Pflegeheim für Eichhörnchen – Bei Monika Rademacher leben auch Tiere, die in der Natur chancenlos wären

Das Eichhörnchen Joda hat seine starke Kopfverletzung überlebt, kann aber mit nur einem Zahn keine Nüsse knacken und lebt daher im Dauergehege.

Eckernförde. In der Eichhörnchen-Schutzstation in Eckernförde finden verletzte und dauerhaft behinderte Eichhörnchen ein neues Zuhause.

Aktuell leben sieben Tiere im Dauergehege, die so stark eingeschränkt sind, dass sie in der freien Natur nicht überleben würden. „Der kleine Joda kam im August vergangenen Jahres mit einer starken Kopfverletzung zu uns“, erinnert sich Monika Rademacher, Leiterin der Schutzstation. Seine ganze Kopfhaut hatte sich abgelöst, die Ohren waren abgestorben. Doch Rademacher konnte dank ihrer zwölfjährigen Erfahrung und einer Rundum-Betreuung den kleinen Kerl so lange pflegen, bis er wieder gesund war. Doch eine Auswilderung war nicht möglich, denn Joda hat nur einen Zahn, der immer wieder abbricht. Dadurch fällt es ihm sehr schwer, Nüsse zu knacken. Somit zog er in das 500 Kubikmeter große eingezäunte Gehege in der Schutzstation. Mit ihm leben dort sechs weitere Eichhörnchen. Darunter zum Beispiel auch Holly, die vom Auto angefahren wurde und querschnittsgelähmt war. „Beim Röntgen stellte sich heraus, dass die Wirbelsäule intakt war, also haben wir sie gepflegt. Heute kann sie zwar laufen und klettern, aber nicht springen oder auf den Hinterbeinen stehen“, so Rademacher. Ein anderes Hörnchen heißt Leni, sie hat eine neurologische Störung und Probleme im Bewegungsablauf. Trotz ihres Handicaps können die Eichhörnchen im sicheren Dauergehege artgerecht weiterleben. Zum Klettern gibt es viele Möglichkeiten, und verschiedene Kobel bieten ausreichend Schutzräume zum schlafen.

Monika Rademacher und ihr Team aus fünf weiteren Leuten, darunter auch die Ein-Euro-Jobberin Regina Plottke, engagieren sich mit viel Herzblut ehrenamtlich in der Schutzstation. Täglich reinigen sie das Gehege, legen Futter nach, beobachten und kontrollieren die Tiere und dokumentieren die Entwicklung jedes einzelnen. „Wenn wir Jungtiere bekommen, ist das ein 24-Stunden-Job“, so Rademacher. Die Schutzstation arbeitet eng mit dem Veterinäramt und der Naturschutzbehörde zusammen, damit es den Tieren gut geht. Insgesamt können im Dauergehege zehn Eichhörnchen leben. Manchmal zieht auch eines wieder aus, Nepomuk zum Beispiel. Er kam, als er erst ein paar Wochen alt war, hatte starke Durchfälle und Parasiten sowie eine starke Entwicklungsstörung. Nach intensiver Pflege kam er ins Dauergehege und erholte sich so gut, dass er nun wieder bereit für die freie Natur ist. Die Eichhörnchen-Schutzstation kann immer dienstags bis sonntags von 10 bis 15 Uhr besichtigt werden, ab März ist dienstags bis sonntags bis 16 Uhr geöffnet. Ins Gehege dürfen Besucher nicht. Es sind auch nicht immer Eichhörnchen zu sehen, da sie aktuell Winterruhe halten und nur alle zwei bis drei Tage kurz herauskommen, um zu fressen. Wer die Station unterstützen möchte, hat die Möglichkeit, Geld oder Futter zu spenden. Wer vor allem Joda eine Freude machen will, kann Pecanüsse spenden. Diese ist er besonders gerne. saa

Wer ein verletztes oder verwaistes Eichhörnchen auffindet, sollte sich sofort bei Monika Rademacher unter Tel. 0173/954 9042 melden und erhält dann wichtige Informationen zur Erstversorgung. Weitere Informationen gibt es auch auf www.eichhoernchen-eck.de

Das schwerverletzte Eichhörnchen Joda wurde von Monika Rademacher in liebevoller Handarbeit aufgepäppelt und kann nun im Dauergehege mit sechs weiteren Eichhörnchen wohnen.