Video-Ausstellung „Black Box Vol. II“: Die charakteristischen Formen der Wahrnehmung

Die Kuratorin der Ausstellung „Black Box Vol. II“, Dr. Annette Weisner, präsentiert in der Kunsthalle zu Kiel insgesamt drei Videoarbeiten zum Thema „Fortbewegung“. FOTO: EA

Kiel. Noch bis zum 10. September ist die Ausstellung „Black Box Vol. II“ in der Kunsthalle zu Kiel für Besucher zugänglich. Im Mittelpunkt steht das Thema „Fortbewegung“.

Die Ausstellungsreihe „Black Box“ zeigt die Graphische Sammlung der Kunsthalle zu Kiel in loser Folge Arbeiten aus ihrem über 100 Werke umfassenden Bestandes an Videokunst von ihren Anfängen in den 1960er Jahren bis in die Gegenwart.

Die aktuelle Präsentation Black Box Vol. II, die bis Sonntag, 10. September, in der Kunsthalle zu Kiel zu sehen ist, zeigt drei Videoarbeiten. Der Fokus liegt bei allen auf dem Thema „Fortbewegung“ und den damit verbundenen, charakteristischen Formen der Wahrnehmung: „Projektion X“, entstanden 1972, von Imi Knoebel (*1940) und die Arbeiten „Interferenz“ („Meditation partieller Naturbeschreibung auf Basis des Videotakts“) von 1990 sowie „Continuum“ (1991) von Jan Verbeek (*1966).

Die Künstler der drei Videoarbeiten filmten dabei aus alltäglichen Fortbewegungsmitteln heraus – aus einem Auto, einem Zug oder auf einer Rolltreppe heraus. Nicht immer ist dabei für den Ausstellungsbesucher auf den ersten Blick ersichtlich, was in den Videos dargestellt wird: Sie sollten sich Zeit für die Ausstellung nehmen, damit die Werke ihre volle Wirkung entfalten können.

Imi Knoebel

„Projektion X“ ist die einzige Videoarbeit des Künstlers Imi Knoebel, in der er in einer ununterbrochenen Aufzeichnung eine 40-minütige Autofahrt durch das nächtliche Darmstadt. Ein großes „X“ wird aus dem Fahrzeug in den städtischen Raum projiziert. Der technisch bedingte Nachzieheffekt produziert optische Verwischungen und gibt den Bildern ihre eigene Ästhetik. Das Video, das ohne Ton auskommt und aus schwarz-weiß Aufnahmen besteht, ist für den Besucher entspannend und wirkt nahezu hypnotisierend.

Jan Verbeek

Die Arbeiten „Interferenz“ und „Continuum“ des Künstlers Jan Verbeek konzentrieren sich jeweils auf ausschnitthafte Bewegungsbilder: „Interferenz“ zeigt Überlagerungserscheinungen: Die Blickführung aus einem fahrenden Zug geht ein durchdachtes Zusammenspiel mit den 50 Bildern pro Sekunde der Videotechnik ein. Durch die Schnelligkeit dieser Abfolge kann der Betrachter die Aufnahmen nicht vollständig visuell erfassen, die Eisenbahnschienen scheinen durch diesen Effekt nahezu zu schweben, es entsteht eine Illusion. Eine punktuell einsetzendes Summen, das in Höhe und Tiefe variiert, verstärkt diese Wirkung.

Die letzte Videoarbeit aus der Reihe „Black Box Vol. II“, „Continuum“ (1991), stellt eine fahrende Rolltreppe in den Mittelpunkt: Ton- und Bildspur sind aufgezeichnet und die Blickwinkel wechseln; immer steht die Verzahnung, das Fahren, die Wiederholung, das Muster im Mittelpunkt – die Aufnahmen des gummierten Handlaufs steht dabei im direkten Gegensatz dazu und haben laut Kuratorin Dr. Annette Weisner etwas „Schlangenartiges“ an sich im Vergleich zu den regelmäßigen Bewegungen der Rolltreppe.

Ab Sommer 2017 werden in der Reihe Black Box Werke der Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist präsentiert.

Ausgestellte Werke:

Imi Knoebel (*1940)

„Projektion X“, 1972 (40 Min.)

Jan Verbeek (*1966)

„Interferenz“ („Meditation partieller Naturbeschreibung auf Basis des Videotakts“), 1990 (7,42 Min.)

„Continuum“, 1991 (5,45 Min.)

(ea)