Othello mit Punk im Herzen

Schauspieler und Musiker Marko Gebbert erhält am 24. Juni den Kieler Kulturpreis. FOTO EVA-MARIA KARPF

Der Kieler Schauspieler Marko Gebbert erhält den Kieler Kulturpreis

Kiel. Er verkörperte Othello, Baal und Richard III., komponierte Bühnenmusik für die „Wildente“ und spielte in der Band des Sommermusicals „Romeo und Julia“. Seit 2003 gehört Marko Gebbert zum Ensemble des Kieler Schauspielhauses. Für seine Leistung erhält der Schauspieler und Musiker am 24. Juni den mit 10.000 Euro dotierten Kieler Kulturpreis. „Die Nachricht kam überraschend, aber es ist großartig, so eine Anerkennung zu bekommen“, sagt Gebbert. „Das zeigt auch, wie wichtig den Kielern das Theater ist.“

Nach Bernhard Minetti (1964) und Heinz Reincke (1983) ist Marko Gebbert der dritte Schauspieler, der diese Auszeichnung erhält. Der Unterschied: Minetti und Reincke waren gebürtige Kieler, die durch Film und Fernsehen überregional bekannt wurden. Sie bekamen den Preis mit Ende 50. Marko Gebbert hingegen ist erst 43 Jahre alt und stammt aus dem Erzgebirge. Es ist sein Beruf, der ihn in Kiel verankert – auf der Bühne des Schauspielhauses entwickelte er sich zum Charakterdarsteller.

„Als ich 2003 nach Kiel kam, war ich praktisch noch Student“, sagt Gebbert. 2001 hat er sein Diplom an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover gemacht, dann als freier Schauspieler in Hamburg gearbeitet. „Das war viel experimentelles Theater, ich habe mich auch in Film und Fernsehen versucht“, erzählt er. „In Kiel bekam ich ganz andere Aufgaben.“ Seine erste Rolle hier war der junge Liebende Bassanio im „Kaufmann von Venedig“ von Shakespeare. Aktuell spielt er die Hauptrolle in dessen „Richard III.“, einen Intriganten, der abstoßend und verführerisch zugleich ist. Dahinter steht eine Entwicklung seiner Schauspielkunst, die regelmäßige Theaterbesucher live miterlebt haben und häufig mit spontanem Szenenapplaus honorieren.

Wie findet man den Zugang zu solchen komplexen Rollen? „Wir haben immer rund sechs Wochen Zeit, um das Stück und die Figuren zu entwickeln“, erklärt Marko Gebbert. „Am besten funktioniert es, wenn ich mit einer anderen Person einfach spielen und ausprobieren kann.“ Der zweite Schritt sei, die Klischees „abzuschälen“, damit auch eine bekannte Figur frisch und glaubwürdig wirke. Richard III. etwa beschreibt sich selbst zu Beginn des Stücks als „deformiert“ und „lahm“, was in der aktuellen Inszenierung für Marko Gebbert ein Spiel mit Buckel, Bandagen und unterschiedlich hohen Schuhen bedeutet. „Das erlaubt mir viel Bewegungsfreiheit, in anderen Inszenierungen wird der Darsteller ja auch mal in eine steife Halskrause gesteckt.“ Gebbert reizt sein Kostüm so bis zur Schmerzgrenze aus, dass man ihm nach der Aufführung eine Physiotherapie wünscht. „Ich mache regelmäßig Judo“, sagt er dazu. „Das kann ich schon ab.“

Die Monate von April bis Juni bedeuten Hochbetrieb für das Schauspielensemble – zu den abendlichen Vorführungen kommen die Proben für neue Stücke, dazu die Vorbereitungen für das Sommertheater und die kommende Saison. Daneben soll natürlich auch noch Zeit für die Familie bleiben. „Jede Punkband in der Pumpe erleben, das geht leider nicht mehr“, sagt Marko Gebbert bedauernd. Trotzdem, hin und wieder schafft er es auf ein Konzert. Und wenn das Wetter stimmt, pflegt er einen Zeitvertreib, der typischer für Kiel nicht sein könnte: „Dann nehme ich eine kleine Plastikjolle und gehe segeln.“ emk