„Skandalfilm“ über Luther in St. Marien

Zum Reformationsjahr 2017 zeigt St. Marien in Rendsburg den Stummfilm „Luther“ von 1927. FOTO: HFR

Rendsburg. In Zusammenarbeit mit dem kommunalen Kino Rendsburg und dem Schauburg Filmtheater zeigt St. Marien in Rendsburg den Stummfilm „Luther“ aus den 20er-Jahren. Dazu gibt es Orgelimprovisationen von Volker Linhardt.

Es war einer der letzten großen Stummfilme der zum Skandal wurde: Die Verfilmung des Lebens Dr. Martin Luthers von Hans Kyser.

Kurz bevor der Tonfilm selbst „Metropolis“ schnell in der Versenkung verschwinden ließ, wurde bereits auf sehr hohem Niveau Filmgeschichte geschrieben: „Luther“ entstand bereits als reiner Studiofilm, selbst Außenaufnahmen wurden in den Hallen der Studios gedreht. Der Film sollte bis ins letzte Detail kontrolliert, unabhängig von Wind und Wetter und vor allem ohne Störungen entstehen.

Nach Fertigstellung war man aber bereits dazu gezwungen, den Streifen durch zahlreiche, von der Zensurbehörde aufgezwungene Kürzungen bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen. Die katholische Kirche in Bayern versuchte vergeblich, den Film zu verbieten.

Der Film „Luther – Ein Film der deutschen Revolution“ erzählt Luthers Leben aus der Perspektive von 1927: Studienzeit, sein Leben als Mönch, seine Zweifel, seine exzessiven Bibelstudien, die Konfrontation mit dem Ablasshandel, dann, als Doktor der Theologie, das Anschlagen der 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg, der Reichstag zu Worms, die Bibelübersetzung auf der Wartburg und schließlich die Bilderstürmer mit Luthers Heimkehr nach Wittenberg.

Bereits im Laufe des 19. Jahrhunderts bildete sich in Deutschland ein nationaler Mythos aus, der Luther zu einem Vorkämpfer deutscher Sprache, Unabhängigkeit und Identität stilisierte. Auch der Luther-Film von 1917 zeigt Luther so als nationalen Helden. Dazu kamen Szenen, durch die sich Katholiken angegriffen fühlten.

Freitag, 6. Oktober, 18.10 Uhr, St. Marien Rendsburg. Der Eintritt ist kostenlos.