Ort der Kunst – Zum 100. Todestag von Hans Olde

Eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Urgroßvater Hans Olde wird Johanna Beckmann nachgesagt, die wie er auf Seekamp ihre Jugend verbrachte und nun die Ausstellung zu seinem 100. Todestag organisiert hat. FOTOS: GÖD

Schilksee. Er, Hans Olde, sollte Landwirt werden? Das ging auf keine Kuhhaut. Anlässlich seines 100. Todestages wird in Seekamp eine Ausstellung des bedeutenden impressionistischen Malers gezeigt.

„Mein Urgroßvater war der einzige Sohn des Gutsbesitzers von Seekamp und sollte dessen Nachfolge antreten“, erzählt Johanna Beckmann, die gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Ulrich Schulte-Wülwer die Ausstellung eingerichtet hat.

Sehr stimmungsvoll sind die Werke Hans Oldes, die Schneelandschaften zeigen, wie das um 1895 entstandene „Winterbild“.

Von Monet inspiriert

„Es gab verbitterte familiäre Auseinandersetzungen“, fährt die Urenkelin fort. Hans Olde setzte sich durch und studierte von 1879 bis 1884 an der Kunstakademie in München und an einer der bedeutendsten Privatakademien in Paris. Dort entdeckte er unter anderem Werke Claude Monets, die ihn beeinflussten.

Er zog wieder nach Seekamp und schuf Gemälde, Zeichnungen und Radierungen. „Mein Urgroßvater hat Fotografien gemacht, zum Beispiel von Schnitterinnen, Melkerinnen und Milchkühen“, erzählt Beckmann. „Er hat sie als Vorlagen für seine Malerei verwendet.“

Lichtdurchflutete Bilder

Auf einer dieser Fotografien posiert ein Zuchtbulle, auf den sein Vater sehr stolz war und für den dieser einen Preis von 800 Mark erzielte. Dagegen soll der Sohn 8.000 Mark für das nach der Fotografie entstandene Ölgemälde erhalten haben, als er es der Dresdner Gemäldesammlung verkaufte – sicherlich eine Genugtuung für den Maler.

Die Ausstellung mit dem Titel „Hans Olde auf Seekamp“ zeigt rund 20 Werke, hauptsächlich Leihgaben der Familie. Zu sehen sind zum Beispiel die lichtdurchfluteten Bilder „Meeresstimmung“ (1895), „Frühling im Walde“ (1897) oder „Gewitter“ (1910). Ein Ölgemälde der Schau hat Hans Olde im Jahr 1898 dem 79-jährigen Klaus Groth geschenkt.

Es zeigt das Dorf Pries „bei Abenddämmerung, Häuser schon im Halbdunkel, aus der Schenke leuchtet es hinter wuchtigen Baumstämmen auf, zwei alte Landleute erscheinen rechts auf dem Weg“ – so Groths Beschreibung, der mehrfach auf Gut Seekamp zu Besuch war.

Er machte Kunststudium für Frauen möglich

„Größte Bewunderung fanden auch Hans Oldes tiefblau schimmernde Schneebilder“, erläutert Schulte-Wülwer.

Im Jahr 1902 wurde Hans Olde als Akademiedirektor nach Weimar berufen. „Er war der Erste, der Frauen das Studium an einer staatlichen Kunstakademie ermöglichte“, erzählt der Kunsthistoriker.

Unmittelbar, nachdem sein ältester Sohn im Ersten Weltkrieg auf einem Unterseeboot den Tod fand, starb Hans Olde im Alter von 63 Jahren.

Seekamp – Schaffensort für Künstler

Seekamp war auch Schaffensort späterer Generationen: Der gleichnamige Sohn, der in der Kunstgeschichte als „Hans Olde der Jüngere“ einging, wirkte als Maler und Grafiker, dessen Schwiegersohn Hans Kock arbeitete als Bildhauer.

Sein Sohn wiederum, Moritz Kock, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, war ein angesehener Architekt. Die Schwester des Verunglückten, Dr. Johanna Beckmann, ist Vorsitzende der Hans-Kock-Stiftung, die das künstlerische Erbe auf Gut Seekamp verwaltet. göd

Die Ausstellung wird von verschiedenen Veranstaltungen begleitet. Unter anderem tritt die Ururenkelin von Hans Olde, Constanze Beckmann, im „Potsdam Trio“ am Sonnabend, 8. Juli, ab 15 Uhr in einem Konzert auf.