Preetz funkt in die ganze Welt

Christian Voß (v.l.n.r.), Heinz-Otto Riemann und Frank Müller sind Amateurfunker. Vom Dach des Preetzer Wasserturms aus senden sie Funksignale um die ganze Erde.

Preetz. Ein Funkgerät, ein Draht und Strom – mehr braucht es nicht, um mit relativ geringen Mitteln jeden Punkt der Erde zu erreichen.

Seit rund 55 Jahren funken die Mitglieder des Preetzer Ortsverbands (M11) des Deutschen Amateur-Radio Clubs (DARC) in die Welt. Ihre Antennen stehen auf dem Preetzer Wasserturm.

„CQ, CQ, this is DK5(five)L(Lima)O(Ocean)“, ruft Christian Voß in das Mikrofon um zu hören, was so los ist auf dem Band. Stimmen sind zu hören, während er die Frequenzen absucht. CQ (spricht sich wie seek you = suche dich) ist der allgemeine Anruf, DK5LO das persönliche Rufzeichen von Christian Voß.

Dann unterhält er sich plötzlich mit jemandem, tauscht geheimnisvolle Codes aus: „Das war Spanien“, sagt er und hat damit eine bestätigte Funkverbindung für sein Logbuch.

Von den 27 Mitgliedern des Preetzer Vereins sind zehn aktiv und treffen sich regelmäßig im obersten Stockwerk des Wasserturms. Auf dem Dach in 60 Metern Höhe betreiben sie zwei Richtantennen, Kurzwelle und 2-Meter-Band (UKW), die sie aus dem Funkraum heraus drehen können.

„Über Reflexion in den Luftschichten kommen unsere Signale auch auf die andere Seite der Erde“, erklärt Frank Müller, der seit 35 Jahren funkt. „Bei Sonnenflecken sind die Bedingungen am besten, dann kommt man am weitesten, man kann aber auch den Mond als Reflektor benutzen.“

Jeder der Funkamateure hat auch zu Hause Antennen und ein Funkgerät. „Es geht darum, Menschen überall auf der Welt kennenzulernen“, erklärt der 1. Vorsitzende Mario Keipke. Viele wollten ihre Sprachkenntnisse auffrischen, bei Wettbewerben geht es um die maximale Anzahl an zurückgelegten Kilometern.

Die Preetzer wurden beim 24-Stunden-Funken 2010 Deutscher Meister. Die alten Hasen funken noch gerne mit Telegrafie, doch Morsen gehört heute nicht mehr zur Prüfung.

Für die benötigte Amateurfunkgenehmigung bietet das Internet die Ausbildung. „Das ist heute viel einfacher als früher“, so Keipke. Funken sei wie ein Überraschungsei, man wisse nie, wer sich meldet, sagt Christian Voß.

Reizvoll ist für viele das Funken von einem Schiff oder einem Ort, von dem noch niemand zuvor gesendet hat, beispielsweise von den Pitcairn-Inseln.

Funkverbindungen werden mit QSL-Karten im Postkartenformat bestätigt. Mario Keipke hat über 1500 Stück. „Besonders begehrt sind QSL-Karten aus Amateurfunk-Ländern, oder der Internationalen Raumstation ISS. Wenn sich ein Syrer meldet, stürzt sich ganz Europa auf ihn.“ Nordkorea sei das heißeste und begehrteste Ziel – dorthin gab es bisher keine Kontakte.

Und über was redet man so, wenn ein Kontakt zustande gekommen ist? „Es gibt auch schon mal familiäre Gespräche“, erzählt Karin Merkel, „aber meistens geht es um den Technikaustausch.“ Und was sind die Highlights? Mario Keipke: „Einmal im Jahr funke ich zur Wostok-Station am Südpol“. (hop)

Infos im Internet unter www.darc.de/distrikte/m/11. Für Interessierte hat der OV ein Ausbildungsrufzeichen zum Schnuppern.