Solo am Klavier – 5. Philharmonisches Konzert am Wochenende im Kieler Schloss

Der ungarische Pianist Dezsö Ránki spielt am kommenden Wochenende das Philharmonische Konzert im Kieler Schloss.

Kiel. 1766 war Joseph Haydn bereits so populär, dass die Zeitung Wienerisches Diarium über ihn schreiben konnte, er sei der „Liebling unserer Nation“. Zu jener Zeit brillierte er als „Vize-Capel-Meister“ am Hof des Fürsten Esterházy im burgenländischen Eisenstadt. Dort stand ihm ein kleines, aber feines Orchester zur Verfügung, für das er die Sinfonie C-Dur, Hob. I:30 komponierte, in der er für seinen Fürsten und heutige Hörer zwei ganz besondere Überraschungen versteckte: das gregorianische „Alleluja“ aus der Osternachtsliturgie sowie ein halbes Flötenkonzert. Das „Alleluja“ bekommen Besucher des 5. Philharmonischen Konzerts am Sonntag und Montag, 14. und 15. Januar, vom Pianisten Dezsö Ránki zu hören, der auch noch andere Stücke mit im Gepäck hat.

„Eine echte und wertvolle Kunst ist nur als nationale Kunst vorstellbar“, meinte beispielsweise Béla Bartók, der seine Vorliebe für die ursprüngliche Bauernmusik seiner ungarischen Heimat einmal als „neuen musikreligiösen Glauben“ bezeichnete und der allein zwischen 1907 und 1918 etwa 10.000 Volkslieder sammelte. Sein 1930/31 in Budapest entstandenes 2. Klavierkonzert konzipierte er ausdrücklich als gefälligeres Gegenstück zu seinem komplexen Vorgänger und verlieh den meisten seiner Themen einen „volkstümlicheren, leichteren Charakter“.

Ebenfalls Robert Schumans „Rheinische Sinfonie“ gibt es am Sonntag ab 11 und Montag ab 20 Uhr im Kieler Schloss zu hören. Schuman schrieb das Stück 1840 angesichts der deutsch-französischen Rheinkrise zum Text von Nikolaus Becker. Zehn Jahre später war es der überwältigende Eindruck des Kölner Doms, der den frischgebackenen Düsseldorfer Musikdirektor dazu inspirierte, seine letzte große Sinfonie in Angriff zu nehmen.

Dezsö Ránki wurde 1951 in Budapest geboren und zählt zu den besten ungarischen Pianisten unserer Zeit. Er erhielt zweimal den angesehenen Kossuth-Preis (1978 und 2008), die höchste staatliche Auszeichnung in Ungarn für die Bereiche Kunst und Kultur. Seine internationale Karriere begann noch während seiner Studienzeit an der Budapester Liszt-Akademie bei Pál Kadosa, als er 1969 den ersten Preis beim Robert-Schumann-Wettbewerb gewann.

Dezsö Ránki war Solist beim Berliner Philharmonischen Orchester, Konzerthausorchester Berlin, Gewandhausorchester Leipzig, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, bei der Dresdner Philharmonie sowie den Philharmonikern in Bremen, Essen und Nürnberg. Er gastierte im Festspielhaus Baden-Baden, beim Schumannfest in Düsseldorf, dem Kissinger Sommer und beim MDR Musiksommer.

Dirigiert wird das Philharmonische Konzert von Benjamin Reiners, der 1983 in Duisburg geboren wurde und seine Ausbildung an der Hochschule für Musik Köln sowie in der Kapellmeisterklasse von Professor Karl-Heinz Bloemeke an der Hochschule für Musik Detmold erhielt. Bereits während seines Studiums leitete er eine Kantorei sowie das Jugendorchester Duisburg und assistierte bei zahlreichen Opernproduktionen.

Benjamin Reiners ist einer der fünf Bewerber um den Posten des Generalmusikdirektors am Theater Kiel ab der Spielzeit 2019/20.

Bei diesem Konzert (wie bei allen weiteren Philharmonischen Konzerten der Spielzeit 2017/18) gilt das Angebot „Gemeinsam Begeistern“, bei dem vier Konzertkarten zum Preis von dreien erworben werden können. Bereits gekaufte Karten, auch Abo-Karten, werden dabei angerechnet.

Sonntag und Montag, 14. und 15. Januar, ab 11 beziehungsweise 20 Uhr. Kieler Schloss, Konzertsaal, Schlossplatz 2, Kiel. Die Karten kosten zwischen 15,30 und 35,90 Euro und sind unter Tel. 0431/901901 zu bestellen.

Foto: Szilvia Csibi