Sonderausstellung „Geflohen und geblieben“

Kreispräsident Peter Sönnichsen (v.l.n.r), Kuratorin Julia Meyer, Leiterin des Heimatmuseums Heinke Heintzen und Helmut Neumann von der Förde Sparkasse eröffneten die Ausstellung im Preetzer Heimatmuseum. FOTO: KIB

Preetz. „Geflohen und geblieben – Alexej von Assaulenko (1913-1989)“ – so heißt die Sonderausstellung, die seit dem 6 . Mai im Heimatmuseum Preetz zu sehen ist. Alexej von Assaulenko wurde 1913 in Lubny/Ukraine als Arztsohn geboren. Während der Oktoberrevolution büßt die Familie Besitz und Adelstitel ein und begibt sich auf die Flucht. In den Wirren der Emigration geht der sechsjährige Alexej 1919 verloren. Er lebt in Kinder- und Jugendbanden und findet erst drei Jahre später den Weg zurück nach Lubny in seine Familie. Schon mit 13 bekundet er sein Interesse an der Malerei, findet Unterstützung bei seinem Zeichenlehrer und den Eltern, die ihn an der Kunstschule Kiew unterrichten lassen. An der Kunstakademie St. Petersburg studiert er schließlich Malerei. Als die deutschen Truppen sich 1943 vor der vorrückenden Sowjetarmee zurückziehen, begibt sich Assaulenko mit seiner Frau und seinen Eltern erneut auf die Flucht. 1945 erreicht die Familie Plön, wo Assaulenko bis zu seinem Tod 1989 lebt und als Künstler arbeitet. In Rheine erwarb er eine Atelierwohnung, er unternahm viele Studienreisen ins Ausland. Stets blieb er der gegenständlichen Malerei treu, widmete sich vornehmlich der Landschafts- und Porträtmalerei.

Die Sonderausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum in Plön entstanden, deren Leiterin Julia Meyer Stiftungskuratorin der Alexej-von-Assaulenko-Kulturstiftung und zugleich Kuratorin der Ausstellung ist. Sie beschreibt bei der Ausstellungseröffnung den Weg durch die Räume: Im Eingangsbereich Lebenslauf und Publikationen, ein Selbstporträt und die Assaulenko-Kopie eines Rubens-Gemäldes. Im nächsten Raum eine Auswahl seiner Landschaften mit Bildern aus unserer Umgebung aber auch von seinen Studienreisen, auf denen er seinen Blick in andere Kulturen richtete. Ein Raum zeigt Assaulenko als Porträtmaler – seine Frau war seine Muse. Und es verging kein Jahr, in dem er sich nicht selbst wenigstens einmal porträtierte. Es folgen schnelle Aquarelle, die der Künstler während seiner Zeit in der „Schule des Sehens“ von Oskar Kokoschka fertigte und schließlich seine Stillleben. Meyer hat 66 Gemälde ausgewählt, und das sei nur 3,16 Prozent des Stiftungsbestandes. Das Falkenhof-Museum in Rheine verwahre einen zweiten Teil des Nachlasses. Darüber hinaus befänden sich wahrscheinlich viele Werke in Privatbesitz – „Assaulenko konnte von seiner Kunst leben“, erklärt Kreispräsident und Vorsitzender des Stiftungsrates Peter Sönnichsen, der vor der Biografie Assaulenkos auch an das Schicksal der heutigen Flüchtlinge und die „große Aufgabe der Integration“ erinnert. Kunst und Kultur seien in Deutschland immer durch Einflüsse von außen bereichert worden. Die Ausstellung, die Besuchern noch bis zum 10. September offen steht, findet finanzielle Unterstützung durch Förde Sparkasse und Rotary Club.

Heimatmuseum Preetz, Mühlenstraße 14 in Preetz, Sonderausstellung geöffnet: mi, sa, so 15-17 Uhr und auf Anfrage unter Tel. 04342-83058. Auf der Veranda des Heimatmuseums können sich Besucher dem Werk Assaulenkos übrigens auch durch eigenen kreativen Einsatz nähern, mit Pastellkreiden eines seiner Stillleben nachempfinden oder sich mit Hilfe eines Spiegels am Selbstporträt versuchen.