Vielfältiger und besser – vor 40 Jahren wurde die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gegründet

Dr. Walter Hemmerling will durch den Ausbau der grünen Infrastruktur die biologische Vielfalt in Schleswig-Holstein retten.

Kiel. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein feiert runden Geburtstag: 40 Jahre ist es her, dass der Landtag sie gründete. „Man wollte das sich abzeichnende Artensterben aufhalten, das erwachende Umweltbewusstsein suchte seine Instrumente“, beschreibt Dr. Walter Hemmerling, seit 21 Jahren geschäftsführender Vorstand der Stiftung, die Intention. Als heute größte Naturschutzstiftung in Deutschland besitzt sie mit 35.000 Hektar fast zweieinhalb Prozent der Landesfläche, beschäftigt 70 Mitarbeiter, „von Biologen über Agraringenieure bis hin zu Buchhaltern und Bankern, die Ökonomie und Ökologie zusammendenken und so die finanzielle Stabilität sicherstellen. Seit zehn Jahren bekommen wir keine institutionelle Förderung mehr von der Landesregierung“, so Hemmerling.

Die große Aufgabe: der Aufbau der grünen Infrastruktur, ein Netz aus Naturflächen schaffen, um allen wild lebenden Tier- und Pflanzenarten dauerhaft ein Überleben zu sichern. Auf Stiftungsland blühen Milliarden Blüten für die Insektenwelt, Moorflächen speichern das Klimagas Kohlendioxid. Erholungslandschaften für den Menschen sind entstanden, und auf den wilden Weiden wächst hochwertiges Fleisch heran.

Ein Meer aus Margeriten – zu finden im Stiftungsland Hessenstein

Hemmerling: „Wir konnten schon einzelne spektakuläre Erfolge im Artenschutz aufweisen. Der Goldene Scheckenfalter ist zurück, Amphibienarten wie Laubfrosch und Rotbauchunke geht es deutlich besser, Vogelarten wie Alpenstrandläufer und Kampfläufer werden wieder häufiger – aber unterm Strich geht der Artenrückgang weiter, auch das Insektensterben macht uns große Sorgen.“ Als Hauptgrund sieht Hemmerling die bisher ausbleibende Agrarwende: „Die Vielfaltoasen des Stiftungslandes reichen nicht aus, um das Artensterben zu verhindern. Nur ein weiterer Ausbau der grünen Infrastruktur kann helfen.“ Die Konflikte sieht er im stabilen Bodenmarkt. Die zunehmende Konkurrenz um die Flächen lasse die Arbeit nicht leichter werden, Investoren machen den Landwirten und der Stiftung gleichermaßen das Leben schwer.

Und wie sieht die Zukunft aus? „Mehr und besser“, sagt Hemmerling voller Tatendrang, „in den nächsten 40 Jahren wird die Stiftung den quantitativen und qualitativen Ausbau der grünen Infrastruktur vorantreiben. Dabei werden wir weiterhin sensibel mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten, indem wir vorrangig in Regionen aktiv werden, aus denen sich Landwirte wegen der enormen Moorsackungen oder aus anderen Gründen zurückziehen. In vielen unserer 300 Stiftungsgebiete stehen jetzt Arrondierungen an, denen sinnvolle ökologische Entwicklungsmaßnahmen folgen sollen: Moore renaturieren, Wildnis sichern und Blütenmeere schaffen – so entstehen attraktive Gebiete, auch für Naherholung und Tourismus.“ Er freut sich, dass viele private Naturschützer die Stiftungsarbeit bereits mit ehrenamtlichem Engagement, mit Spenden und Zustiftungen unterstützen: „Diese privaten Gelder sind uns besonders wichtig, weil sie den Wunsch von großen Teilen der Bevölkerung zur Beteiligung am Aufbau der grünen Infrastruktur in Schleswig-Holstein ausdrücken.“ kib

Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Eschenbrook 4, 24113 Molfsee, Tel. 0431/21090101, im Internet unter www.stiftungsland.de

Vielfältige Angebote machen die Stiftungsarbeit erlebbar. Das erste Froschkonzert startet am 28. April auf Fehmarn. Von April bis September führen Extratouren ins Stiftungsland, der Mai lockt mit Führungen und Erlebnistagen. Das Naturgenussfestival kommt mit über 130 Veranstaltungen von Juni bis September. Die Stiftung ist Mitveranstalter der „Eckernförder Gespräche“ zur Eröffnung des Greenscreen-Naturfilmfestivals und Partner der Messe „Outdoor“ in Neumünster vom 27.- 29. April.