St. Nikolai-Altar sucht Spender –

Der Doppelflügel-Altar der Kieler Nikolaikirche am Alten Markt ist mehr als 550 Jahre alt und gilt als einer der bedeutendsten Altäre, die im Norden Deutschlands noch in Gebrauch sind. Foto: kst

Kiel. Der prächtige Flügelaltar der Kieler St. Nikolaikirche am Alten Markt benötigt Hilfe. Das Klima und die moderne Nutzung des Gebäudes haben den mittelalterlichen Schnitzereien und Gemälden Schaden zugefügt. Das Kunstwerk aus dem Jahr 1460 muss aufwendig restauriert und für die Zukunft geschützt werden. Das kostet mindestens 200.000 Euro. Weil die Kirchengemeinde das Geld nicht hat, startet sie jetzt eine Spendenaktion.

„Es war ein Schock“, erinnert sich Pastorin Susanne Hansen. Ende März hatte der Küster der Nikolaikirche die Schäden an dem über 500 Jahre alten Klappaltar entdeckt, dem Kernstück des Hauptschiffes in St. Nikolai. Ein Hingucker, bei Kunsthistorikern geschätzt, von Kielern geliebt, von Touristen bewundert. „Nicht wenige Besucher bleiben erst mal stehen und sagen ,Boah!’“, erzählt die Pastorin. „Der Altar prägt die besondere Atmosphäre der Kirche, er strahlt, selbst wenn er nicht beleuchtet ist.“

Das sieht Nicole Hansen vom Kirchengemeinderat St. Nikolai genauso, deshalb macht sie sich auf die Suche nach Spendern für die nötige Restaurierung. „Wir hoffen, dass die Kieler Bürger uns helfen und wir den Altar gemeinsam retten können.“ Auch Stiftungen will sie anschreiben und die Geschäftsleute in der Nachbarschaft ansprechen. „Wir konnten auch schon das eine oder andere Brautpaar überzeugen, die Kollekte zu spenden, schließlich kommen die auch wegen der schönen Kirche zu uns.“

Die Spenden sollen zunächst die schlimmsten Schäden beheben. Die trockenen und eisigen Winde in diesem März hatten Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Altarraum erheblich sinken lassen. Das Holz zog sich daraufhin zusammen und quoll später wieder auf. Eine Bewegung, welche die alte Farbe an Gemälden und Schnitzereien nicht überall mitmachte: Sie löste sich. Der eilends gerufene Restaurator Markus Freitag sicherte noch im Frühling die gefährdeten Stellen mit hauchdünnem Japanpapier und stellte fest: Eine umfassende Restaurierung ist unausweichlich, daneben muss verzogenes Holz gerichtet und gestützt werden.

Mittelfristig hilft nur, das Raumklima zu stabilisieren, nur so können auch die Ursachen und nicht nur die Symptome des Verfalls am Kunstwerk bekämpft werden. Das Problem: Der im Mittelalter gebaute Flügelaltar liebt es kühl und feucht, die fast 190.000 jährlichen Besucher in St. Nikolai mögen es warm und trocken. Die Gemeinde ist nun auf der Suche nach einer Klimalösung, erklärt Nicole Hansen. „Unsere Kirche soll kein Museum sein, sondern ein lebendiger Ort, in dem wir für unsere Besucher vernünftig heizen wollen und wo trotzdem der Altar für die Menschen erhalten bleibt.“

Infos zur Spendenaktion „Retten Sie Kiels ältesten Kunstschatz“ unter www.st-nikolai-kiel.de