Spezialitäten für Einsteiger und echte Kenner – Theater Kiel präsentiert Programm für die Spielzeit 2018/19

TK_Spielzeitvorstellung: Sie stellten das neue Programm für die Spielzeit 2018/19 vor: Zu sehen (von links): Nicole Beckendorf (Öffentlichkeitsarbeit), Daniel Carlberg (stv. GMD), Astrid Großgasteiger (Ltg. Theater im Werftpark), Operndirektor Reinhard Linden, die Dramaturgen Kerstin Daiber, Mona Rieken, Daniel Karasek (Generalintendant), Jens Paulsen, Anna Siebert, Cordula Engelbert, Ballettdirektor Yaroslav Ivanenko, Heather Jurgensen (1. Ballettmeisterin) und Dramaturg Ulrich Frey. Foto: Olaf Struck

Kiel. Von der Grand Opéra bis hin zum Matrosenaufstand 1918 – in der Spielzeit 2018/19 hat das Theater Kiel viel vor.

Eröffnet wird die Opernsaison 2018/19 mit einem italienischen Doppel-Abend im September: Unter der Leitung von GMD Georg Fritzsch inszeniert der junge Mailänder Regisseur Fabio Ceresa Pietro Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ und Ruggero Leoncavallos „Bajazzo“. Als Highlight folgt mit „Falscher Verrat“ im November die Vertonung des Matrosenaufstandes von 1918: Marco Tutino schickt sich an, mit seiner Oper in zwei Akten, einer extra für Kiel erarbeiteten Auftragskomposition, die italienische Operntradition fortzuführen. Uraufführung ist am 3. November. Mit dem „Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini in der Inszenierung von Pier Francesco Maestrini und dem Musical „Sweeney Todd“ von Stephen Sondheim folgt ein „Babierblock“ der Extraklasse. So knallbunt wie Maestrinis Version der größten musikalischen Komödie, so tiefschwarz und bitterböse wird der Teufelsbarbier der Fleetstreet von Theatergenie Stephen Sondheim unter der Regie von Ricarda Ludigkeit in Szene gesetzt. Richard Strauss‘ „Die Frau ohne Schatten“ ist genauso rätselhaft wie symbol- und klangträchtig. Und was selbst in Berlin nicht möglich ist, findet in Kiel seine Erfüllung: Die Aufführung der Grand Opéra „Die Stumme von Portici“ von Daniel-François-Esprit Auber vereint alle Sparten des Hauses in einer Inszenierung. Premiere ist im April 2019.

Mit Monteverdis „Krönung der Poppea“ von 1643 kehrt ein früher Höhepunkt der Operngeschichte nach über drei Jahrzehnten im Juni zurück ins Kieler Opernhaus.

Neun philharmonische Konzerte von Juni bis September ergänzen das Programm.

Schauspiel setzt auf aktuelle Themen: Alzheimer, Pubertät, Beziehungen, Lebensgeschichten auf dem Meer, Flucht und virtuelle Welten sind die zeitgenössischen Themen, mit denen sich das Schauspiel in der kommenden Spielzeit auseinandersetzt. „Vater“ von Florian Zeller berichtet in 15 poetisch-humorvollen Szenen aus der Sicht des an Alzheimer erkrankten André vom Realitätsverlust in einer tragisch-komischen Farce. Juli Zehs Roman „Spieltrieb“ bringt Mona Kraushaar als pointierte Coming-of-Age-Geschichte auf die Bühne. Mit seinem Bühnenstück „Mary Page Marlowe – Eine Frau“ beweist der Pulitzerpreisträger und Homelands-Darsteller Tracy Letts einmal mehr seine Qualitäten als Dramatiker. In elf nicht chronologischen Szenen beleuchtet er Lebensabschnitte einer durchschnittlichen Frau.

Mit Victor Hugos „Die Elenden“ und Shakespeares „Hamlet“ finden zwei Klassiker ebenso ihren Platz im Programm wie Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ und „Die Dreigroschenoper“. Auf der Studiobühne werden der sehnsüchtige Monolog „Novecento – Legende vom Ozeanpianisten“ von Alessandro Baricco und Stefan Massinis Fluchtdrama „Occident Express“ zu sehen sein. Baricco lässt den Trompeter Tooney die Lebensgeschichte des Bordpianisten Novecentos erzählen, auf die Bühne gebracht von Lisa Gappel, die ebenfalls für das Weihnachtsmärchen vom „Satanärchologenlügengenialalkohöllischen Wunschpunsch“ von Michael Ende verantwortlich zeichnet. „Wie real ist die virtuelle Welt?“, fragt die US-Dramatikerin Jennifer Haley in „Netzwelt“– zu sehen ab Januar. In Harold Pinters „Liebhaber“ werden traditionelle Eheklischees auf den Kopf gestellt – zu sehen im März, die Regie führt Daniel Karasek. Und mit „Neunzehnachtzehn“ kommt zum 100-jährigen Jubiläum des Matrosenaufstandes das Auftragswerk von 2008 von Robert Habeck und Andrea Paluch erneut auf die Bühne, in diesem Jahr erweitert zu einer mobilen Theaterreise durch das revolutionäre Kiel. Zu erleben ab 1. Dezember. Ulrike Volkmann