Teil 2: Neustart – Zurück ins Leben

Die Gettorferin Wencke Schweder mit ihren Töchtern Jacey, Kim und Ashley (v.l.n.r.), sowie Enkelin Alexia (vorne). FOTO: DIEF

Gettorf. Die letzten Silvesterböller sind verklungen, die Raketen verglüht. Zeit für einen Neustart, so denken viele Jahrein Jahraus. Auch die Gettorferin Wencke Schweder verfährt nach diesem Motto. Doch für die 51-jährige soll das Jahr 2017 ein ganz besonderer Neubeginn werden. „Ein Start zurück ins Leben“, so die Mutter dreier Kinder.

Im März 2009 stand das Leben der gebürtigen Kielerin zum ersten Male quasi auf der Kippe. „Es begann mit einem Schlappheitsgefühl und Verlust des Geschmacksinnes, sowie des Horner-Syndroms(s.u.)“, so Schweder. Eine „Dissektion an der Aorta Carotis“- die medizinische Bezeichnung für einen Gefäßeinriss der Halsschlagader bei der kein Blut mehr Richtung Gehirn gepumpt wird–warf sie aus der Bahn. Die Meinung mehrerer Ärzte(„Dies kann höchsten einmal im Leben passieren“) wurde dann im Mai des Jahres 2013 leider widerlegt. Auch bei der zweiten Dissektion trat erneut das „Horner-Syndrom“(eine Nervenschädigung, bei der sich die Pupillen verengen) auf und endete mit einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt und der Intensivstation.

Die Worte einer Ärztin der dortigen Uni-Klink („Atmen sie Frau Schweder“) dröhnen ihr noch heute in den Ohren. „Hier wurde ich mir meiner Endlichkeit bewusst und hatte erstmals richtige Angst zu Sterben und meine Kinder und Hunde niemals wieder zu sehen“, ergänzt Wencke Schweder und muss dabei noch heute schlucken.

Die Folge: Panikattacken bei den leisesten Anzeichen und Symptomen. Nach einem Zusammenbruch auf der Arbeitsstelle musste sie ihren Beruf in einer Bäckerei Anfang 2016 aufgeben. Auch einfache Dinge, wie etwa ein Besuch im Sophienhof, ein Spaziergang durch eine enge Menschenmenge oder das Bummeln auf der Kieler Woche waren lange nicht möglich.

Erst als sie über Bekannte vom „Kieler Fenster“ erfuhr, einer Einrichtung die verschiedene Selbsthilfegruppen anbietet, begann langsam der Weg zurück in die Normalität. Nach Monaten mit vielen dortigen Sitzungen und durch die Hilfe einer Kieler Therapeutin ist-Stand heute-mehr als Besserung in Sicht. Das einfache Busfahren, für sie lange Zeit undenkbar, macht sie heute stolz. Ihre Bilanz: „Ich habe gelernt in kleinen Schritten zu denken und Geduld zu haben“. Diese Geduld muss die dreifache Mutter und Hundebesitzerin(4 Rüden) nun auch beruflich aufbringen, denn ab Anfang Februar wird sie wieder als Nageldesignerin arbeiten. „Ich versuche mir hierbei aber weder Stress noch Druck zu machen, auch wenn es mir schwer fällt“, so ihre Hoffnung. Einen weiteren „Schub“ dafür wird der gelernten Industriekauffrau die Tatsache geben, dass ihre älteste Tochter Kim sie Mitte des Jahres zum zweiten Male zur Großmutter machen wird. Auch wenn der Start ins Jahr 2017 ein „wenig missglückte“(„Ich lag mit einer schweren Bronchitis im Bett“), so hat für Wencke Schweder um 0 Uhr mit der ersten Silvester-Rakete der Start in ein neues Leben begonnen. „Ich hab doch noch so viel vor“, so ihre passende Aussage zum neuen Jahr und dem Start ins „Leben vol. 2“. (dief)