Shakespeare als Musical auf die Bühne

„Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“ Kiels Theaterintendant Daniel Karasek auf der imaginären Bühne auf dem MFG-5-Gelände in Kiel Holtenau. Zur Premiere haben die Zuschauer hier einen tollen Blick. Foto: Ulrike Volkmann

Kiel. Jetzt ist es raus: Am 29. Juni wird sich um 20.30 Uhr der Vorhang auf dem MFG-5-Gelände in Holtenau für das Kieler Sommertheater öffnen. „Was ihr wollt“ heißt es und Open-Air ist es. Zu sehen als rasante Musicalversion aus der Feder von Daniel Karasek (Inszenierung) und Martin Tingvall (Musik).

Düster wabert der Nebel über die Kieler Förde, beinahe gespenstisch mutet die Szene an – kaum vorzustellen, dass hier im absoluten Nirgendwo in knapp drei Monaten die Premiere von Kiels Sommertheater stattfinden soll. Zumindest einer aber kann es. Intendant Daniel Karasek steht inmitten der mit gelber Farbe markierten Wolkenbühne und holt mit weiter Gestik aus, um den frierenden Journalisten einen Eindruck von der zu erwartenden Kulisse zu geben. Nur wenige Meter von der Wasserkante entfernt wird die von Lars Peter gestaltete, 18 Meter breite Bühne stehen; der Zuschauer schaut quasi darüber hinweg auf das Meer – vielleicht auch eines der Auswahlkriterien beim Kartenkauf, gibt der Intendant zu bedenken. Ein rot markierter Bereich zeigt die Nähe des Publikums zum Geschehen – intim soll es werden, so Karasek, wie im Theater. Intim soll es auch auf Wunsch des liebeskranken Herzogs Orsino zwischen ihm und der reichen Gräfin Olivia werden. Sie hat zwar der Liebe (zunächst) abgeschworen, erliegt dann aber dem Charme des Dieners Cesario, der sich später als Schiffbrüchige Viola, die sich ihrerseits in Orsino verliebt, entpuppt. Und Shakespeare wäre nicht Shakespeare, wenn das Chaos jetzt komplett wäre. Ein Stoff, der es immer wieder Wert ist, auf die Bühne gebracht zu werden und mit dem Karesek „noch eine Rechnung offen hat“. „Dieses Stück schreit quasi nach Musik“, so der Intendant, der selbst Regie führen wird.

Bei der Pressekonferenz im Schiffercafé am Tiessenkai gab es auch erste Töne zu hören: Jennifer Böhm intonierte herzergreifend Olivias Liebeskummerlied aus der Feder von Martin Tingvall. Er zeichnet mit Sängerin und Texterin Regy Clasen verantwortlich für die musikalischen Arrangements. „Ich war sehr überrascht, als ich von Daniel Karasek angefragt wurde, die Musik zu diesem Musical zu schreiben und danke ihm für seinen Mut, diese Verantwortung in meine Hände zu legen“, so Tingvall, der laut eigener Aussage „nicht gut mit Text“ ist, was nicht sonderlich überraschend ist für einen Jazzmusiker. Neu für ihn auch: die Mischung zwischen den Genres. Balladen, Pop & Rock, dazu hinreißende Texte von Regy Clasen, gemischt mit Original-Shakespeare-Zitaten. Von der ersten Demo sind nicht nur die beiden, die noch im vollem Schreibprozess sind, sondern auch Intendant Karasek begeistert. „Wir sind ein echtes Dreamteam“, so Tingvall.

Traumhaft wird auch die gesamte Inszenierung werden, für die das Ensemble des Kieler Hauses ein wenig von externen Musicaldarstellern unterstützt wird. Die wichtigsten Rollen werden aber aus dem Kieler Schauspiel besetzt. Die Kollegen schwitzen aktuell im Stepptanztraining bei Lucy Costelloe aus Hamburg, da das Musical natürlich sehr „tanzlastig“ sei, so Karasek.

Seit dieser Woche können sich Musicalfans bereits Tickets sichern – über 13.000 Karten gehen für 14 Vorstellungen in den Verkauf. Damit stehen mehr Kapazitäten als in den vergangenen Jahren zur Verfügung. Wer es nicht über den Kanal schafft, der kann zumindest die Premiere auch in seinem Stadtteil genießen. Bis auf den Blücherplatz, der wahrscheinlich wegen der Fußball-WM anderweitig genutzt wird, wird die Premiere voraussichtlich in Mettenhof, Gaarden, am Bootshafen und in Friedrichsort übertragen. Derzeit werde noch mit der KVAG verhandelt, ob eventuell ein Shuttleservice zu realisieren sei, erklärt Karasek, der insgeheim von einer Anreisemöglichkeit per Fördedampfer träumt. Parkplätze stünden aber alternativ genügend zur Verfügung so Karasek weiter. vmn

Premiere am 29. Juni, 20.30 Uhr, danach täglich außer montags bis 14. Juli. Karten unter www.theater-kiel.de