Umzug für Baby-Kröten – Naturschützer wildern Hunderte junger Knoblauchkröten aus

Inken Schmersow und Patrick Pohlmann freuten sich, ihre Schützlinge in die Freiheit entlassen zu können.

Preetz. Seit Mitte April haben sich Patrick Pohlmann und Inken Schmersow von der Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung um ihren Knoblauchkröten-Nachwuchs gekümmert. Jetzt konnten 600 Jungkröten ihr neues Zuhause in der Preetzer Postseefeldmark beziehen.

Die Auswilderung der Knoblauchkröten ist Teil der Amphibieninitiative der Stiftung Naturschutz SH, die sich seit 2003 um die Rettung bedrohter Froschlurche kümmert. „Wir setzen die Knoblauchkröten heute in einem alten Fischteich aus, der 2005 saniert wurde. Der hat sich schon super bei den Laubfröschen bewährt, die 2008 hier eingebracht wurden und inzwischen schon in manchen Preetzer Gärten herumhüpfen“, erklärt Jan Birk, Leiter des Umweltamtes der Stadt Preetz. Harald Christiansen vom Nabu ergänzt: „Die Postfeldmark mit ihrem Mix aus verschiedenen Böden ist für Knoblauchkröten gut geeignet. In Bereichen, die das Wasser halten, sodass die Teiche auch im Sommer nicht austrocknen, können sich die Kaulquappen entwickeln. In anderen Bereichen mit lockere Sandböden können sich die Kröten tagsüber einbuddeln, um nachts auf Insektenjagd zu gehen.“

280 HektarI ist die Postfeldmark groß, davon stehen rund 100 Hektar unter Naturschutz. „Wir haben in den vergangenen Jahren auf dieser Fläche nicht nur bestehende Gewässer saniert, sondern auch neue Teiche als Laichgewässer angelegt“, erklärt Fritz Heydemann von der Marius Böger Stiftung.

Knoblauchkröten legen ihre Eier in Form von Laichschnüren in Teichen ab. Die sich daraus entwickelnden Kaulquappen erreichen die beeindruckende Größe von bis zu zwölf Zentimetern. „Wir haben unsere Kaulquappen mit Fischflocken und Bananen gefüttert. Die Tiere sind aber nicht wählerisch, die fressen auch schon mal tote Artgenossen“, so Patrick Pohlmann.

Wenn die Kaulquappen in der Obhut der Naturschützer aufwachsen können, haben sie deutlich bessere Überlebenschancen als wenn sie ihre frühe Entwicklung in freier Natur durchmachen müssen. Denn während in der Natur bis zu 99 Prozent von Fischen verspeist werden, schaffen es von den beschützten Tieren mehr als 90 Prozent bis ins Krötenalter. Etwa drei Monate brauchen die Kaulquappen bis zur Metamorphose. „Dabei verlieren sie ihren Schwanz, wechseln von der Kiemen- zur Lungenatmung und verlassen die Teiche, um als Kröte weiterzuleben“, fasst Hauke Drews, der Projektmaßnahmenmanager der Stiftung Naturschutz SH, den Prozess zusammen. In den vergangenen beiden Jahren wurden bereits über 4000 Knoblauchkröten in der Postfeldmark ausgesetzt. „Wir hoffen, mit unseren Maßnahmen ein Ausbreitungszentrum zu schaffen, von wo aus die Kröten nach und nach auch die umliegenden Gewässer besiedeln.“hms