Rückkehr zur alten Pracht – Das ehemalige „Bazille“-Haus in Kiel feierte gestern zweites Richtfest

Kiel. Schon lange ist das Haus in der Holtenauer Straße 73 in Kiel hinter Gerüsten und Planen verschwunden. Doch die Enthüllung rückt näher: Am gestrigen Freitag konnte die neue Eigentümerin, die Hamburgerin Sabine In der Smitten, Richtfest für die Sanierung feiern. Das 110 Jahre alte Gebäude, in dem Kiels ehemals wohl älteste und berühmteste Studentenkneipe, die „Bazille“ untergebracht war, ist im Laufe der vergangenen Monate unter strengen Denkmalschutzauflagen saniert und modernisiert worden. Zum 1. Juni, so die Planung, soll das Gebäude fertig für die neuen Mieter sein. Neben 16 Wohnungen wird der neue Altbau eine Arztpraxis, ein Immobilienbüro und ein Ladenlokal enthalten. Was für ein Geschäft ins Erdgeschoss einzieht, stehe aber noch nicht fest, so die Eigentümerin.

Das Haus kurz nach seiner Fertigstellung 1907 und kurz vor dem Beginn der Sanierung, 110 Jahre später.

Für die Planung der Sanierung hat Sabine In der Smitten das Büro Schnittger engagiert – auch um einen großen Bogen zu schlagen. Denn entworfen und gebaut wurde das Wohn- und Geschäftshaus von dem bekannten Kieler Architekten Hans Schnittger. Dessen Enkel Hans-Joachim Schnittger war zum gestrigen Richtfest eingeladen. Fertiggestellt wurde das Haus 1907.

Während im Zweiten Weltkrieg alliierte Bomben weite Teile der Holtenauer Straße in Schutt und Asche legten, war dieses Gebäude unter den wenigen, die erhalten geblieben.

„Ich habe das Haus Ende 2014 gekauft und möchte es – mit Hilfe von Philip Wilstrup, meinem Lebensgefährten und Experten in Sachen Immobilien und Planung – mit modernen Akzenten zu seinem ursprünglichem Glanz zurückführen“, so Sabine In der Smitten. Die Fassade werde denkmalgerecht restauriert, das Gebäude rundherum energetisch, modern und zeitgemäß saniert. 

Dabei wird die Frontfassade in den historischen Zustand zurück versetzt. Die Fenster in den Wohnungen werden aus Holz und nach der ursprünglichen Gliederung gefertigt und eingesetzt. Die Fenster und Türen der Ladenlokale im Erdgeschoss bekommen filigrane Stahlprofile und dreieinhalb Meter hohe Schaufenster. Der Haupteingang wird zurück in die Mitte des Hauses verlegt, und das gesamte Erdgeschoss bekommt eine Putzfassade nach historischem Vorbild mit modernen Akzenten. Die Loggien im ersten Stock werden wieder geöffnet, die bodentiefen Fenster hinter den Balustraden im zweiten und dritten Stock wieder hergestellt. Die Glasfronten in den Wintergärten im vierten Stock werden erneuert.

Und die Liste ist noch lange nicht zu Ende: Die Balkone auf der Rückseite werden erneuert, zugemauerte Fenster wieder geöffnet, das Haus bekommt einen Aufzug und wird um zwei hochwertige Penthauswohnungen aufgestockt. Im Treppenhaus werden das originale Terrazzo sowie die alten Wandfliesen, Geländer und Flügeltüren restauriert und mit modernen Elementen ergänzt. Sabine In der Smitten freut sich schon jetzt auf das Endergebnis: „Das wird unglaublich schön“ ist sie sich sicher.