Radler spielen die Hauptrolle – Fahrradstraßen haben sich in Kiel seit zweieinhalb Jahrzehnten bewährt

Bereits 1992 machte die Stadt Kiel die Hansastraße zur ersten Fahrradstraße – lange bevor die Fahrradstraße 1997 auch offiziell in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurde. Foto: kst

Kiel. Als die Stadt Kiel in der Hansastraße die erste Fahrradstraße eröffnet, gab es diesen Begriff in der Straßenverkehrsordnung noch gar nicht. Heute, 26 Jahre später, gibt es 20 Fahrradstraßen in Kiel. Dass Kraftfahrzeuge dort quasi nur Gäste sind, die sich dem Radverkehr anzupassen haben, müssen nach den Beobachtungen der Stadt vor allem manche Autofahrer noch lernen. Wenn es nicht anders geht, muss die Stadt Kiel mit Auto-Hindernissen und Verkehrsregelungen nachhelfen, damit der Radverkehr in einer Fahrradstraße tatsächlich die Hauptrolle spielen kann.

Die Kieler Hansastraße war die erste Kieler Fahrradstraße. Dort sind nach Beobachtung von Kiels Fahrradbeauftragtem Uwe Redecker inzwischen so viele Fahrradfahrer unterwegs, dass Autofahrer schon zwangsläufig eine Nebenrolle spielen. In der noch relativ neuen Fahrradstraße im Scharweg, die Teil der ersten „grenzübergreifenden“ Fahrradstraße von Kiel in Richtung Schönkirchen ist, müssen sich Radler und Autofahrer noch an die dort neuen Regelungen gewöhnen.

Für alle Fahrradstraßen gilt: Fahrradfahrer dürfen nebeneinander fahren, auch wenn ein Auto dahinter dann nicht überholen kann. Für alle gilt Tempo 30. Und in Fahrradstraßen dürfen nur Fahrräder mit reinem Pedalantrieb und Pedelecs fahren, also Fahrräder mit einem E-Motor, der das Treten bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 25 km/h unterstützt. Alle Fahrzeuge, die ein Versicherungskennzeichen oder ein richtiges Nummernschild tragen, dürfen dort nur fahren, wenn ein Zusatzschild unter dem Verkehrsschild „Fahrradstraße“ das ausdrücklich erlaubt. Als Durchgangsstraßen oder Abkürzungen für Autofahrer sind Fahrradstraßen aber ausdrücklich nicht gedacht. Damit Radfahrer in Fahrradstraßen gut voran kommen, sind die Gehwege über die Einmündungen einiger Seitenstraßen hinweg gepflastert worden. Dadurch hat die Fahrradstraße an diesen Einmündungen Vorfahrt. Ohne die Pflasterung würde die Regel „rechts vor links“ gelten, die den Verkehr in der Fahrradstraße bremsen würde. Aber auch Autofahrer wissen diese Vorfahrtregelung zu schätzen: Manche nutzen sie als willkommene Schleichwege, auf denen sie zum Beispiel die Ampeln einer parallel laufenden Auto-Straße umfahren wollen. In solchen Fällen ist die Stadt verpflichtet zu handeln. Zuletzt hat die Stadt Kiel darum die Fahrradstraße in der Gerhardstraße mit Schildern und Hindernissen versehen, die ein Durchfahren von Autos verhindern.

Als Teil des Kieler Radwegenetzes haben sich die Fahrradstraßen nach Einschätzung von Kiels Fahrradbeauftragtem Uwe Redecker aber auf jeden Fall bereits bewährt.