Vielfalt ausgeschnittener Bühnen

Freuen sich über die neue Daueraustellung im Dachgeschoss: Axel Langfeldt vom Heimatmuseum (von links), Dirk und Barbara Reimers und Bürgermeister Björn Demmin. FOTO: KIRSTEN BÖTTTCHER

Heimatmuseum eröffnet neue Dauerausstellung mit Papiertheatern aus aller Welt

Preetz. Bisher war alles versteckt auf dem Dachboden des Heimatmuseums, der Raum diente lediglich als Lager. Jetzt können Barbara und Dirk Reimers ihre Schätze ausstellen. Seit 22. April ist die umfangreiche private Sammlung der wunderschönen Welt des Papiertheaters der Öffentlichkeit zugänglich. Um aus dem Lager- einen Ausstellungsraum zu machen, hat die Stadt 9000 Euro in die Hand genommen. „Es ging um brandschutzrechtliche Auflagen, einen Notausstieg, eine Rauchabzugsöffnung. Die Holztreppe ist zwar nicht optimal, konnte aber verbleiben. Nun hoffen wir auf viele Besucher“, sagt Bürgermeister Björn Demmin. Papiertheater durften vor 150 Jahren in keinem bürgerlichen Haushalt fehlen, sie dienten der Unterhaltung der Familie. „Von den über 100 Theatern, die wir haben, sind jetzt 50 bis 60 zu sehen, große und kleine. Von Zeit zu Zeit werden wir die Bühnenbilder auswechseln“, erklärt Dirk Reimers. Es handle sich um Theater, die bespielt worden sind, zum Teil ein wenig ramponiert, und so sollen sie auch bleiben. Früher beleuchteten die Spieler das Theater mit Kerzen, auch diese Praxis habe Spuren hinterlassen. Zwei der gezeigten Modelle haben eine reale Vorlage: das britische Leicester und das königlich dänische Theater. Das älteste Theater von 1669 stammt aus Epinal in Frankreich. Das materiell wertvollste, mit einer äußeren Umrahmung aus Goldauflage, aus Spanien. Einmalig sei das Picasso-Theater, das nach einem Bühnenentwurf des Malers gestaltet ist. Reimers: „Wir nehmen, was man uns anbietet, zum Beispiel aus Nachlässen. Aber wir sammeln nicht gezielt, sind also kein Archiv.“ Von Gut Friedeburg stamme zum Beispiel das Victoria-Theater, ein Industrietheater aus der Zeit um 1900. Dann zeigt Reimers seine Lieblingskulisse, auf der Rückseite klebt eine Zeitungsseite von 1919: Da suchte man nach Austrägern für den „Vorwärts“, und die Leiche von Rosa Luxemburg war gefunden.

Für Demmin ist Preetz mit der Dauerausstellung um eine Attraktion reicher: „Neben dem Papiertheatertreffen, das uns jedes Jahr im September zur Welthauptstadt des Papiertheaters werden lässt, bieten wir nun allen Freunden des Papiertheaters auch die restliche Zeit des Jahres einen festen Anlaufpunkt im Heimatmuseum.“

Ein Stockwerk unter der Ausstellung befindet sich der intime Papiertheatersaal, maximal 16 Besucher finden hier Platz vor dem „Barbara-Theater“, das Barbara Reimers entworfen und gemalt hat. Zu buchen sind Aufführungen und Sonderführungen unter Tel. 04342/2346, per Mail an dirk.reimers@pollidor.de. Weitere Informationen im Internet unter www.papiertheater-pollidor.de. kib

Heimatmuseum Preetz, Mühlenstraße 14. Tel. 04342