Vorhang auf für die „Froschkonzerte“ im Stiftungsland

Die Frösche im Stiftungsland geben ein beeindruckendes akustisches Spektakel, das Naturbegeisterte live erleben können. FOTO: WENDE

Molfsee. Feste Schuhe oder Gummistiefel, ein kleines Picknick und die Taschenlampe für den Rückweg nicht vergessen – auf zu den Froschkonzerten!

Auch in diesem Jahr begleitet die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Naturfreunde und welche, die es werden wollen, an zehn Orte zum Froschkonzert, um Kreuz-, Knoblauch- und Wechselkröte, Rotbauchunke oder Laubfrosch beim Liebeswerben zu belauschen. Hauke Drews arbeitet als Biologe in der Projektentwicklung der Stiftung und erklärt, was sich hinter dieser Kampagne verbirgt.

Warum veranstaltet die Stiftung Froschkonzerte?

Hauke Drews: Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, wie sich die Früchte unserer Arbeit anhören. Dahinter stehen umfangreiche Projekte unserer Amphibieninitiative: Wir kaufen Flächen für Zwecke des Naturschutzes, entwickeln die Gewässer. Wenn die Amphibien es nicht schaffen, sie aus ihren Restpopulationen heraus selbst zu besiedeln, helfen wir nach. Über drei Jahre sammeln wir Laich, ziehen die Tiere auf, setzen sie aus. Im vierten Jahr kommt es dann vielleicht schon zu einem ersten Froschkonzert.

Warum rufen die Frösche?

Hauke Drews: Es geht um die Fortpflanzung: Die Männchen sitzen in den Gewässern und rufen die Weibchen zur Eiablage. Das Leben im Wasser ist für die Amphibien wegen der Fressfeinde risikobehaftet. Mit dem Rufen versuchen sie, ein Massenablaichen in geeigneten Gewässern hinzubekommen: Hier ist es gut! Wenn dreihundert Rotbauchunken rufen, hört man das bis zu drei Kilometer weit. Das zieht Weibchen aus einem großen Raum zu diesem Gewässer. Laubfroschweibchen können übrigens am Ruf der Männchen erkennen, wie warm das Wasser ist und entscheiden sich immer für das wärmste Gewässer, weil sich dort Eier und Kaulquappen am schnellsten entwickeln.

Und warum rufen die Tiere im Dunkeln?

Hauke Drews: Jede Art versucht am Gewässer, dem Fressfeind zu entgehen. Der Laubfrosch wartet deshalb mit dem Rufen, bis es richtig dunkel ist. Die Moorfrösche sind ganz schüchtern und leise. Wenn der Storch kommt, sind sie sofort weg. Knoblauchkröten rufen vorsichtshalber nur unter Wasser, was die Weibchen gar nicht hören. Da gibt es vermutlich andere Kommunikationsmittel, die wir nicht kennen. Bei den Exkursionen setzen wir Unterwassermikrofone ein, um die Tiere trotzdem zu hören. Und die Unken können es sich leisten, tagsüber zu rufen, denn sie sind giftig.

Wie ist es in Schleswig-Holstein um die Amphibien bestellt?

Hauke Drews: Ende der Neunzigerjahre offenbarte die neue Rote Liste für Amphibien, dass es vielen Arten trotz Vertragsnaturschutz immer schlechter ging. Rotbauchunke und Wechselkröte standen kurz vor dem Aussterben. Das war für die Stiftung Anlass, auf ihren Flächen nach hundert Jahren Rückgang die Trendwende zu versuchen. Zusammen mit dänischen Kollegen haben wir 2003 die Amphibieninitiative gestartet. Die Populationen auf den Stiftungsflächen entwickeln sich gut, während sie in der Normallandschaft immer noch verschwinden. Die Arbeit auf den Naturschutzflächen ist die Grundlage für das Fortbestehen. Das Aussterben der Rotbauchunke konnten wir verhindern. Die Wechselkröte hatte auf Fehmarn nur noch wenige Rufer, jetzt sind es wieder mehrere Tausend Tiere. Auch der Bestand der Kreuzkröten hat sich dort erholt, sodass sie vermutlich über die Ostsee sogar das Festland besiedeln. Der befürchtete „stumme Frühling“ wurde in vielen Gebieten abgewendet.

Für wen sind die Froschkonzerte, und was erwartet die Besucher?

Hauke Drews: Es kommen Familien mit Kindern aber auch ältere Menschen, die ein Gebiet und seine Geräusche aus der Kindheit kennen und sich freuen, das jetzt wieder hören zu können. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit. So wie die Dame, die ihr ganzes Leben schon den Frosch aus dem Märchen sehen wollte. Wir treffen uns, wenn es dämmrig wird. Die Teilnehmer sollten Zeit mitbringen, die Konzerte finden zwischen 21.30 Uhr und Mitternacht statt. Wir spazieren gemeinsam zu den Gewässern. Fachleute der Stiftung oder der Partner vor Ort erzählen aus dem Leben der Amphibien, fangen auch mal einen Frosch. Man erlebt ein Gesamtpaket und manchmal zauberhafte Abende: wenn den ganzen Tag die Sonne geschienen hat und abends der Nebel aus den Gewässern aufsteigt. Dann klingt das Rufen der Amphibien ein bisschen unheimlich und kann ein nachdrückliches Naturerlebnis sein.

Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Eschenbrook 4, Molfsee, im Internet unter www.stiftungsland.de. Informationen zu den Froschkonzerten bei Margrit Meusel unter Tel. 0431-21090101, per E-Mail: margrit.meusel@stiftungsland.de.

Termine Froschkonzerte:

Fr., 28. April, 20.30 Uhr:

Kreuz- und Knoblauchkröte in Nordoe. Parkplatz Am Krebsweg, 25578 Dageling.

Fr., 28. April, 21 Uhr:

Rotbauchunke, Laubfrosch in der Geltinger Birk. Parkplatz Mühle Charlotte, Beveroe, 24395 Nieby.

Fr., 28. April, 20.30 Uhr:

Wechselkröte, Laubfrosch, Knoblauchkröte in Woltersdorf. Heideweg, 21516 Woltersdorf.

Sa., 29. April, 20 Uhr:

Wechselkröte, Kreuzkröte in Wallnau/Fehmarn. NABU Infozentrum, 23769 Wallnau.

Fr., 5. Mai, 21 Uhr:

Laubfrosch in Barnitz. Klein Barnitzer Straße 35 (Windmühle), 23858 Barnitz.

Fr., 12. Mai, 21 Uhr:

Laubfrosch, Rotbauchunke in Hakendorf. Seedorfer Straße 8, 23883 Hakendorf.

Fr., 12. Mai, 21 Uhr:

Rotbauchunke, Laubfrosch in der Geltinger Birk. Parkplatz Mühle Charlotte, Beveroe, 24395 Nieby.

Sa., 13. Mai, 21 Uhr:

Laubfrosch am Winderatter See. 24975 Hüholz zwischen Winderatt und Ausacker.

Fr., 19. Mai, 21.30 Uhr:

Rotbauchunke, Kreuzkröte in Wallnau/Fehmarn. Wenkendorf 13, 23769 Fehmarn, OT Wenkendorf.

Fr., 2. Juni, 21.30 Uhr:

Rotbauchunke, Laubfrosch in Stodthagen. Waldparkplatz Stodthagener Weg, 24244 Felm.