Ortsbeirat Ravensberg

Der Wunsch der Anwohner wurde erfüllt: In der Esmarchstraße wird zwischen den Bäumen auf dem Gehweg nun wieder das historische Mosaikpflaster verlegt. FOTO: KAE

Mosaikpflaster spaltet die Gemüter

Kiel. Manchmal kann auch Dieter Hartwig, langjähriger Vorsitzender des Ortsbeirats Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook nur ungläubig den Kopf schütteln. Wie beispielsweise aktuell angesichts der Ereignisse rund um die Ertüchtigung des Gehwegs in der Esmarchstraße. Dort hatte ein einzelner Anwohner mit einem Extrawunsch dafür gesorgt, dass die Baumaßnahme nun doppelt so teuer ist, wie ursprünglich geplant.
Eigentlich hatten die Mitarbeiter des Tiefbauamts einen eindeutigen Plan: Im oberen Abschnitt der Esmarchstraße zwischen Holtenauer Straße und Gneisenaustraße wollten sie die Verkehrssicherheit auf dem Gehweg wieder herstellen. Dort hatten die Wurzeln der großen alten Bäume an einigen Stellen das angrenzende historische Mosaikpflaster hochgedrückt. Das sollte nun ausgebessert werden. „Diese Ertüchtigungs-Maßnahme dient der Instandhaltung des Gehwegs. Die Verkehrssicherheit ist dabei oberstes Gebot“, erklärte Heinz Jesper vom Tiefbauamt.
Doch damit waren die Arbeiten noch nicht zu Ende. Zwischen den Bäumen stellten die Tiefbauer auch noch neue Fahrradbügel auf, damit die Radler am Blücherplatz mehr Abstellplätze für ihre Drahtesel haben. Rund um die neuen Fahrradbügel wurde dann aber nicht mehr das alte Mosaikpflaster eingesetzt, sondern neues Betonpflaster, wie es auch auf den Straßen rund um den Blücherplatz zu finden ist. „Das Mosaikpflaster ist einfach schwer zu reinigen. Mit dem Betonpflaster haben wir uns an die heutigen Gegebenheiten angepasst“, so Jensen.
Mosaikpflaster weg, Fahrradbügel da – das war zuviel für einen Anwohner der Esmarchstraße. Er rief im Tiefbauamt an, drohte, sich direkt beim Bürgermeister zu beschweren und hatte Erfolg: Am nächsten Tag wurden die Fahrradbügel wieder ausgebaut. Das passte jedoch anderen Anwohnern wieder nicht und so kam es zu einer Ortsbegehung mit Anwohnern, Tiefbauamt und Ortsbeirats-Vorsitzendem Dieter Hartwig. Dabei wurde ein Kompromiss gefunden: „Wir setzen weniger Bügel und diese mit größerem Abstand, damit der Durchgang zu den parkenden Autos offen bleibt. Rund um die Fahrradständer verlegen wir außerdem wieder das Mosaikpflaster“, fasste Heinz Jensen die neuen Pläne zusammen.
Die Anwohner sind mit dieser Lösung zufrieden, die Stadt muss dafür ganz schön tief in die Tasche greifen: „Die ganze Maßnahme wird nun doppelt so teuer wie vorher veranschlagt.“, so Jensen, „Statt 25.000 Euro kostet die Ertüchtigung des Gehwegs in der Esmarchstraße jetzt 50.000 Euro.“ Diese Tatsache sorgten bei Ortsbeirats-Mitglieder und Gästen für ungläubiges Staunen und beim Vorsitzenden für eine deutliche Unmutsäußerung: „Irgendwann hört es mal auf. 50.000 Euro für die besondere Esmarchstraße. Das muss ein Einzelfall bleiben.“ kae

Im Innenhof zwischen Hardenbergstraße, Blücherstraße, Nettelbeckstraße und Holtenauer Straße entstehen die „Blücher-Höfe“. Die Anwohner sind mit diesem Bauprojekt äußerst unzufrieden. FOTO: KAE

Unmut über die „Blücher-Höfe“

Kiel. Bereits vor vier Jahren sind die Bewohner der Häuser rund um den Innenhof zwischen Hardenbergstraße, Blücherstraße, Nettelbeckstraße und Holtenauer Straße schon einmal auf die Barrikaden gegangen, als erfuhren, dass in ihrem Hinterhof vier neue Wohngebäude mit über 50 Miet- und Eigentumswohnungen errichtet werden sollen. Nun sind die Rohbauten fertig, das „Blücher-Höfe“-Bauprojekt nimmt Formen an. Und der Unmut der Bürger darüber ist nach wie vor riesengroß. Noch einmal kamen die Betroffenen nun zum Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook, um ihrem Ärger Luft zu machen.
„Die Bauten sind viel zu hoch, viel zu massig und viel zu dicht an die bestehenden Grundstücke der Randbewohner gesetzt. (…) Der Innenhof erscheint im wahrsten Sinne des Wortes ‚zubetoniert‘ und ist als solcher nicht mehr zu erkennen“, so heißt es in einem Schreiben der Bürgerinitiative „Blücherdialog – Rettet die Innenhöfe“, den Anwohnerin Ilka Kollath im Ortsbeirat verlas. Die wichtigste Botschaft formulieren die betroffenen Bürger dort fett gedruckt: „Wir lehnen diese Bauten nach wie vor als für diesen Innenhof zu überdimensioniert entschieden ab!“
Dass ihre Wohnqualität durch den Neubau verloren geht und die Idylle des einst von Garagen und kleinen Betrieben besiedelten Innenhofs zerstört wird, befürchteten die Anwohner bereits im Sommer 2013, als das Bauvorhaben vorgestellt wurde. Sie protestierten dagegen und suchten nach Kompromissen. Doch die von Anfang an vorgegebene Bruttogeschossfläche von 5.600 Quadratmetern „verhinderte eine Kompromissfindung“, heißt es im Brief.
Aus der jetzigen Sicht der Anwohner waren zudem alle Gespräche mit Verantwortlichen und die umfangreichen Diskussionen im Ortsbeirat nur eine scheinbare Bürgerbeteiligung „Sie hörten sich unsere Bedenken und Vorschläge zwar an, aber haben sie nie ernst genommen“, schreiben die Mitglieder der Bürgerinitiative.
Die Mitglieder des Ortsbeirats nahmen diese Anschuldigungen unkommentiert zur Kenntnis. Im Bezug auf aktuelle Beschwerden der Anwohner wie nächtliche Ruhestörung durch Wasserpumpen, die Fällung mehrere großer Linden und fehlende Ansprechpartner auf der Baustelle versprach Ortsbeirats-Vorsitzender Dieter Hartwig (SPD), sich zu kümmern und den Kontakt zur Stadt und dem Bauträger herzustellen. „Vor allem die Verwaltung soll sich Ihre Beschwerden anhören und für die nächsten Bauprojekte daraus lernen“, forderte Hartwig abschließend. kae