Vergangenheit aufarbeiten

Auf 40 Wandtafeln informiert die Ausstellung ausführlich über den Neuanfang der evangelischen Kirche nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Wanderausstellung informiert über Kirchengeschichte in der NS-Zeit

Plön. Mit Schautafeln, Fotos, Texten und Ausstellungsstücken ist die Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945? – Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ in der Plöner Nicolaikirche zu Gast.

Plön ist die 26. Station der Wanderausstellung. Mit den sechs Themenfeldern „Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Displaced Persons“, „Antisemitismus und neue Begegnungen“, „NS-Täter und Kriegsverbrecher im Schutz der Kirche“, „Streit um Schuld und Mitverantwortung“, „Haltung zu Krieg und Wiederaufrüstung“ sowie „Antikommunismus und Diffamierungen“ beleuchtet die Ausstellung die Auseinandersetzung der Evangelisch-Lutherischen Kirche mit der eigenen Rolle während des Nationalsozialismus in der Zeit zwischen 1945 und 1985.

Propst Erich Faehling, Julia Patzke (Referentin für Frauenarbeit), Pastorin Janina Lubeck, Dr. Stephan Linck (von links) bei der Ausstellungeröffnung.

Im Rahmen des „lokale Fensters“ rückt die Gedenkkultur des jeweiligen Ausstellungsorts in den Fokus. „Hier in Plön fiel die Wahl auf den Pastor Heinrich Christian Böttger. Zwei Schülerinnen des Plöner Gymnasiums haben sich Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten mit dem Verhältnis des Plöner Pastors zum Nationalsozialismus befasst “, erklärt Dr. Stephan Linck, Studienleiter für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit an der Evangelischen Akademie der Nordkirche und gleichzeitig Großneffe von Heinrich Christian Böttger, „die Recherchen der Schülerinnen habe ich mit Fotos aus dem Familienalbum und alten Briefen ergänzt.“ Pastor Heinrich Christian Böttger war ab 1933 Parteimitglied der NSDAP und Leiter des Kirchenbuchamtes. „Diese Ämter spielten eine wichtige Rolle, für den Nachweis der Deutschblütigkeit und für die Identifikation von Juden, deren Vorfahren zum Christentum übergetreten waren“, so Dr. Stephan Linck, „wie Viele in der evangelischen Kirche hatte Heinrich Christian Böttger zunächst kein Problem mit den Nazis.“ Nach dem Krieg setzte er sich für die Freilassung internierter NS-Verbrecher ein. Dennoch sah er sich nach 1945 als „innerer Feind“ des Nationalsozialismus und wurde 1949 beim Entnazifizierungsverfahren entlastet. „Gefühle wie Scham, Reue und Sühne fehlten bei ihm, wie auch in weiten Teilen der evangelischen Kirche.“hms

Veranstaltungen zur Ausstellung: Sonntag, 18. März, 10 Uhr: Gottesdienst „Gerettet aber nicht versöhnt“; Donnerstag, 22. März, 19 Uhr: Vortrag von Dr. Stephan Linck „Pastor Walter Auerbach und die Anfänge des christlich-jüdischen Dialogs nach 1945“. Öffnungszeiten der Ausstellung: Montag bis Sonnabend von 9 bis 16 Uhr. Führungen: nach telefonischer Vereinbarung, Tel. 04522/2235, buero@kirche-ploen.de