Theaterschätze warten immer noch auf ein Museum

Ein engagiertes Team mit Barbara Manteuffel, Christian Thal, Lucie Hermanns, Norbert Aust, Marianne Grimm, Inka Schneider, Siegfried Jacobs, Karin Neumann und Manfred Seifert (von links) archiviert, digitalisiert und katalogisiert die Schätze des Theatermuseums - mittendrin (3. von links) steht ein Wachsmodell der früheren Kammerschauspielerin Rosemarie Kilian. Foto dt

Verein plant Retrospektive über Schauspieler Heinz Reincke und veröffentlicht Buch über Siegfried Kristen

Neumühlen-Dietrichsdorf. Kostüme, Fotos, Requisiten, Noten, Regiebücher und Bühnenmodelle – im Archiv des Vereins Theatermuseum Kiel schlummern rund 40000 Schätze, die nur selten der Öffentlichkeit präsentiert werden. Während der Verein immer noch nach Räumen für ein Kieler Theatermuseum sucht, planen die ehrenamtlich aktiven Mitglieder eine Retrospektive über den Schauspieler Heinz Reincke und ein Buchprojekt über Kammerschauspieler Siegfried Kristen.

Norbert Aust hat eine dicke Beule am Kopf, ein demoliertes Bein und ein kaputtes Auge. Nein, nicht der Vereinsvorsitzende selbst, sondern seine Wachs-Styropor-Figur, die lange im Eingangsbereich des Sophienhofs stand, ist arg ramponiert und fristet ein trauriges Dasein im Magazin des Theatermuseums. Damit ist das Ausstellungsstück in guter Gesellschaft von unzähligen Exponaten, die in den Räumen an der Tiefen Allee 45 bis unter die Decke gestapelt sind. Wahre Schätze aus über 100 Jahren Kieler Theatergeschichte sind hier konzentriert: Dirigentenstäbe, 170 Entwürfe von Bühnenbildern, mehr als 8000 Szenenfotos von 1907 bis heute, 20000 Programmhefte, 1500 Bücher zur Theaterkunst und 1000 Theaterzeitschriften liegen unter anderem dicht gepackt in den Regalen. Von den 70 Bühnenbildmodellen sind die meisten ebenfalls in Kisten verstaut, weil einfach kein Platz ist, alles aufzubauen. Auch Kammerschauspieler Siegfried Kristen steuerte zu der Sammlung viele Stücke bei. Über sein künstlerisches Leben wird der Verein in diesem Frühjahr ein Buch herausbringen.

„Es ist ein Herzenswunsch, Räume für Ausstellungen zu finden“, sagt Siegfried Jacobs, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. „Wir als Gründer kommen von der Kunst“, betont der Schauspieler. Deshalb sei es zu wenig, die Theaterschätze nur zu bewahren, „man sollte auch etwas damit machen“. Vorsitzender Norbert Aust, ehemaliger Leiter des Theaters im Werftpark, wünscht sich ein Museum, das nicht nur die Exponate zeigt, sondern auch mit Projekten, Aktionen oder Workshops kombiniert, um für Jung und Alt Einblicke in alle Gewerke des Theaters zu geben: „Da müssen wir hin.“ Vorstandsmitglied Karin Neumann freut sich, dass auch die Datensammlung in den Computern immer mehr wächst und die Geschichte der städtischen Bühnen seit 1907 mit allen Stücken, Künstlern und Besetzungslisten fast vollständig dokumentiert ist.

Weil passende Räume zurzeit nicht in Sicht sind, planen die Vereinsmitglieder einzelne Ausstellungen. So wird es Anfang 2018 eine Retrospektive im Kieler Kloster über den 1925 in Kiel geborenen Heinz Reincke geben. Hier am Theater der Landeshauptstadt begann seine Karriere. In über 100 Kino- und Fernsehfilmen spielte Reincke mit. Er starb 2011 in Österreich. Sein Sohn Thomas Reincke – aus erster Ehe mit der Schauspielerin Herta Gessulat – brachte dem Theatermuseum vor einigen Jahren ein Karton mit Bühnenfotos, Rollenbüchern und Erinnerungsstücken seiner Mutter, die zeitweise auch als Schauspielerin in Kiel auf der Bühne gestanden hatte. Weiteres Material stammt von der Witwe Elfriede Reincke, dritte Ehefrau des Schauspielers.

Der Verein, der 2004 auf Initiative von Kammerschauspielerin Rosemarie Kilian (1919 bis 2014) entstand, ist dankbar für die Unterstützung durch das Jobcenter und für die Archivräume in der Tiefen Allee 45. Dort schlummert die zusammengepferchte Sammlung Kieler Kulturgeschichte weiter, während das engagierte Team archiviert, digitalisiert und auf ein Museum hofft. dt

http://theatermuseum-kiel.de