Und ewig lockt der Waldhof-Basar – Werkstätten der Marie-Christian-Heime bieten am Sonnabend jede Menge Selbstgefertigtes an

Am kommenden Sonnabend gibt es auf dem Waldhofbasar wieder liebevoll gestaltete Handwerkskunst zu bestaunen. Foto: Martin Geist

Kiel-Kroog. Es begann vor 110 Jahren in einer Wohnung, in der „gefallene Mädchen“ Zuflucht und Zuwendung fanden. Seither ist daraus eine Einrichtung geworden, die sich in vielerlei Hinsicht um Menschen kümmert, denen ihr Platz in der Gesellschaft nicht einfach so zufällt. Unterstützung findet in den Marie-Christian-Heimen besonders, wer eine psychische Erkrankung oder eine geistige Behinderung hat. Dass diese Arbeit nicht mit Abschottung verbunden ist, zeigt am allerdeutlichsten der Waldhofbasar in Kroog, wo der Verein seit 1952 zu Hause ist. Für kommenden Sonnabend werden wieder tausende Besucher erwartet.

Arbeit, Beschäftigung und Tagesstruktur heißt der Bereich, in dem derzeit 95 Menschen eine Beschäftigung finden. Gewerkelt wird in der Schneiderei, der Weberei, der Holz- und Metallwerkstatt, aber auch in der Cafeteria und auf anderen Feldern. Etwa in der Kreativwerkstatt, wo seit etwa einem Jahr Manuela Block ihren Platz hat. Zurzeit fertigt sie an der Seite ihrer Kollegin Ingrid Hannemann Nana-Plastiken aus Pappmaché an und ist gleichermaßen überrascht wie begeistert über das, was dabei herauskommt: „Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass ich so etwas kann.“ Tatsächlich fertigen Manuela Block und die anderen Frauen längst schon Sachen an, die beim Waldhof-Basar, dem traditionellen Highlight im Jahresablauf der Marie-Christian-Heime, reißenden Absatz finden werden. „Da freut man sich natürlich“, sagt die Frau, die auch auf dem Waldhof wohnt. Wohl fühlt sie sich dort, erzählt die Kielerin, weil sie unter Menschen ist und etwas Sinnvolles zu tun hat. Damit beschreibt sie zugleich zwei der wichtigsten Anliegen der diakonischen Marie-Christian-Heime, die sich im Lauf der Zeit auf mehrere Schwerpunkte verlegt hat. Angelehnt an die Ursprünge gibt es den Bereich Mutter, Kind und Familie, dann den Bereich Sozialpsychiatrie, die Abteilung Arbeit, Beschäftigung und Tagesstruktur und das Ambulant betreute Wohnen. Mehr als 100 Menschen, die nicht auf dem Waldhof, sondern irgendwo im Stadtgebiet leben, werden derzeit unterstützt. Auch von den Beschäftigten in den Werkstätten haben inzwischen fast 60 Prozent eine externe Wohnung. Was unter dem Aspekt der Inklusion eine sehr wünschenswerte Entwicklung ist, meint Bereichsleiter Heiko Meyer-Stute. Schließlich sollen sich Menschen mit Behinderungen oder psychischen Krankheiten nicht auf einer Insel, sondern mitten im Leben wiederfinden. Und dazu gehöre eben nicht zuletzt, dass man zur Arbeit und dann wieder nach Hause geht. Nach Kroog gehen, das heißt es jedenfalls wieder für zahllose Gäste, wenn am kommenden Sonnabend, 3. November, ab 12 Uhr der Waldhofbasar, Rönner Weg 75, lockt. Angeboten werden aus hauseigener Produktion unter anderem Taschen, Geschirrtücher, Tischläufer, Nackenrollen und gestickte Bilder. Auch Esel vom Hof Hüsby haben ihren Besuch zugesagt. Es gibt einen Flohmarkt, eine Tombola mit Preisen und Kerzenziehen. Jeder Bereich hat sich zudem eine besondere Aktion einfallen lassen, das Spektrum reicht von der Kaffee- oder Teestube bis zum Kinderschninken. Deftiges zur Saison wie Rübenmus, Grünkohl und Grillwurst, aber auch Vegetarisches hat die Waldhof-Küche vorbereitet. An der nach historischem Vorbild gefertigten Gutenberg-Druckerpresse in der Holzwerkstatt können sich die Besucher außerdem eine eigene Weihnachtskarte drucken. Um 16.30 Uhr klingt der Basar mit gemeinsamem Singen und einem Weihnachtsumzug aus.mag