Rückenwind für den Flughafen

Alexander Eck (v.li.) stellte die neue Initiative und ihre Argumente gemeinsam mit Prof. Felix Braun vom UKSH und Oliver Pohl, Sprecher vom Bündnis „Wir bleiben Stadt“, vor. Foto: Jan Köster

„Pro Flughafen Kiel GmbH“ will Schließung des Flughafens Holtenau verhindern

Kiel. Inzwischen ist es sicher: Bei der Kommunalwahl am 6. Mai werden die Kieler im Rahmen eines Bürgerbegehrens auch über die Zukunft des Flughafens Holtenau abstimmen. Das hat das Bündnis „Wir machen Stadt“ durch die Sammlung von rund 9000 Unterschriften erreicht. Ziel des Bündnisses ist die Schließung des Flughafens. Jetzt meldet sich ein Gegenbündnis zu Wort: Die Initiative „Pro Flughafen Kiel GmbH“, deren Geschäftsziel es ist, die Kieler dazu zu bringen, beim Bürgerbegehren gegen die Schließung des Flughafens zu stimmen. Die fünf Gründungsmitglieder der GmbH sind Katrin Birr, Chefin der Gebrüder-Friedrich-Werft in Kiel, Stefan Buchholz, Mitgeschäftsführer der Hydraulikfirma Buchholz aus Schwentinental, Alexander Eule geschäftsführender Gesellschafter des Kieler Waffelbackmaschinenherstellers Walter, Dr. Philip Murmann, Geschäftsführer der Zöllner Signal GmbH aus Kiel, und Alexander Eck, Inhaber der gleichnamigen Beteiligungsgesellschaft aus Dänischenhagen. Dazu könne die neue Initiative auf die Unterstützung eines ganzen Netzwerks von verschiedenen Organisationen vertrauen, so Alexander Eck, der als Sprecher der Pro Flughafen Kiel GmbH fungiert. Zur offiziellen Vorstellung der Pro-Flughafen-Initiative im Hangar des Holtenauer Flughafens hatte Alexander Eck zwei Vertreter solcher Organisationen gleich mitgebracht: Prof. Dr. Felix Braun, Leiter des Transplantationszentrums am UKSH in Kiel, und Oliver Pohl, Sprecher des Bündnisses „Wir bleiben Stadt“, das gegen die Schließung des Flugplatzes ist. Den Namen hat dieses Bündnis bewusst eng angelehnt an das quasi gegnerische Bündnis „Wir machen Stadt“. Oliver Pohl ist selbst Flugsportler. Er wies unter anderem darauf hin, dass Hybrid- und Elektroantriebe den Flugbetrieb bald deutlich leiser machten. Außerdem warb er für den Plan eines „Airparks“ auf dem Flugplatz. Prof. Braun wies darauf hin, das jedes Jahr ein Teil der in Kiel transplantierten Organe per Flugzeug in die Landeshauptstadt kommt, und dass der Erfolg einer Transplantation auch davon abhängt, wie schnell ein Spenderorgan zum Empfänger kommt. kst

Das ist die Frage des Bürgerentscheids am 6. Mai:

„Sind Sie dafür, dass der Verkehrslandeplatz Holtenau geschlossen und stattdessen auf dem Gelände ein neuer mischgenutzter Stadtteil mit weitest möglich kommunalem und gemeinnützigem Wohnungsbau und Gewerbe entwickelt wird?“

JA sagt das Bündnis „Wir machen Stadt“

Zusammengefasst die wichtigsten Argumente dieses Bündnisses:

– „Es gibt schon lange keinen Linienverkehr mehr auf dem Flugplatz. Trotzdem kostet er die Stadt jährlich rund 500.000 Euro.“

– „Auf dem Gelände könnte Wohnraum für viele Menschen gebaut werden. Rund 30 Prozent davon sind als sozialer Wohnungsbau denkbar. Die Einwohnerzahl Kiels würde steigen, dadurch bekäme die Stadt mehr Geld aus Schlüsselzuweisungen des Landes.“

– „Auf dem Gelände könnte zusätzlich eine Gewerbefläche mit vielen neuen Arbeitsplätzen entstehen, die der Stadt Kiel Gewerbesteuereinnahmen bringen würde.“

– „Wenn das Flughafenareal jetzt gemeinsam mit dem MFG-5-Gelände entwickelt wird, könnte ein insgesamt 192 Hektar großer neuer Stadtteil mit Wohnen und Arbeiten entstehen.“

– „Wenn der Flughafen nicht geschlossen wird, fallen in absehbarer Zeit millionenschwere, notwendige Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an.“

– „Der Transport von Transplantationsorganen muss nicht über Holteanu geschehen. Eine Verbindung über die Flughäfen Rendsburg-Schachtholm oder Hohn mit anschließendem Hubschraubertransport direkt ins UKSH ist ebenso möglich. Unterstützend könnte ein neu entwickeltes Gerät genutzt werden, das längere Transportzeiten als bisher für Transplantationsorgane ermöglicht.“

Die genauen Argumente unter: www.wirmachenstadt.de

 

NEIN sagt das Bündnis „Pro Flughafen“

Zusammengefasst die wichtigsten Argumente dieses Bündnisses:

– „Der Flughafen ist ein Teil der Identität der Stadt. Ohne ihn verkommt Kiel zur Provinz.“

– „Pro Jahr zählt der Flughafen aktuell rund 15.000 Starts und Landungen – Tendenz: steigend. Im Moment benötigt der Flughafen Holtenau zwar noch Zuschüsse, aber bis 2025 wird er sich vollständig selbst tragen können.“

– „Großkunden der international agierenden Kieler Werften und Maschinenbauer erwarten eine schnelle Erreichbarkeit. Ohne den Flughafen werden Aufträge verloren gehen und damit auch Arbeitsplätze.“

– „Organe wie Herzen und Lungen dürfen zwischen Entnahme und Einpflanzung maximal vier Stunden lang transportiert werden. Ohne den Flughafen Holtenau ist das nicht immer einzuhalten. Zusätzliche Transportwege von anderen Flughäfen in Schleswig-Holstein kosten zusätzlich Zeit, Hubschrauberflüge sind bei schlechtem Wetter nicht möglich. Dank des Instrumentenlandesystems in Holtenau können Fluzeuge dort auch bei schlechtem Wetter oder bei Nacht landen.“

– „Das Areal wird nicht für den Wohnungsbau benötigt. Kiel hat bereits seit 2015 einen Masterplan, der den Bau Tausender neuer Wohnungen auf dem MFG-5-Gelände, an der Kieler Hörn, in Neumeimersdorf und in Suchsdorf vorsieht.“

– „Mit dem Projekt ’Airpark’ werden auf dem Flughafengelände auch neue Gewerbeflächen und Arbeitsplätze entstehen.“

Die genauen Argumente unter www.pro-flughafen-kiel.de