Reporter für Sehbehinderte

Eine illustre Runde: Die Hamburger Sehhunde bei ihrem Besuch im Kieler Holstein-Stadion. FOTO: HFR

Kiel. Die KSV Holstein ist seit dem vergangenen Wochenende wieder Zweitklassig. Einen besonderen Service bietet der Verein aber schon längerfristig an. Nach dem Motto: Blind oder sehbehindert und trotzdem einem Fußballspiel im Stadion beiwohnen. Geht das? Die KSV Holstein ist in Sachen Blinden-TV, live aus dem Stadion, einer der Vorreiter-Vereine in Deutschland. Gleich neun ehrenamtliche Mitarbeiter, mit Fußballinteresse und- Sachverstand, haben es sich zur Aufgabe gemacht sehbehinderten und blinden Störche-Anhängern den Stadionaufenthalt am Mühlenweg so bequem wie möglich zu machen. Jeweils drei Reporter bilden während der 90 Minuten ein Team. Zwei wechseln sich als Kommentatoren ab, einer ist für die Technik (Funkanlage Bayer Dynamic) zuständig und stattet die Zu“schauer“ z.B. mit Kopfhörern aus. Das Spiel wird dann-incl. Stadionatmosphäre-simultan, exakt und bildhaft beschrieben. „Für einen alleine wäre es doch ein wenig stressig“, so Holger Fischer, Behindertenbeauftragter der KSV. Der Drittligist Holstein hat dieses Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Kiel des Deutschen Roten Kreuzes ins Leben gerufen. Das DRK ist auch für die Gewinnung und Schulung der Stadionreporter zuständig und fungiert als Ansprechpartner. Beide Parteien wurde dafür mit dem Integrationspreis des SoVD (Anm.: Sozialverbandes Deutschland)) ausgezeichnet. Der Preis wurde den Geschäftsführern Wolfgang Schwenke (Holstein Kiel), sowie Jürgen Hoffmeister (Kieler DRK) während einer Feierstunde im Steigenberger Hotel Conti Hansa überreicht. Nina Schweppe vom Hamburger Blindenverein Sehhunde, konnte vor einiger Zeit das Kieler Projekt testen. Ihr Eindruck:

„Nachdem wir die Entstehung des Projektes beratend begleitet hatten, wollten wir nun einmal live erleben, was daraus geworden ist. Die Ticketbestellung war sehr problemlos. Auch die Tatsache, dass wir keine Begleiter gefunden hatten, war nicht weiter schlimm. Hier halfen und die Mitarbeiter Holsteins ganz hervorragend. Auch die Technik funktioniert einwandfrei. Schweppe zur Live-Stadion-Aktion: „Wir kommen gerne wieder. In Kiel scheint dieses Projekt vollends aufgegangen zu sein. Und so ein gravierender Unterscheid ist zwischen den Sehbehinderten und gesunden Anhängern am Mühlenweg eh kaum zu bemerken. „So richtig blind ist hier meist eigentlich nur der Schiedsrichter“, brachte es ein Mitglied der Gruppe grinsend auf den Punkt. (Dief)