Plaudern statt Parken – Zwei Parkplätze in Gaarden gehören jetzt erstmal den Fußgängern

Andreas Block (Werk Statt Konsum, v.li.), Thilo Pfennig, Johannes Zinken (Werk Statt Konsum) und Frederik Meißner (VCD). Foto: Katharina Schönherr

Kiel-Gaarden. Zwei Parkplätze sind in der Gaardener Medusastraße zunächst auf Zeit einer hölzernen Plattform gewichen. Wo bis vor Kurzem Autos abgestellt wurden, laden nun eine aus Europaletten gefertigte Bank und eine Sandkiste zum Erholen, Spielen und Zusammenkommen ein. Parklet, so nennt sich das Konzept, das Parkplätze zu Erweiterungen von Fußgängerflächen macht.

Initiator dieses ersten Parklets auf dem Kieler Ostufer ist Thilo Pfennig, der in unmittelbarer Nähe das Geschäft Bio-Gaarden betreibt. Die Idee kam dem langjährigen Mitglied des Umweltverbandes „Verkehrsclub Deutschland“ (VCD) durch eine Toolbox des Vereins. Unter dem Motto „Erobere dir die Straße zurück“ werden darin Maßnahmen vorgestellt, um das Straßenbild besser an die Bedürfnisse der Fußgänger anzupassen. Denn den vollgeparkten Straßen in Gaarden fehle es eindeutig an Freiraum, so Pfennig.

Die grobe Idee entwickelte sich mit Unterstützung des Stadtteilentwicklungsprojektes „Gaarden hoch 10“ und einer Förderung durch den Verfügungsfond Gaarden zu einem konkreten Plan. Gemeinsam mit der „Werk Statt Konsum“ wurde ein Konzept erstellt, das nach der Zustimmung durch den Ortsbeirat handwerklich umgesetzt wurde.

Die Anwohner wurden dabei bewusst in den Bauprozess eingebunden, um Vorurteile bereits im Vorwege abzubauen: „Parkraum ist immer ein heikles Thema“, sagt Frederik Meißner vom VCD . Es gehe jedoch nicht darum, Flächen wegzunehmen, sondern zum Nachdenken anzuregen. Denn viele Menschen sind neben der Nutzung von anderen Verkehrsmitteln vor allem auch als Fußgänger am Straßenverkehr beteiligt. Dies gilt es, durch diverse Projekte zu fördern.

„Dennoch wird so ein Prozess wie der Bau eines Parklets nie ohne Diskussion ablaufen“, fährt Meißner fort. Der Widerstand in Gaarden sei jedoch gering gewesen, da für viele Anwohner der Mehrwert des neu erbauten Platzes überwiegt. Ob für eine kurze Pause auf dem Weg zum Wochenmarkt oder als urbaner Treffpunkt: Die Sitzgelegenheit wird von einem bunten Publikum angenommen.

„Ein Stück der Straße wird den Bürgern gegeben“, resümiert Stadtrat Gerwin Stöcken. Man müsse auch in Zukunft weitere Kompromisse finden, um den öffentlichen Raum attraktiver zu gestalten und die Straßen aufzuwerten.

Das Parklet in der Medusastraße Ecke Kaiserstraße ist das dritte seiner Art in Kiel und vorerst bis Ende Juli 2019 genehmigt, eine Verlängerung des Projektes und weitere Nutzungen des öffentlichen Raums an anderer Stelle sind bereits in Planung.kms